Das Bahnhofreisebüro in Zürich-Wipkingen wird ab dem 1. November 2014 Premiumagentur der Deutschen Bahn (DB) und somit zu einem wichtigen Vertriebskanal der DB in der Schweiz. Aus einer Quartierinitiative heraus war in den 90er-Jahren die AG Bahnhofreisebüro Wipkingen entstanden. Um den bedienten Bahnhof im sogenannten «Stationshaltermodell» zu erhalten, wurden die Aktien im Quartier gestreut. Für die Beteiligten sind das nun sehr gute Nachrichten.
Die neuen Dienstleistungen in Wipkingen umfassen das komplette Portfolio der Deutschen Bahn, unter anderem die Angebote Europa Spezial, innerdeutsche Sparpreise, Bahn Card, DB Autozug, Ameropa und City Night Line. «Ausser SBB- und ZVV-Tickets bekommen die Kunden bei uns nun also auch innerdeutsche Billette», erklärt Benedikt Gschwind, VR-Präsident des Bahnhofreisebüros. Das mache vor allem Sinn, weil immer mehr Deutsche von Zürich aus in die Heimat fahren, aber auch viele Schweizer per Zug ins Nachbarland reisen. Da die Tarife «für den Laien recht komplex» seien, mache eine persönliche Beratung am Bahnhof da durchaus Sinn, so Gschwinds Einschätzung.
Durch die Schliessung der DB-Fernverkehr-Vertretung in Zürich sei eine Art Vakuum entstanden, sagt der VR-Präsident. Diese Lücke wolle man nun offenbar schlies-sen. Allenfalls könnten sogar einige wenige der rund 100 Mitarbeitenden übernommen werden, die von der Schliessung der DB-Niederlassung in Zürich betroffen seien, meint Gschwind. Der DB zufolge werden entsprechende Möglichkeiten geprüft. Derzeit hat das Büro fünf Mitarbeitende und macht laut den Angaben auf der Website (www.bahnhofreisebuero.ch) einen Umsatz von mehr als CHF 5 Mio. pro Jahr.
Hinter dem Wort Premiumagentur verbirgt sich ganz einfach eine DB-Verkaufsstelle. In Orten, wo man selbst keine Fahrkarten verkaufe, sei es ein normaler Vorgang, dass man sich dafür eine Agentur suche, heisst es bei der Deutschen Bahn. Am besten gleich am Bahnhof.
Für den Standort Wipkingen, dem durch die SBB-Durchmesserlinie einiges an Bedeutung verloren ging, ist dieser Entscheid der DB ein Glücksfall. Der Standort wäre Gschwind zufolge sonst langfristig gefährdet gewesen. «Das wir jetzt ein weiteres Standbein haben, gibt uns mehr Atem», so Gschwind.
SG
