Amadeus und LX/LH: Eskalation (Ausgabe 2008-26)

Eine Lösung im Streit um die GDS-Gebühren ist in weite Ferne gerückt.

Galileo-, Worldspan- und Sabre-User konnten aufatmen – sie bezahlen für
Vorzugspreise von Swiss (LX) und Lufthansa (LH) keine GDS-Gebühren.
Dies gilt nicht für Amadeus-Büros.

Nun scheint der Streit zwischen Amadeus und LX/LH zu eskalieren.
Amadeus wirft den Airlines Vertragsbruch vor. Harry Hohmeister, Chief
Network & Distribution Officer von Swiss, hält in einer Information
an die Agenten fest: «Hierzu möchten wir klarstellen, dass Swiss als
verlässlicher Geschäftspartner – auch gegenüber Amadeus – jederzeit
vertragskonform ist und entsprechend handelt.»

Offenbar hat Amadeus für den Fall, dass es zu keiner Einigung kommt,
eine Einschränkung der Funktionalitäten angedroht. «Unabhängig von den
geplanten Gesprächen wurde Swiss davon in Kenntnis gesetzt, dass sich
Amadeus unrechtmässigerweise vorbehält, die Fluggesellschaft und somit
auch den Vertriebspartnern, die Amadeus nutzen, kritische
Funktionalitäten für Swiss-Buchungen abzuschalten», schreibt Hohmeister.

Swiss hat laut eigenen Angaben eine einstweilige Verfügung erwirkt, die
Amadeus eine Einschränkung von Funktionalitäten verbietet. Lufthansa
spricht von einem «vollumfänglichen Rechtsschutz», der erwirkt wurde.

Bis Redaktionsschluss lag keine offizielle Stellungnahme von Amadeus
vor. Aus Amadeus-Kreisen ist jedoch zu hören, man habe nun eine
«Zuckerbrot-und-Peitschen-Strategie» gegenüber den Airlines gewählt,
schliesse aber weitere Verhandlungen nicht aus.

«Verhandlungspartner sind besessen»

Hans-Jörg Leuzinger, Präsident des Schweizerischen Reisebüro-Verbands
(SRV), hat sich zum Ziel gesetzt, für die SRV-Mitglieder, welche mit
Amadeus arbeiten, eine Schadensbegrenzung zu erreichen. «Wir werden uns
in den nächsten Tagen mit Vertretern von Amadeus Schweiz treffen und
uns updaten lassen – im Wissen, dass die Entscheidungen nicht in der
Schweiz, sondern im Ausland fallen», meint er.
Für die Eskalation im Streit zwischen LX/LH und Amadeus hat Leuzinger
kein Verständnis: «Die Verhandlungspartner, deren Karriere und Prestige
offenbar auf dem Spiel stehen, scheinen wirklich besessen zu sein.
Gewisse Personen in den Verhandlungen sollten ersetzt werden – auf
beiden Seiten. Die Situation ist betrüblich, weil der Trade
weiterarbeiten und sich nicht um solche Querelen kümmern möchte.»

Amadeus-User nicht in Panik

TI hat sich bei Amadeus-Büros nach ihrer Einschätzung erkundigt.
Thomas Meier (Kontiki-Saga): «Ich verfalle momentan nicht in Panik,
verfolge die Situation aber sehr genau. Die Chance ist sehr gross, dass
der Druck in Deutschland zu einer Lösung bis
1. Oktober führen wird und es für uns keine Schlechterstellung
gegenüber anderen GDS gibt. Wenn doch, müssten wir uns natürlich
Gedanken machen. Ein GDS-Wechsel wäre allerdings die allerletzte
Möglichkeit.»
Oliver Emch (AVP): «Es ist ganz normal, dass Amadeus LX/LH droht. Indem
sich das GDS standhaft zeigt, dient es unserer Sache und verteidigt
unsere Interessen. Wenn es sich bei den angedrohten Einschränkungen
darum handelt, dass Flüge nicht mehr im System sind, ist das nicht
möglich. Wenn die Flüge ganz am Schluss der Availability stehen, können
wir damit leben.»