Kuoni sichert sich die Nr. 2 im wachsenden Direktreisemarkt (Ausgabe 2008-27)

Der Deal mit Direkt Reisen schafft neue Voraussetzungen. Der Handel wird aber weiter gepflegt.

Seit letztem Dienstag besitzt die Kuoni-Gruppe 60% der Anteile von
Direkt Reisen. Damit nimmt Kuoni auf einen Schlag Rang zwei unter den
touristischen Direktvertriebsgesellschaften ein: Direkt Reisen
erwirtschaftete 2007 mit 25 Mitarbeitenden einen Umsatz von CHF 53 Mio.
Nur die zur TUI Group gehörende Vögele Reisen generierte mit CHF 120
Mio. grösseren Umsatz in diesem Geschäftsfeld.

Direkt Reisen wird in die strategische Businessdivision Smart der
Einheit Schweiz integriert, genau genommen bei den
Tochtergesellschaften, unter der Leitung von Urs Bellmont. Dieser
präzisiert gegenüber TRAVEL INSIDE: «Kuoni geht vor wie immer bei den
Tochtergesellschaften. Wir behalten die Marke und das Team bei und
werden nun versuchen, dank interner Synergien Wachstum und
Gewinnoptimierung zu erzielen.» Synergien ergeben sich beispielsweise
daraus, dass Direkt Reisen ab sofort Zugriff auf Edelweiss-Flugdeals
von Kuoni hat und auch im Einkauf von den besseren Konditionen der
Kuoni-Gruppe profitieren kann. Der Standort von
Direkt Reisen verbleibt aber in Urdorf.

Der Umgang von Kuoni mit seinen Tochtergesellschaften war für
Direktreisepionier Bruno Tanner, der Direkt Reisen 1999 gründete,
ausschlaggebend für den Verkauf. Kooperationen zwischen den beiden
Firmen gab es bereits seit geraumer Zeit, indem etwa Direkt Reisen
Produkte der Kuoni-Töchter Rotunda oder Kontiki vertrieb. Andere
Kaufinteressenten gab es jedenfalls nicht: «Man kann sagen, dass wir
Exklusivverhandlungen mit Kuoni führten», erklärt Tanner. Bellmont
führt aus: «Weitere Synergiemöglichkeiten mit diesen und anderen
Veranstaltern der Kuoni-Gruppe werden nun analysiert.»

Tanner wird vorläufig an Bellmont rapportieren, bis der Übergang sauber
vollzogen ist und sich Tanner, der bereits im AHV-Alter ist, endgültig
aus dem operativen Geschäft zurückziehen kann: «Wir wollen im
Spätsommer ein Konzept vorlegen, mit dem die Weichen für die Zukunft
von Direkt Reisen gestellt werden. Ich bleibe solange dabei wie nötig»,
erklärt dazu Tanner. Offene Fragen gibt es einerseits in der
Vermarktung und andererseits beim Vertrieb, wobei am Verkauf
ausschliesslich via Telefon/Internet nicht gerüttelt wird.

Für die Vermarktung wurde von Kuoni kein Geld für Werbung beim
Endkunden bereitgestellt, erklärt Bellmont. Vielmehr werde auf die
hervorragenden Kontakte von Tanner zu diversen Gruppierungen und
Vereinen gesetzt, welche treue Kunden sind. Wachstum wolle man
organisch dank kompetitiveren Preisen aufgrund der neuen Synergien
erreichen. Direkt Reisen soll aber – wie bisher – auch für die
Optimierung der Vor- und Nachsaison-Auslastung auf Edelweiss eingesetzt
werden.

Weitere Synergien könnten zudem vom dritten Anteilhaber kommen. Die
restlichen 40% von Direkt Reisen teilen sich die Familie Tanner und die
Diga Holding AG – welche bereits vor zwei Jahren 20% an Direkt Reisen
erwarb – zu je 20%. Damit will Diga die hauseigene Diga Reisen
vorwärtsbringen und im Gegenzug das Direktreisegeschäft von Kuoni
befruchten.

Was den Handel angeht, so will Kuoni diesen nicht beunruhigen. Laut
Bellmont dürften die aktuell 8% Kommission, welche Direkt Reisen dem
Handel gewährt, beibehalten werden. «Die Beziehung der Kuoni-Gruppe zum
Handel bleibt gleich. Wir machen einfach sowohl im klassischen
Retailing als auch im Direktverkauf mit, im Sinne einer Strategie auf
mehreren Standbeinen», erläutert Bellmont. 

Jean-Claude Raemy