Swiss-Rückzug: Verkommt der Euroairport zum Billig-Airport? (Ausgabe 2014-30)

Basler Retailer sind wenig begeistert. Die IG Luftverkehr Basel bleibt positiv.

Letzte Woche wurde klar: Swiss zieht sich aus Basel zurück und lässt der Lufthansa-Billigtochter Eurowings den Vortritt im Kampf gegen die Vormacht von Easyjet. 

Walter Binggeli, Mitglied IG Luftverkehr Basel, kann mit dem Entscheid leben: «Bedauerlich ist der Wegfall von Swiss höchstens deshalb, weil der ‹secteur suisse› damit an ‹Swissness› verlieren könnte. Dies muss vermieden werden, wenn der Euroairport weiterhin ein binationaler Airport sein soll – was wir für äusserst wichtig halten!»

Von einer Angebots- und Preisnivellierung «nach unten» könne allerdings keine Rede sein. Der Euroairport wird aktuell von Lowcost- und touristischen Airlines (Easyjet, Ryanair, Wizz Air, Air Arabia Maroc, Tuifly, Air Berlin, Pegasus) ebenso bedient wie von Netzwerk-Airlines aller Allianzen (AF, BA, KL, LH, OS, SN, TK). Es gibt also in Ergänzung zum «Point-to-Point»-Modell der Lowcoster auch Umsteigeverbindungen über grosse europäische Hubs, was von Business-Passagieren rege genutzt wird. So sehr, dass der Flughafen Zürich «mit seiner suboptimalen Flug-Zug-Anbindung an den Euro-airport je länger je mehr an Attraktivität in der Nordwestschweiz verliert», wie Binggeli bemerkt. 

«Die Swiss versucht nun, den Euroaiport als Flughafen der Billigairlines darzustellen, was ihrem Qualitätsanspruch nicht mehr genüge», ereifert sich Binggeli, «Fakt ist aber, dass das Sprichwort ‹traffic generates traffic› bestens auf den Euroairport zutrifft!» 

Eurowings werde sich dank gutem Preis-Leistungs-Verhältnis erfolgreich in Basel positionieren, glaubt Binggeli, «im Gegensatz zu den veralteten und pannenanfälligen Jumbolinos der Swiss». Er hofft, dass Eurowings ihre Expansion am Euroaiport «unabhängig der Aktivitäten und Interessen der Swiss und des Standorts Zürich» vorantreiben kann, zumal es noch interessante Destinationen ab/nach Basel zu besetzen gelte. 

Basler Retailer sehen die Entwicklung kritischer. «Eine gut eingeführte, mit nach wie vor viel Wohlwollen behaftete und für gute Qualität bekannte Marke durch ein No-Name-Produkt mit tiefen Preisen gewinnbringend ersetzen zu wollen – wer denkt sich sowas aus?», fragt Alex Bähler (LCC/Media Reisen), «ist dies eine Bankrotterklärung einer Marketingabteilung, die keine anderen Argumente mehr liefern kann als tiefe Preise, oder die vermeintliche Erkenntnis aus Zürich bzw. Frankfurt, den Baslern jegliche Swissness absprechen zu müssen?»

Thomas Brezger (Coronita Holidays) ist müde «vom Hin und Her der Swiss in Basel» und glaubt, dass der Euroairport abgewertet werde: «Viele Geschäftsleute fliegen nicht mit Easyjet und werden auch nicht auf Eurowings aufsitzen.» Mit noch mehr Point-to-Point werde sich zudem die prekäre Parking-Situation in Basel weiter verschärfen. «Aber vielleicht ist bald eh alles wieder anders», so Brezger.

Jean-Claude Raemy