Erfolgreiches Ein-Frau-Reisebüro: Webook.ch macht es vor (Ausgabe 2014-28)

Internet und Mikro-Touroperating eröffnen neue Möglichkeiten für Kleinunternehmen im Reisevertrieb.

Sind nur grössere Reisebüros mit Umsätzen über CHF 3 Mio. überlebensfähig? Diese Behauptung will Webook.ch widerlegen. Doch beginnen wir von vorn.

Vor rund 20 Jahren begann Nathalie Sassine-Hauptmann ihre Karriere in der Reisebranche, zunächst bei Vögele Reisen, später aus besonderem Interesse für Afrika bei Rotunda Tours. In den letzten Jahren war sie dann als Texterin und Journalistin aktiv, etwa bei «Wir Eltern» oder dem Frauen-Onlinemagazin Clack.ch. 

Vor zwei Jahren begann sie dann, als Freelancerin bei einer Kollegin zu arbeiten, welche ein eigenes Reisebüro eröffnet hatte. «Als ich wieder drin war, dachte ich mir: Wieso nicht selber etwas aufziehen?», erklärt die Wahl-Winterthurerin. Mit ihrem Mann habe sie sich dann eine persönliche Challenge gesetzt: ein Reisebüro zu betreiben, das ganz ohne Laden auskommt und dennoch persönlich und individuell berät. Dieser Moment war die Geburtsstunde von Webook.ch.

Mit Webook.ch arbeitet Nathalie Sassine ausschliesslich online und telefonisch eng mit ihren Kunden zusammen – von zu Hause aus: «Diese Kunden hätten gar keine Zeit, vorbeizukommen, und sind froh, dass ich sie aus der Ferne unkompliziert in ihrer Ferienfindung unterstütze.» Besonders angenehm: Mit Webook.ch bringt sie ihre Leidenschaften Reisen und Schreiben unter einen Hut. Für das gesamte Marketing, on- und offline, ist ihr Mann zuständig.

Wie funktioniert das? Webook.ch agiert als Mikro-TO mit vorwiegend eigenen Packages und einem direkten Draht zu Hotels und Hotelketten. «Dank meines guten Netzwerks habe ich hervorragende Kontakte in diversen Ländern, dank denen ich meinen Kunden eigens zusammengestellte Angebote machen kann», versichert die Unternehmerin, «ausserdem arbeite ich mit ein paar deutschen Anbietern wie z. B. Studiosus zusammen.» 

Webook.ch verlangt, anders als viele TOs, keine Buchungsgebühr und arbeitet ausschliesslich auf Kommissionsbasis. Ausnahmen bilden Flüge sowie manchmal Hotels, welche keine Kommission geben. «Da wir ohne Miete etc. sehr geringe Fixkosten haben, können wir so sehr gut wirtschaften», versichert Sassine.

Sie wehrt sich vehement dagegen, dass es hier nur um eine ergänzende Aktivität für eine Mutter junger Kinder geht: «Mein Unternehmen klingt wie ein Hobby, ist es aber ganz und gar nicht. Ich könnte meine Familie mit Webook.ch noch nicht ernähren, aber es gibt uns auch erst seit Anfang Jahr. Alleine könnte ich aber durchaus davon leben.» Offenbar läuft es sogar so gut, dass ein personeller Ausbau im nächsten Jahr ins Auge gefasst wird.

So wird weiter an den Online-Dienstleistungen gefeilt. Die Kundschaft von Webook.ch setzt sich zusammen aus Familien, Alleinreisenden und 50+ – worauf man sich auch spezialisiert hat. Dies sind nur zu 20% Bekannte und Familie; weitere 40% der Kunden sind Facebook-User, welche über irgendwen auf Webook.ch kommen, sowie 40% «Fremde», welche Webook.ch über Search Engines finden.

Sassine glaubt fest an ihr Geschäftsmodell: Das Fehlen von Beratungsgebühren und der extreme Kundenfokus mitsamt Berücksichtigung fast aller Wünsche und harten Preisverhandlungen seien die Eckpfeiler des modernen Retailings.

Jean-Claude Raemy