Bereits Erholung für Kenia in Sicht (Ausgabe 2008-10)

Die Lage im ostafrikanischen Land beruhigt sich langsam.

Die Parteien um den Machtstreit in Kenia scheinen sich geeinigt zu
haben. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten
(EDA) rät nicht mehr von Kenia-Reisen ab. Die Lage in Ostafrika scheint
sich tatsächlich zu beruhigen.

Bereits hat die Nachfrage, wenn auch nicht bei allen Schweizer
Afrika-Veranstaltern, wieder zugenommen. Christoph Arnet, Leiter
Marketing & Vertrieb African Safari Club (ASC), erklärt: «Schweiz-
und europaweit steigt das Interesse für Kenia-Reisen deutlich an.»

Bei Private Safaris wird wieder ebenso vermehrt gebucht. «Nach Wochen
von wenigen Buchungen für Kenia, aber guten Dossiers für Tansania, sind
wir zunehmend stark am Aufholen. Dennoch liegen wir vorläufig weit
hinter dem Vorjahr zurück», so Geschäftsführer Urs Bellmont. Daniel
Oetterli (Leiter Langstrecke Hotelplan Schweiz): «Vor allem für Safaris
besteht nach wie vor Interesse; Buchungen werden getätigt. Für
Strandferien ist die Nachfrage im Moment noch sehr gering.»

Im Gegensatz zu ASC und Private Safaris merkt man bei TUI Suisse noch
nichts von einer Erholung. Sandra Schmid, Product Manager Flex Travel:
«Die Nachfrage ist minimal und hat nach der Anpassung der Reisehinweise
nicht wirklich spürbar angezogen.»

Kurt Eberhard, Geschäftsleiter Let’s go Tours, sieht es ähnlich: «Es
ist nicht so, dass nun plötzlich alle nach Kenia reisen wollen. Wir
haben sowieso vergleichsweise wenige Badeferien-Buchungen, und die
Safari-Kunden buchen meistens nicht kurzfristig. Wenn die Lage in Kenia
jetzt ruhig bleibt, werden sich die Schweizer aber relativ schnell
wieder für Kenia interessieren.»

Auch Schmid denkt, dass sich die Situation bald erholen wird: «Wir sind
überzeugt, dass Kenia wieder zulegen wird. Dies vor allem auch bei den
Safaris, weil die Migration der Tiere sehr bekannt ist und dieses
Spektakel an gewisse Jahreszeiten gebunden ist.» Die Erwartungen von
Oetterli an den Sommer: «Für Safaris wieder Business as usual, und die
Küste wird sich hoffentlich bis dahin auch wieder grösster Beliebtheit
erfreuen.» Bellmont ist ebenfalls zuversichtlich: «Wir erwarten eine
rasche Erholung. Allerdings werden wir die Vorjahreszahlen nicht
erreichen.» Arnet sieht eine Normalisierung erst auf die nächste
Wintersaison: «Der Sommer wird verhalten sein. Das Interesse der
meisten Kunden zielt auf die Wintersaison.»
Alle TO haben vor, Kenia in nächster Zeit verstärkt zu bewerben.
Private Safaris hat den Frühbucherrabatt, der nur bis Ende März gelten
würde, bis Ende April verlängert und von CHF 100 auf CHF 300 pro Person
erhöht.

Die Veranstalter erhalten aus Kenia positive Signale. «Vor Ort herrscht
eindeutig Erleichterung vor, dennoch hören wir unterschiedliche
Aussagen von ‹Sommer wird wie im Vorjahr› bis hin zu ‹normaler
Buchungsstand erst wieder ab Herbst›. Ich persönlich bin
zuversichtlich», sagt Bellmont. Arnet meint: «Es zeigt sich viel
Hoffnung, wobei diese noch sehr vorsichtig ausgesprochen wird. Von
Kunden vor Ort erhalten wir sehr positives Feedback.» Oder wie es
Schmid ausdrückt: «Die Skepsis weicht nun langsam dem Optimismus auf
die Rückkehr der Gäste. Die Servicebereitschaft der Mitarbeitenden vor
Ort ist hoch.»

Eberhard weiss von Leistungsträgern vor Ort, die aus der negativen
Situation doch etwas Positives gemacht haben: «Wer längerfristig denkt,
investiert jetzt. So gibt es gewisse Hotels, die in der momentan
ruhigen Zeit renovieren.»

Chris Probst

«Stimmung vor Ort gut»

Daniel Oetterli (Leiter Langstrecke Hotelplan Schweiz) berichtet
von einer Mitarbeiterin, die letzte Woche in Kenia Ferien verbracht
hat: «Diese Mitarbeiterin kennt Ostafrika seit ihrer Kindheit. Sie
sagt, die Stimmung sei gut, und zwar sowohl in der Hotelanlage als auch
auf den Strassen oder dem Markt (oder gar in einer Schule, die sie
besucht hat). Als Tourist werde man im Hotel auf Händen getragen, das
Personal sei sehr freundlich und bemühe sich sehr, damit die wenigen
Gäste, die dort sind, sich wohl fühlen. Natürlich gäbe es auch Stimmen,
die sich beklagten, dass es ihnen infolge der Unruhen nun wieder
schlechter gehe. Es gibt sicher zudem noch eine gewisse Skepsis – die
aber immer mehr der Zuversicht weicht.»   

CP