Es gebe keinen Stillstand. Für Aussenstehende sehe das vielleicht so
aus, da sich die Fronten verhärtet haben, aber die Zeichen stünden
immer noch auf Sturm, erklärt Hans-Jörg Leuzinger, Präsident des
Schweizerischen Reisebüro-Verbandes (SRV), auf Anfrage von TRAVEL
INSIDE zum Stand der Dinge in der Auseinandersetzung um die von Swiss
und Lufthansa angekündigten Preferred Fares mit GDS-Gebühren. Weiter
führt er aus: «Wir haben massiv Widerstand aufgebaut und vertreten die
Interessen der Mitglieder.
Manchmal braucht es eine Art Marschhalt, um sich das weitere Vorgehen
zu überlegen. Was im Moment hinter den Kulissen läuft, ist noch nicht
spruchreif. Die Task Force ist einberufen, kennt ihren Auftrag, und
danach werden wir wieder informieren.»
Die Situation sei verfahren, der Ursprung liege aber nicht beim SRV.
Alle Beteiligten müssten eigentlich an Gesprächen interessiert sein,
ergänzt der SRV-Präsident. Er habe auch gegenüber den GDS seine
Bereitschaft für konstruktive Gespräche immer betont.
Nun habe er ein konkretes Gesprächsangebot bekommen und es angenommen.
Leuzinger: «Die Airlines sprechen von gestiegenen GDS-Kosten, die GDS
selbst von gesunkenen. Beide Seiten sagen, ihre Angaben seien belegbar.
Ich muss die Parteien irgendwann auffordern, Farbe zu bekennen, auch
wenn die Verträge zwischen Airlines und GDS gewisse
Schweigepflicht-Klauseln beinhalten. Was ich aber nicht kann, sind
Verhandlungen im Namen von Dritten führen. Nicht geändert hat sich die
klare Zielsetzung des SRV, das Vorzugspreismodell und die GDS-Gebühren
zu verhindern. Wir wollen nicht für eine Tariferhöhung missbraucht
werden.»
Die Einführung der Preferred Fares würde laut Leuzinger für die
Reisebüros eine weitere Behinderung der Erbringung von Dienstleistungen
bedeuten. Anpassungen, Neuorganisation und Buchungen via Internet wären
die Folgen, wenn man nicht bereit sei, für GDS-Buchungen eine Gebühr zu
bezahlen, was bei ihm mit Sicherheit der Fall sei.
Einen weiteren Vorwurf richtet Leuzinger direkt an die Adresse der
Lufthansa in Frankfurt: «Die Querelen zwischen Amadeus und der
Lufthansa zeigen auf, dass das System nicht durchdacht ist. Es ist ein
Beweis, wie amateurhaft man aus reinem Sparwillen an die Sache
herangegangen ist.»
Das Ganze dürfe jetzt nicht einschlafen, die Reisebranche habe erkannt,
ass der SRV ihre Interessen kompetent und unmissverständlich vertrete.
Das sei ein grosser Vertrauensbeweis. Verhandlungen seien in der
Pipeline. Ob diese über die Ostertage ruhen, lässt Leuzinger offen.
UH
