Der Massnahmenkatalog des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes (SRV)
gegen das Vorzugspreismodell mit GDS-Gebühren bei Swiss und Lufthansa
sorgt für Gesprächsstoff in der Reisebranche. Der SRV empfiehlt seinen
Mitgliedern, Flüge der beiden Airlines nur noch passiv zu verkaufen und
keine Event-Einladungen mehr anzunehmen.
In ersten Stellungnahmen haben sich Vertreter von Kuoni, M-Travel
Switzerland und TUI Suisse nicht oder noch nicht klar zur Umsetzung
dieser Empfehlungen geäussert. Bröckelt die Front? «Keineswegs. Aber
der Verband kann nicht unternehmerische Entscheide fällen. Es handelt
sich nur um Empfehlungen. Deshalb überlasse ich die Umsetzung jedem
einzelnen Unternehmer. Wichtig ist, dass die Strategie getragen wird,
und das ist ganz klar der Fall. In der Umsetzung ist man natürlich
etwas vorsichtiger, weil jedes Unternehmen in Konkurrenz steht», so
SRV-Präsident Hans-Jörg Leuzinger.
In der Empfehlung an die Mitglieder, keine Einladungen zu Events von
Swiss/ Lufthansa mehr anzunehmen, nannte der SRV das Fussballturnier
«Airplay 08» als Beispiel. Trotzdem spielten am vergangenen Samstag in
Kloten 24 Teams mit, teilweise mit Protest-Dresses gegen Swiss. Wurde
die SRV-Empfehlung also in dieser Hinsicht nicht umgesetzt? Leuzinger:
«Das Fussballturnier ist als Beispiel in unsere Meldung
hineingerutscht. Heute würde ich das nicht mehr als Beispiel nennen,
denn wir können natürlich unseren Mitgliedern nicht das Fussballspielen
verbieten. Es ist gut, wie es nun gekommen ist. Dass einige Teams mit
Protest-Nachrichten auf den Shirts angetreten sind, ist voll auf
unserer Linie.»
Leuzinger ist zudem zuversichtlich, dass die angekündigte Beantragung
einer Untersuchung bei der Wettbewerbskommission (Weko) gute Chancen
hat: «Es ist keine Klage, sondern ein erster juristischer Schritt, den
wir eingeleitet haben. Wir warten nun auf ein Feedback der
Wettbewerbskommission. Von einem unabhängigen Juristen liegt uns eine
positive Beurteilung vor.» Die Aussage der Swiss, man habe im Vorfeld
das Vorzugspreismodell der Weko vorgelegt und von dieser Stelle ein
positives Feedback erhalten, beunruhigt Leuzinger nicht: «Das nehme ich
zwar zur Kenntnis, ignoriere ich aber. Es ist halt ein Säbelrasseln.»
Nach wie vor ist sich der SRV-Präsident sicher, dass das Modell in der
Schweiz keine Chance haben wird. «Wir werden den Druck weiterhin
aufrechterhalten. In Deutschland zählen offenbar nur der deutsche Markt
und die grossen Player. Deshalb schaue ich nicht mehr voll auf
Deutschland, sondern konzentriere mich auf die Schweiz, wo andere
Strukturen herrschen. Wir müssen nun mit Swiss in der Schweiz schauen.
Die Airline wird sich in Zukunft noch wärmer anziehen müssen», ist er
überzeugt.
Chris Probst
STAR-Umfrage
In einer Umfrage der Swiss Travel Association of Retailers (STAR)
äusserten sich 181 Reisebüros zum Vorzugspreismodell von
Swiss/Lufthansa. Die Frage lautete: «Was halten Sie vom neuen
Swiss-Vertriebsmodell, das per 1. Oktober 2008 im Schweizer Markt
eingeführt werden soll?». Hier das Resultat:
106 Büros (58,6%) werden das Modell bekämpfen.
46 Büros (25,4%) werden den Vertrag nicht unterzeichnen.
3 Büros (1,7%) werden den Vertrag unterzeichnen.
3 Büros (1,7%) ist es egal.
23 Büros (12,7%) haben (noch) keine Meinung.
CP
