Von Zürich nach Frankfurt für EUR 15: Der Verdrängungswettkampf im von Deutschland gesteuerten Fernbusmarkt ist hart. Für Flixbus aus München ist es sogar oberste Priorität, auf jeder Strecke der Günstigste zu sein. Das geht auch an Unternehmen wie Expressbus aus Weggis nicht spurlos vorbei. Als derzeit einziger Schweizer Anbieter von internationalem Linienbusverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland hat Geschäftsführer Patrick Angehrn durchaus an den deutschen Tiefstpreisen zu kauen. Die Strecke BernOltenZürichSt.GallenMemmingenMünchenMünchen Flughafen bietet er mit seinem Partner Domo Reisen aus Glattbrugg darum für CHF 20 (ab Zürich) bzw. CHF 40 (ab Bern und Olten) an. Das sei natürlich nur bei hoher Auslastung überhaupt kostendeckend.
Derzeit befänden sich die Schweizer sogar im Wettbewerbsnachteil zu den deutschen Anbietern, und das nicht nur wegen der höheren Produktionskosten, so Angehrn. Hierzulande hat die SBB das Monopol, um Fahrgäste innerhalb des Landes zu transportieren. Dieses Vorrecht der Bahn ist in Deutschland mit der Liberalisierung 2013 gefallen. Deutsche Unternehmen dürfen somit auf einer Strecke ZürichBerlin die Passagiere auch in Karlsruhe oder Frankfurt absetzen, können ihre Busse also besser auslasten. Schweizer Busunternehmen wie Expressbus können zwar Fahrgäste in Zürich aufnehmen und in München wieder entlassen. Weder in Deutschland noch in der Schweiz dürfen sie jedoch inländische Verbindungen anbieten. «Wir befürworten darum die Liberalisierung des nationalen Busverkehrs in der Schweiz», so Angehrn.
Ausser den grossen Fernbusanbietern wie Meinfernbus oder Flixbus hat sich auch der deutsche Automobilistenclub ADAC in den Fernbusmarkt Richtung Schweiz gemischt und darf eine Strecke bedienen. Seit wenigen Wochen fährt der gelbe ADAC-Postbus täglich zwischen Berlin, Frankfurt/Main und Zürich. Als Schnittstelle zu Europa sei die Schweiz eben sehr attraktiv, heisst es beim ADAC in München.
Auch die SBB und die Deutsche Bahn haben ein Fernbus-Zusatzangebot ZürichMünchen entwickelt. Man wolle damit bis zur Elektrifizierung der Linie LindauGeltendorf den Zweistundentakt von Zürich nach München garantieren. Zur Konkurrenzsituation mit den Fernbussen äussert man sich bei der SBB nicht. Das Busangebot solle jedenfalls nicht weiter ausgebaut werden.
Mit welchem Bus die Kunden fahren, entscheidet den Experten zufolge allein der Preis. Denn Angebot und Fahrtdauer ähneln sich (ausser es gibt eine Expressverbindung ohne Zwischenhalt). Standard sind zwei Gepäckstücke plus Handgepäck, kostenloses WLAN und ein Snackangebot an Bord. Die Fahrradmitnahme kostet meist EUR 9 extra. Bei Expressbus kann man sogar Motorräder mitnehmen.
Buchen lässt sich online, per Hotline, Smartphone App oder auch über Partnerreisebüros, die (zum Beispiel bei Flixbus) derzeit in der Schweiz noch ausgebaut werden. Ausser bei Expressbus, der bis auf wenige Aktionen Fixpreise anbietet, variieren die Preise je nach Abfahrtstag und -zeit. Wenn es noch freie Plätze gibt, kann man auch im Bus noch Tickets kaufen, jedoch meist zu einem höheren Preis.
Zum Preiskampf ergänzt Patrick Angehrn: «Es geht den deutschen Fernbus-Unternehmen primär um die Erlangung von Marktanteilen.» Langfristig würden wohl nur zwei bis drei von ihnen überleben und die Preise dann wahrscheinlich wieder ansteigen. Einer hat bereits aufgegeben: Das Frankfurter Unternehmen City2City (das allerdings nicht in die Schweiz fuhr) steigt mit EUR 2,5 Mio. Verlust pro Jahr Mitte Oktober aus dem Geschäft aus.
SG
