Im Januar 2008 wurde Helvetic Tours, die Günstigmarke aus dem Hause
Kuoni, neu lanciert neues Logo, neuer Markenauftritt, neue Inhalte.
Stefan Leser, CEO Kuoni Schweiz, zieht eine erste Bilanz: «Ich bin sehr
zufrieden mit dem Echo und das heisst bei uns natürlich
Verkaufserfolg. Wir verkaufen wirklich sehr gut. Spannend waren die
deutlichen Reaktionen unserer Mitbewerber auf unserer Kommunikation im
Januar. Das hat uns gezeigt, dass wir den Punkt genau getroffen haben.
Ein genereller Preisvergleich fällt zu unseren Gunsten aus. Es ist
genau so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben.»
Ein wichtiges Merkmal des neuen Angebots von Helvetic Tours sind die
«Preisperlen» als kumulierbares Rabattsystem. «Die Preisperlen kommen
eigentlich gut an. Wir sehen aber schon, dass wir die Reduktionen beim
nächsten Mal etwas einfacher gestalten müssen. Die Kumulierbarkeit
wurde zwar verstanden, aber es ist schon so, dass das System nicht ganz
einfach war», räumt Leser ein. TO-Chefin Marianne Häuptli relativiert:
«Seitens der Reisebüros hat uns das aber nicht mal Schelte gebracht.
Die Wiederverkäufer haben uns eher gesagt, dass es Kunden ins Reisebüro
gebracht hat. Wir sind uns aber bewusst, dass die Preisperlen nicht
ganz kundenfreundlich waren.»
In den vergangenen Wochen liefen in der Schweiz gross angelegte
Werbemassnahmen von Helvetic Tours. Der Zeitpunkt war nicht ganz
zufällig gewählt. Leser: «Wir sind im Juni zwar gut gebucht, wissen
aber nicht, was in den nächsten Wochen während der
Fussball-Europameisterschaft kurzfristig passiert. Aber das wussten
wir, als wir den Katalog aufgelegt haben.» Einen Rückgang der
Buchungen, sobald die EM losgeht, erwartet auch Häuptli. Nicht zuletzt
deshalb habe man in letzter Zeit relativ aggressiv Werbung gefahren.
Mit dem Relaunch von Helvetic Tours war eine Veränderung im Angebot
verbunden. 192 neue Hotels vorwiegend im Vier-Sterne-Bereich wurden
in den Katalog von Helvetic Tours integriert, was zu vermehrten
Überschneidungen mit dem Angebot der Marke Kuoni führte. «Das war am
Anfang so. Es wird aber immer weniger Überschneidungen geben, weil die
Positionierung der beiden Marken stetig deutlicher wird. Es ist nicht
so, dass nun alle Vier-Sterne-Häuser nur noch bei Helvetic und alle
Fünf-Sterne-Häuser nur noch bei Kuoni zu finden sind. Es gibt auch
Menschen, die switchen. Einmal wird bei der günstigeren Marke gekauft,
ein anderes Mal bei der teureren. Überschneidungen haben somit nicht
die Dramatik, mit der sie oft dargestellt werden», ist Leser überzeugt.
Auf die Frage, ob der Personalbestand bei Kuoni Schweiz heute tiefer
liege als Anfang Jahr, meint Leser: «Ja, dieser ist tendenziell
gesunken. Es gibt bestimmte Aktivitäten, die wir eingestellt oder
reduziert haben, zum Beispiel im Bereich Marketing. Da gab es teilweise
einen Abbau. Die restlichen Anpassungen haben wir über die natürliche
Fluktuation vorgenommen. Diese Anpassungen sind soweit
abgeschlossen.»
Angelo Heuberger/Chris Probst/Sara Marty
«Der Markt wird 2009 deutlich schlechter»
Stefan Leser macht sich bereits heute Gedanken über die weitere
Marktentwicklung. «Ich glaube, dass der Markt deutlich schlechter wird
und gehe davon aus, dass es im nächsten Jahr eine Abschwächung der
Nachfrage geben wird. Kann sein, dass diese Entwicklung schon im Herbst
2008 anfängt, ich weiss das aber nicht genau, weil ich die Zahlen der
Konkurrenz nicht kenne. Ich weiss nicht, ob der Markt wächst oder ob
wir so viele Marktanteile gewinnen, aber ich gehe schon davon aus, dass
die Konsumlust wenn auch nicht so stark wie in Deutschland sinkt»,
meint Leser.
Kuoni bewege sich aber in einem Feld, welches relativ resistent sei:
«Ich glaube, dass unser Angebots-Portfolio eine Kundschaft anspricht,
welche die Auswirkungen weniger stark spüren wird als andere Schichten.
Wir wären aber schlecht beraten, wenn wir uns nicht Gedanken über einen
möglichen Abschwung machen würden.»
CP
