EDW-Verkauf: «Die Mutter wird zum besten Kunden» (Ausgabe 2008-07)

Swiss übernimmt Edelweiss Air von Kuoni. Der Vollzug der Zusammenarbeit soll per Ende Oktober erfolgen.

Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft übernimmt Swiss (LX) die
bis anhin zu 100% Kuoni gehörende Edelweiss Air (EDW) vollständig. Die
Gespräche über eine Übernahme wurden im September 2007 aufgenommen. Die
Initiative sei gemeinsam entstanden und entspreche den Bedürfnissen
beider Seiten, erklärt Karl Kistler, CEO von Edelweiss Air, im Gespräch
mit TRAVEL INSIDE.

Stefan Leser (CEO Kuoni Schweiz) und Harry Hohmeister (Chief Network
& Distribution Swiss) waren die führenden Kräfte in den
Verhandlungen. Über den Verkaufspreis wie auch die vertraglichen
Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart. Auf die Gründe für den Verkauf
angesprochen, meint Kistler: «Die Problematik der mangelnden Auslastung
ist bekannt. Wir haben eine Lösung dieses Problems gesucht und mit dem
jetzt unterzeichneten Abkommen gefunden.»

Für Edelweiss Air stehe nun im Vordergrund, das Ausmass der nutzbaren
Synergien zwischen den beiden Airlines zu eruieren und sich im neuen
Airline-Umfeld zu positionieren, so Kistler. Bis Oktober solle
diesbezüglich Klarheit geschaffen werden. Gleichzeitig konzentriere man
sich primär auf die betriebsame Sommersaison. «Bis zum Abschluss der
Übernahme wird noch einige Zeit verstreichen, denn die
Systemanpassungen zwischen EDW und LX geschehen nicht von heute auf
morgen. Zudem müssen die zuständigen Behörden, die
Wettbewerbskommission (Weko) und das Bundesamt für Zivilluftfahrt
(BAZL), die Übernahme der Airline absegnen, bevor weitere Schritte
unternommen werden können», führt Kistler weiter aus. Er geht davon
aus, dass die Einwilligung der beiden Behörden kein Problem sein wird,
«da die Übernahme für die Endkunden von Vorteil sein wird».

Für die EDW-Angestellten ändert sich durch die neue Situation praktisch
nichts. Die 240 Mitarbeiter – 207 davon Fulltime-Mitarbeiter – werden
von der neuen Eigentümerin Swiss ausnahmslos übernommen. Auch ein Umzug
der Edelweiss-Administration an die Obstgartenstrasse ist laut Kistler
nicht vorgesehen: «Edelweiss legt Wert darauf, dass alles zusammen
bleibt. Der familiäre Geist soll bewahrt werden.» Das EDW-Management
wird voraussichtlich ab November direkt an die Swiss rapportieren. Das
heisst, es wechseln lediglich die Ansprechpartner und Bezugspersonen.
Die Koordination und das operative Geschäft zwischen Edelweiss und
Kuoni bleiben wie gehabt.

Durch den Geschäftsabschluss sollen aber vor allem neu geschaffene
Synergien genutzt werden, zum Beispiel in den Bereichen
Flugzeugversicherung und -wartung. Das Ausmass der Synergien im
Treibstoffbereich ist noch unklar, da von EDW und LX unterschiedliche
Destinationen angeflogen werden.

Die EDW-Sommerflüge von Japan in die Schweiz wird es 2008 in noch
grösserem Ausmass geben, als dies im Vorjahr der Fall war. Kistler ist
zuversichtlich, dass diese Flüge auch 2009 durchgeführt werden. «Sollte
ein anderweitiges Interesse an der Auslastung der Flugzeuge bestehen,
wird die Situation von Fall zu Fall neu beurteilt.» Ein Wetlease einer
A320 an Bangkok Airways (PG) – wie im laufenden Winter – ist bei Bedarf
wahrscheinlich auch in Zukunft wieder möglich. Für den Verkauf der drei
A320-Maschinen löst Kuoni 75 Millionen Franken. Das Leasing des
A330-Langstreckenflugzeuges wird gemäss Kistler auch unter der neuen
Besitzerin Swiss weitergeführt. Der bestehende Leasingvertrag läuft
noch bis 2010. Wie es danach weitergeht, steht zum heutigen Zeitpunkt
noch nicht fest.

Mit der Übernahme durch Swiss kann EDW zum Leisure-Spezialisten werden.
«Eventuell liegt nicht nur ein qualitatives, sondern auch ein
quantitatives Wachstum drin», sagt Kistler, «das eröffnet uns eine neue
Perspektive.» Der Deal sei aber nicht mit jenem zwischen Belair und Air
Berlin zu vergleichen, denn «die Partnerschaft mit Swiss ist viel
ausgeklügelter und nachhaltiger», so Kistler.

«Durch den Verkauf werden Swissness und Qualität konzentriert und
gewahrt. Die Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis der
Dienstleistungen von Edelweiss müssen beibehalten werden, so sieht es
der Vertrag vor. Allfällige Änderungen müssen Verbesserungen in diesen
Bereichen mit sich bringen, ansonsten werden sie keine Anwendung
finden. Qualitätssicherung und -steigerung stehen somit ganz oben auf
der Prioritätenliste aller Beteiligten. EDW investiert ihre Gelder
vorwiegend in der Qualitätssteigerung und im Bereich Sicherheit – aber
auf alle Fälle im Interesse der Kunden», ergänzt Kistler.

Für den CEO von Edelweiss Air ist der Verkauf von EDW ein Kompliment
von Kuoni und Swiss an die Qualität der Airline: «Hätten unsere
Mitarbeiter nicht mit solchem Engagement gearbeitet, wäre Edelweiss Air
eine Airline wie viele andere geblieben. Ich bin überzeugt, dass wir
auch in Zukunft erfolgreich sein werden. Die Airline ist nun in einem
Airline-Umfeld, das sehr interessant sein wird.» Der nahen Zukunft
sieht Kistler ohne Hektik entgegen, denn «erstens müssen wir nun die
Zustimmung der zuständigen Behörden abwarten und zweitens bleibt für
uns im Wesentlichen alles gleich – nur der Besitzer hat gewechselt.
Unsere Mutter wird damit zu unserem besten Kunden.»

Die strategische Partnerschaft beinhaltet nicht nur den EDW-Verkauf an
Swiss. Kuoni wird ihr Hotelangebot über das Swiss Online-Portal
anbieten und Sitzplatzkontingente auf Swiss- und
Edelweiss-Air-Ferienflügen einkaufen (siehe Seite 12).

Simon Benz

Zahlen zur Edelweiss Air

Gründung: 19. Oktober 1995
Gesellschaftsform: Aktiengesellschaft
Aktienkapital: CHF 3500000
Aktionäre: 100% Kuoni Reisen AG  seit 1.1.2001
Umsatz: ca. CHF 200 Mio. pro Jahr
Passagiere: rund 700000 pro Jahr