In Frankfurt fand die «Konferenz der IATA-Agenten aus Deutschland,
Österreich und der Schweiz» statt. 240 Teilnehmer für ein Thema: das
Vorzugspreismodell von Lufthansa und Swiss. Aus der Schweiz nahmen
Hans-Jörg Leuzinger, Präsident des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes
(SRV) und SRV-Geschäftsführer Walter Kunz teil.
Otto Schweisgut, Vorstand des Deutschen Reiseverbandes (DRV) und
Vorsitzender des Auschusses Flug, zeigte an der Konferenz die
Auswirkungen des Modells auf: «Aus dem Vorzugspreismodell resultiert
eine Verzerrung im Wettbewerb. Es handelt sich um eine inakzeptable
Bevorzugung des LH-Eigenvertriebs. Zudem sind Preiserhöhungen
unausweichlich. Die Preisdarstellung in den GDS ist nicht mehr korrekt,
weil Preise günstiger dargestellt werden, als sie tatsächlich sind.»
Kritisiert wurde, dass nicht nur GDS-Gebühren anfallen, sondern eine
Erhöhung von Prozesskosten erfolgt. «LH will mit dem Modell nur ein
Ziel erreichen: dem Reisebüro das Leben möglichst zu erschweren, sonst
würde es einfachere Modelle geben», so Schweisgut.
Weil in Deutschland das Vorzugspreismodell schon per 1. Juli eingeführt
wird, mussten sich die Reisebüros bereits entscheiden, ob sie den
entsprechenden Vertrag unterzeichnen wollen oder nicht. Laut Lufthansa
haben 80% des Volumens den Vertrag unterzeichnet. Schweisgut: «Diese
80% Volumen werden von rund 20% der Reisebüros generiert. 80% der Büros
praktisch alle Leisure-Büros haben nicht unterschrieben. Die
Unterschrift bedeutet sowieso keine Akzeptanz des Modells, sondern
sichert nur die Option, auf den Kundenwunsch Vorzugspreis gegen ein
zusätzliches Entgelt eingehen zu können, was vorwiegend im
Geschäftsreisenbereich teilweise nötig ist.»
Etwas anders denken der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) und der
Verband Internet Reisevertrieb (VIR). VIR-Vorstand Claudia Brözel: «Der
Vertrag sollte auf keinen Fall unterschrieben werden, denn dies ist ein
Signal, dass man sich wenigstens damit beschäftigt.»
Chris Probst, Frankfurt
Juristische Abklärungen
Ähnlich wie in der Schweiz prüfen die Verbände auch in Deutschland
rechtliche Schritte gegen Lufthansa/Swiss. Dabei gehen DRV und VIR zwar
aufeinander abgestimmt, aber getrennt und mit eigenen Juristen
kartellrechtlich vor. Nächster Termin beim Kartellamt ist am 9. Mai.
Otto Schweisgut erklärt: «Das Kartellamt hat das Modell der Lufthansa
zwar im Herbst abgesegnet, aber aufgrund unvollständiger Unterlagen.
Deshalb gibt es nun eine Wiederaufnahme des Verfahrens.» Claudia Brözel
rechnet damit, dass das Verfahren rund drei Monate dauern wird und
schliesst je nach kartellrechtlicher Beurteilung den Gang vor Gericht
nicht aus.
CP
Die anderen Airlines
Nur wenige Airline-Vertreter niemand von Swiss und Lufthansa waren
in Frankfurt dabei. Exponenten von Air France-KLM und von Iberia
liessen wissen, dass diese beiden Fluggesellschaften nicht an ein
Vorzugspreismodell denken, aber den Markt beobachten. Gewisse
Leistungsträger in Deutschland warnen allerdings, dass nicht nur andere
Airlines, sondern beispielsweise Hotelketten auf den Geschmack kommen
könnten, falls Lufthansa mit dem Modell Erfolg hätte.
CP
«Ihr Eidgenossen seid sehr konsequent»
Deutschland bewundert die Geschlossenheit der Schweizer Reisebranche.
SRV-Präsident Hans-Jörg Leuzinger hat in seinem Referat die Situation
und die Massnahmen in der Schweiz dargelegt: «Ausser den
KMU-Reisebüros, die heftigen Widerstand leisten, hat sich in der
Schweiz nichts bewegt. Die Reisebüros stehen in der Schweiz geschlossen
in einer Reihe eine Solidarität, wie ich sie noch nie erlebt habe.
Ich bekunde etwas Mühe mit der Tatsache, dass in Deutschland so viele
Verträge unterzeichnet wurden. Der Druck auf die GDS ist wohl auf der
Strecke geblieben.»
An der Tagung in Frankfurt war von deutscher Seite immer wieder zu
hören, man schaue etwas neidisch auf die Schweiz, weil dort die Branche
geschlossen zusammenstünde. So etwa Claudia Brözel vom VIR: «Ihr
Eidgenossen seid schon sehr konsequent.»
Zu den vom SRV empfohlenen Massnahmen meint DRV-Präsident Klaus
Laepple: «In Deutschland haben wir eine etwas andere Situation.
Lufthansa nur noch passiv zu verkaufen, wäre fast unmöglich gerade,
weil wir auf vielen innerdeutschen Strecken keine Alternative zur
Verfügung haben. Der Rausschmiss von Swiss und Lufthansa aus der
Werbekampagne ist sehr konsequent.»
CP
