Das brasilianische Fremdenverkehrsamt Embratur zieht eine positive Bilanz von der Fussball-WM 2014. Nach Angaben der brasilianischen Regierung reisten vom 23. Mai bis 12. Juli 1,04 Millionen Touristen aus 203 Ländern nach Brasilien. Das Passagieraufkommen an den Flughäfen stieg dabei um 11,3% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Einer Umfrage zufolge könnte die WM auch einen nachhaltigen Effekt haben: 95% gaben an, dass sie beabsichtigen, erneut nach Brasilien zu reisen. Wirtschaftlich sieht es ebenfalls gut aus: So seien dank der WM rund eine Million Arbeitsplätze in Brasilien geschaffen worden.
Wie beurteilen die Schweizer Brasilien-Veranstalter den WM-Effekt? Barbara Gähwiler von Brasa Reisen ist mit Prognosen zurückhaltend. Zum vergangenen WM-Geschäft sagt sie aber: «Wir haben ein sehr gutes Feedback von Kunden erhalten, die mit den Serviceleistungen vor Ort mehr als zufrieden waren.» Die Umsätze für Brasilien seien in den letzten Jahren hinweg kontinuierlich angestiegen, weshalb es schwierig sei, den Aufwärtstrend alleine auf die WM zurückzuführen.
Michael Bonin von der Incoming-Agentur Brazil Insider ist überzeugt, dass sich die WM nachhaltig auswirken wird wenn auch nicht gerade im Rahmen eines riesigen Booms. «Die gute Organisation hat viele Leute positiv überrascht. Die Flüge waren pünktlich, das befürchtete Chaos blieb aus, es war ein tolles Fest. Das ist das Beste, das dem Land passieren konnte.» Er kenne sogar Leute, die lange Zeit Vorbehalte gegenüber Brasilien hatten, aufgrund der positiven Berichterstattung nun aber eine Reise ins Auge fassen etwa für die Olympischen Spiele 2016.
Auch Madeleine Rüegg, PM Lateinamerika und Karibik von Latino Travel, spürt einen Aufwind: «Dank den TV-Bildern wurden auch unbekanntere Gebiete Brasiliens für ein breiteres Publikum zugänglich. Dies merken wir deutlich, da wir tendenziell mehr Anfragen für das Hinterland Brasiliens und Teile des Amazonas verbuchen können.» Sie geht davon aus, dass der Trend wie damals nach der WM in Südafrika auch etwa zwei Jahre lang anhalten werde.
Ein Vergleich mit Südafrika lohnt sich nach vier Jahren lässt sich der WM-Effekt besser beurteilen. «Die Berichterstattung rund um die WM hatte Vertrauen aufgebaut und aufgezeigt, dass Südafrika als sichere Feriendestination gelten darf», erklärt Patricia Röösli von Private Safaris.
Auch laut Gloria Talavera von Africantrails hat die WM zur positiven Imagebildung des Landes beigetragen. In Zahlen ausgedrückt: «In 2011 und 2012 lag das Wachstum bei ca. 10%. Für das letzte und aktuelle Geschäftsjahr liegt die Umsatzsteigerung gegenüber den Jahren vor der WM etwa bei 25%.» Dies deckt sich ungefähr auch mit den generellen Reisezahlen aus der Schweiz nach Südafrika.
TI
