Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat TI fünf Schweizer Generalisten nach
ihren Buchungsständen befragt. Im Vergleich zum Buchungsstand März sind
gravierende Einbrüche oder explosionsartige Zunahmen ausgeblieben.
Einzige Ausnahme könnte M-Travel Switzerland sein: Bereits im Frühjahr
hatte M-Travel Switzerland darauf verzichtet, Angaben zur Höhe der Zu-
oder Abnahmen zu machen und nur noch kommuniziert, ob die
Buchungsstände über oder unter jenen der Vorjahresperiode liegen.
Für die aktuelle Sommerumfrage wollte man in Glattbrugg die
Veränderungen nicht mehr auf jede Destination herunterbrechen, sondern
hat die Buchungsstände länderweise zusammengefasst. Dieses Vorgehen
macht einen direkten Vergleich mit der Konkurrenz unmöglich. Ein Blick
auf die nebenstehende Tabelle, in der M-Travel Switzerland (Hotelplan)
separat geführt wird, zeigt, dass der Glattbrugger TO in sechs Märkten
unter den Vorjahreswerten liegt sechs Märkte, in denen die Konkurrenz
grösstenteils positive bis sehr positive Zahlen ausweist.
Ausser M-Travel Switzerland, dessen Buchungszahlen laut Roberto Luna,
Chef des Value-Bereiches «leicht unter Vorjahr» liegen, verzeichnen
alle anderen TOs ein Buchungsplus. Walter Binggeli, CEO von FTI
Touristik Schweiz, freut sich «weiterhin über einen guten Zuwachs im
schönen zweistelligen Bereich». Grund zur Freude hat auch Andreas
Restle, Geschäftsführer ITS Coop Travel, verzeichnet er doch nach
eigenen Angaben eine Buchungszunahme von 60% im Vergleich zum Vorjahr.
Im Plus ist auch Kuoni, wie Kommunikationschef Peter Brun ausführt:
«Für die Sommermonate liegen wir mit Kuoni/Helvetic Tours knapp 20%
über Vorjahr.» Roland Schmid von TUI Suisse kommuniziert ebenfalls
Wachstum: «Im Vergleich zum Vorjahr stehen wir mit allen
Veranstaltermarken prozentual zweistellig im Plus.»
Eine gewisse Vorsicht ist bei allen Gegenüberstellungen angebracht.
Erstens erheben die Touroperators ihre Buchungsstände nicht identisch.
Bei M-Travel Switzerland zum Beispiel umfasst der Sommer die Monate Mai
bis Oktober, bei Kuoni hingegen nur die Monate Juni bis Oktober.
Zweitens ist für die Veranstalter ein Eins-zu-eins-Vergleich zum
Vorjahr selten möglich, weil, wie Roland Schmid von TUI erläutert, «der
Buchungsstand immer abhängig ist von der Kapazitätsplanung und
-steuerung (Flug, Hotel), den verfügbaren Flugverbindungen etc.» Ein
Beispiel ist das zweistellige Minus von Kuoni bei Lesbos und Skiathos:
2007 wurden diese Inseln ab Mai angeflogen, dieses Jahr jedoch erst ab
Juli.
Die Tabelle zeigt, dass FTI, ITS Coop und Kuoni ihre Buchungsstände per
7. März weitgehend halten konnten. Kuoni schafft sogar bei neun
Destinationen nochmals eine Steigerung, muss dafür bei den
Italien-Destinationen Einbussen in Kauf nehmen. Bei allen
Veranstal-tern ausser FTI, die Faro neu im Angebot führt hat
Portugals Festland eingebüsst: Konnten ITS Coop und TUI im März noch
gute Buchungszunahmen vorweisen, sind diese auf ein einstelliges Plus
zusammengeschrumpft. Kuoni muss sogar ein Absacken auf ein
zweistelliges Minus hinnehmen.
Bei TUI Suisse ist der Buchungsstand zwar für gut die Hälfte der
Destinationen niedriger als noch im März, der Rückgang erfolgt jedoch
auf relativ hohem Niveau und nicht unerwartet, wie Roland Schmid
erklärt: «Die Frühbucherrabatte waren bis Ende März, teilweise bis Ende
April gültig. Die frühen Buchungen haben deshalb nach deren Ablauf
erwartungsgemäss zu einer Verflachung der Buchungskurve geführt.»
Sara Marty
Euro 2008 hält Schweizer nur bedingt vom Reisen ab
Die Fussball-EM scheint die Generalisten ganz unterschiedlich zu
treffen. Während FTI gar keinen und ITS Coop einen «kaum spürbaren»
Einfluss auf das Buchungsverhalten festgestellt haben, hatte man bei
TUI und M-Travel Switzerland die Planung angepasst. Roland Schmid, TUI:
«Der Einfluss der Euro auf das Buchungsverhalten liegt im Rahmen der
Planung. Wir liegen gesamthaft auf Vorjahresniveau. Es ist möglich,
dass sich nun nach dem Ausscheiden der Schweiz der Nachfragestau lösen
wird. Im Last-Minute-Bereich vor und gleich nach Abschluss der Euro
sind noch freie Plätze verfügbar.» Bei M-Travel Switzerland zählt man
für die Zeit während der EM klar weniger Buchungen, Roberto Luna
relativiert aber: «Da wir die Kapazitäten im Juni entsprechend
angepasst hatten, sind wir nivelliert im Juni sogar leicht über den
Vorjahreszahlen.» Besser präsentiert sich das Bild bei Kuoni:
«Insgesamt verzeichnen wir mehr Buchungen als im letzten Jahr. Auch die
Flugzeuge sind besser ausgelastet bei etwa gleichen Kapazitäten»,
erklärt Marianne Häuptli, Leiterin Touroperating.
SAM
