Herr de Blust, was halten Sie vom Deal
zwischen Swiss/Lufthansa und Sabre, welcher es Reisebüros ermöglicht,
die acht Franken Gebühr pro Coupon einzusparen?
Auf den ersten Blick ist dieser Deal ein erfreulicher Schritt,
welcher den Reisebüros eine Alternativlösung bietet. Leider ist unklar,
wie lange dieser Vertrag Bestand haben wird. Soweit ich informiert bin,
gibt es einen Full-Content-Vertrag zwischen Lufthansa und Sabre,
welcher im Juni 2009 ausläuft. Sollte dieser erneuert werden und
gleichzeitig der jetzige Vertrag erfüllt werden, bietet Sabre eine
geeignete Lösung für Agenturen, welche Swiss/Lufthansa verkaufen wollen
oder müssen.
In der Schweiz arbeiten aber vergleichsweise wenige Reisebüros mit Sabre.
Die Marktanteile von Sabre sind in Deutschland und in der
Schweiz effektiv deutlich tiefer als jene der Konkurrenten Amadeus und
Travelport. Wir verfolgen gespannt, wie sich der genannte Deal zwischen
LH/LX und Sabre auf die Marktanteile in diesen Märkten auswirken wird.
Die Wahl des GDS im Reisebüro ist einerseits eine Frage der Kosten,
andererseits aber auch eine Frage des Contents und der
Funktionalitäten. Ein GDS-Wechsel hängt ferner mit der Dauer des
laufenden GDS-Vertrags zusammen, dazu muss man noch eine eventuelle
Umschulung der Mitarbeitenden berücksichtigen.
Erleben wir hier die Liberalisierung des GDS-Marktes in Europa?
Als in den USA der GDS-Markt 2005 dereguliert wurde, handelten
einige Airlines mit jeweils nur einem GDS exklusive Vertriebsdeals aus.
Das hat dazu geführt, dass die anderen GDS ihre Full-Content-Verträge
anpassten, was zu höheren Kosten für die Reisebüros führte. Die
aktuelle Rechtsprechung im EU-Raum verbietet es aber jenen
Fluggesellschaften, welche noch Anteile an einem GDS besitzen, solche
Exklusivdeals abzuschliessen; sie müssen ihren Content allen GDS ohne
Vorbehalt zur Verfügung stellen. Dies gilt nicht für Airlines, welche
«Teilnehmer» in einem GDS sind: Sie können Einzelverträge mit GDS im
Rahmen des aktuellen Rechts abschliessen.
Sollten Reisebüros, welche mit Amadeus oder Galileo/Worldspan arbeiten, also nicht den Full Content garantiert haben?
Im Rahmen der Revision des europäischen «GDS Code of Conduct»
bemühen wir uns darum, dass die GDS ohne Zusatzkosten Zugang zum Full
Content der GDS erhalten. Dies würde den Zugang zum gesamten
Flugtransport-Angebot für die Reisebüros und damit für die
Endkonsumenten garantieren. Einige EU-Parlamentarier haben ein offenes
Ohr für unsere Anliegen; es ist aber noch viel zu früh, um Prognosen zu
stellen. Wir werden sehen, ob unser Vorschlag in die überarbeitete
Regulierung des «Code of Conduct» einfliessen wird.
Jean-Claude Raemy
