USA-Einreiseprozedere: Nur für Business-Reisende ein Problem (Ausgabe 2008-24)

Die neue Online-Registrierung vor Abflug erhöht die Sicherheit, schafft aber auch neue Probleme.

Die Ankündigung von US Homeland Security Secretary Michael Chertoff
schlug am zweiten Pow-Wow-Tag wie eine Bombe ein: Schon wieder ein
neues Prozedere bei der Einreise. Internationale Medien griffen das
Thema schnell auf und schrien bereits lauthals über neuerliche
Schikanen. So schlimm ist es allerdings nicht, zumindest für
Privatreisende.

Konkret werden Bürger aus den 27 «Visa Waiver»-Staaten – also jene,
welche für Kurzaufenthalte bis drei Monate keiner Visumspflicht
unterliegen – ab Januar 2009 bis mindestens 72 Stunden vor Abflug eine
Online-Registrierung vornehmen müssen. Das sogenannte «Electronic
System of Travel Authorization» verlangt genau jene Daten, welche man
bis anhin während dem Flug auf dem grünen I-94-Formular auszufüllen
hatte; es werden also keine zusätzlichen/neuen Daten verlangt. Das
Prozedere entspricht im Prinzip jenem, welches Australien-Reisende
bereits kennen – mit dem Unterschied, dass die australische «ETA» einem
Visum entspricht und kostenpflichtig ist; die Registrierung im
amerikanischen ESTA ist gratis und ausserdem für zwei Jahre gültig.

Den Vorteil der ESTA-Registrierung umschreibt Robert Mocny, Direktor
des Programms US-Visit, folgendermassen: «Es reduziert einerseits den
immensen Papierberg, welchen I-94 verursachte, und spart so Kosten. Es
vereinfacht zudem das Erkennen von ‹Visa Overstays›.» Laut Mocny sind
rund 30% jener 12 Mio. Menschen, welche sich illegal in den USA
aufhalten, von einem Visa-Waiver-Staat oder mit einem normalen Visum
eingereist, aber nicht mehr ausgereist. Die elektronische Erfassung
erlaubt es, solche Leute leichter auszumachen.

Problempunkte, welche noch nicht aus der Welt geschafft sind, betreffen
einerseits jene, welche keinen Internet-Zugang haben. Diese können sich
aber ein ESTA im Reisebüro oder bei einer Drittperson ausstellen
lassen. Der Abgleich mit dem Pass bei der Einreise verhindert da
normalerweise Missbrauch. Problematischer ist es für Geschäftsreisende:
Wer kurzfristig, also innerhalb eines Zeitraums von weniger als 72
Stunden, in die USA reisen muss, kann sich nicht mehr registrieren,
folglich nicht einreisen. Widerstand gegen die neue Prozedur wurde
deshalb bereits von verschiedenen Seiten signalisiert.

Die Registrierung im ESTA erfolgt im Prinzip ab August auf freiwilliger
Basis; ab 2009 ist sie dann Pflicht. Mit dem US-Visit-Programm hat dies
nichts zu tun, doch die beiden Systeme ergänzen sich (US-Visit betrifft
aber alle US-Reisenden, nicht nur jene aus Visa-Waiver-Ländern).
Neuigkeiten gibt es zudem auch bei US-Visit.

Das System mit 10-Finger-Scans wurde laut Mocny an bisher zehn
Flughäfen oder Häfen mit Erfolg getestet; nun wird es bis Ende Jahr
USA-weit eingeführt. Statt zwei werden also spätestens 2009 alle zehn
Finger gescannt. Laut US-Visit soll dies keine wesentliche
Zeitverzögerung bei der Einreise ausmachen, dafür aber die Sicherheit
erhöhen. Dazu Mocny: «Wer einmal seine zehn Finger gescannt hat, kann
nicht mehr verwechselt werden. Im Prinzip reicht danach das Vorweisen
von vier Fingern zur sicheren Feststellung der Identität, sodass keine
Probleme entstehen, wenn man sich vor der Einreise in den Finger
geschnitten hat oder so was.»

Weitere Neuigkeiten folgen noch: Bereits in fortgeschrittenem Stadium
sind neue «Exit Rules», wonach die Fingerabdrücke auch bei der Ausreise
abgegeben werden. «So kann sichergestellt werden, wer ausgereist ist.
Die biometrischen Daten werden also mit dem Pass und dem Visum
abgeglichen. So können gestohlene Pässe nicht mehr missbraucht werden.»
Allerdings wollen die USA, dass die Airlines diese Prozedur vornehmen.
Auch hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Und zuletzt: Laut Mocny werden ab Mitte 2009 intensive Tests für die Einführung von Iris-Scans gestartet …

Jean-Claude Raemy, Las Vegas