Ein nahezu makelloses Zeugnis stellen die vom TI befragten Reisebüromitarbeitenden den Organisatoren von Studienreisen aus. Kaum einer hat grundlegend Negatives zu berichten. Ein paar «Nervtöter» und unerfüllte Wünsche gibt es aber dennoch.
Ein Hotel-Overkill ist das, was kein Retailer auf Studienreisen gerne mag. Es sei «schade, wenn zu viele Hotel-besichtigungen pro Tag eingeplant sind, so dass man dauernd dem Zeitplan hinterherrennen muss und aus Zeitnot gar nichts von Land, Leuten und Ausflugsmöglichkeiten mitbekommt», sagt zum Beispiel Natalie Hirt (Passage Reisen, Dübendorf). «Wichtig ist für uns ein guter Einblick in die Destination mit ihren Highlights und Geheimtipps», so Hirt. Viele Studienreisen seien heute jedoch entsprechend kreativ und abwechslungsreich zusammengestellt.
«Ein Gespür für die lokalen Vibes» zu bekommen, ist auch Alex Bähler (LLC Media Reisen) ein Anliegen. «Schliesslich verkaufen wir zuallererst die Destination, bevor wir die Unterkunft aussuchen.» Die Destination müsse Begeisterung wecken, damit diese an den Kunden weitergegeben werden kann. Christian Sigg (Rolf Meier Reisen, Neuhausen am Rheinfall) beschreibt das so: «Was man mit eigenen Augen gesehen hat, hat man auch wirklich erlebt, kann davon berichten und die Kunden entsprechend beraten und überzeugen.»
Kritisch betrachten die Reisebürofachpersonen ihre eigenen Branchenkollegen. «Teilnehmende, die immer zu spät kommen» zum Beispiel oder «unzufriedene, überhebliche und verwöhnte Reisebüroleute, die immer was zu meckern haben». Von denen gibt es laut Sigg «leider mehr, als man denkt». Er fordert Interesse und Respekt den Gastgebern gegenüber.
Besonders gern gesehen sind Studienreisen, die durchdacht und sorgfältig geplant sind. Gerne würden einzelne Befragte wenn sie sich etwas wünschen könnten die Airline-Lounges am Flughafen nutzen dürfen oder für eine Flugstrecke ein Upgrade bekommen. Vor Ort wollen die Agenten Hotels verschiedener Preiskategorien sehen. Daniel Kiefer (Dan Tours, Schönenwerd) ist ausser an den Hotelzimmern auch am Essen interessiert. Den «Austausch untereinander», findet Reto Tobler (Reise-Forum Meilen) zudem wichtig. Unbeliebt sind lange, ungenutzte Wartezeiten an Sammelstellen. Viele Airlines seien zudem nicht mehr ganz so spendabel mit Studienreiseplätzen wie auch schon, heisst es.
Und wie wird das Wissen, wieder zu Hause, intern weitergegeben? Das handhaben die Büros unterschiedlich. Bei LCC Media Reisen wird ein Studienreisebericht geschrieben und an alle verteilt. Im Reise-Forum gibt es ein Team-Meeting, an dem der Zurückgekehrte im Detail von seinen Erfahrungen erzählt und zudem einen Bericht erstellt. Bei Dan Tours, Passage-Reisen und Rolf Meier Reisen tauscht man sich mündlich aus und weiss, wer wo gewesen ist. «Auch später greifen wir immer wieder auf das Wissen dieses Mitarbeiters zurück oder verweisen die Kunden an das entsprechende Teammitglied», sagt Sigg, «das ist Gold wert!»
