Verbände von Ländertreffen enttäuscht – nun folgt Kampf (Ausgabe 2008-10)

Das Ländertreffen zwischen fünf Branchenverbänden und Lufthansa/ Swiss hat die Erwartungen des SRV nicht erfüllt.

Hans-Jörg Leuzinger, Präsident des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes
(SRV), ist am Montag dieser Woche zusammen mit Marcel Hausheer, Leiter
Kompetenzzentrum Flug, mit hohen Erwartungen an das Ländertreffen in
Frankfurt gereist, wo über das neue Distributionsmodell von Lufthansa
(LH) und Swiss (LX) mit GDS-Gebühren und Vorzugspreisen verhandelt
wurde. «Das Resultat ist sehr bescheiden. Es ist in keiner Weise so
gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bin sehr enttäuscht über
die Haltung von Lufthansa und Swiss. Wir haben den Airlines eine Chance
eingeräumt, das Modell zu überdenken. Doch diese Chance haben LH und LX
verpasst.»

Es sei seitens der Airline-Vertreter überhaupt nichts Konstruktives zu
erkennen gewesen, meint Leuzinger: «Die gewaltigen Probleme wurden von
der Gegenseite – insbesondere von Josef Bogdanski (Lufthansa), der das
Gespräch bewusst auf Nebenschauplätze gelenkt und uns gelangweilt hat –
mit nachhaltiger Arroganz ignoriert.»

In einer weiteren «Verbändeerklärung» haben die fünf anwesenden
Verbände aus der Schweiz, aus Deutschland und Österreich den Aufruf an
ihre Mitglieder wiederholt, den Vertrag über die Vorzugspreise nicht zu
unterschreiben. «Jetzt nehmen wir den Kampf auf, und ich werde mich
vehement wehren. Irgendwann werden wir zu härteren Massnahmen greifen.
Ich schliesse nicht aus, dass wir irgendwann über ein Shifting
sprechen, und werde auch unpopuläre Empfehlungen an unsere Mitglieder
abgeben. Die Solidarität unter den Verbänden ist gross. Wir sehen uns
in der Reisebranche gut abgestützt und werden auch von
Konsumentenverbänden unterstützt», ist Leuzinger überzeugt.

Der SRV-Präsident will nun die GDS vermehrt einbeziehen: «Es ist
augenscheinlich geworden, dass sich im Bereich GDS niemand bewegt. Ich
kann meine Enttäuschung nicht verbergen. Nun werde ich die Vertreter
der GDS selbst an den Tisch bitten.»

Die beiden Airlines halten sich mit Informationen nach wie vor bedeckt.
Rudolf Schumacher, Head of Sales & Marketing Switzerland von Swiss:
«Das Gespräch mit den Verbänden fand in einer sachlichen, konstruktiven
Atmos- phäre statt. Insbesondere auch die Vertreter des SRV haben sich
mit viel Engagement eingebracht. Es wurde vereinbart, die Gespräche in
den kommenden Monaten fortzusetzen. Wir führen die Diskussion mit
unseren Verbandspartnern aber nicht über die Medien, sondern am
Verhandlungstisch. Deshalb möchten wir zu konkreten Inhalten nicht
öffentlich Stellung nehmen.»

Die gleichen Töne sind von Lufthansa zu vernehmen. «Es war ein
konstruktives, sachliches Gespräch, das wir in den nächsten Wochen
weiterführen werden. Über den Inhalt äussern wir uns nicht», erklärt
Aage Dünhaupt,  Leiter Unternehmenskommunikation Europa.