Trotz Online: Agenten-Anteil im TO-Vertrieb stabilisiert sich (Ausgabe 2014-44)

In den letzten zwei, drei Jahren ist der Fremdvertrieb der grossen Veranstalter anteilmässig kaum mehr geschrumpft.

In Zeiten von Onlinestrategien und benutzerfreundlichen B2C-Portalen taucht immer wieder die Frage auf, ob und wie sich die Bedeutung der Agenten aus Sicht der grossen Veranstalter verändert. Die Zahlen der letzten fünf Jahren zeigen, dass sich das Verhältnis zugunsten des Eigenvertriebs verschoben hat – allerdings nicht drastisch. Zurzeit scheint sich der Anteil Fremdvertrieb zwischen 40% und 50% einzupendeln. Auch die Anzahl unabhängiger Vertriebspartner ist seit 2009 um gerade mal durchschnittlich 6% gesunken. Und der Onlineanteil am Gesamtumsatz bleibt meist stabil.

Dies soll nicht heissen, dass das Onlinegeschäft stagniert. «Wir konnten die Onlineverkäufe innert einem Jahr um 30% steigern», erklärt Tim Bachmann, Director TO Shorthaul/Beach/Cruises bei Hotelplan Suisse, «gerade der B2C-Onlineumsatz wächst überproportional. Da aber auch der klassische Vertrieb im Plus ist, sehen wir keinen Kannibalisierungseffekt.»

Bei TUI Suisse fiel zwar der hohe Onlineanteil von Vögele Reisen weg, der bekanntlich an Twerenbold verkauft wurde. «Dies konnten wir dank einem starken Onlinewachstum auf TUI.ch aber wettmachen», sagt Erich Mühlemann, Managing Director Marketing & Distribution. Dieses Plus gehe nicht zulasten eines anderen Vertriebskanals, sondern es handle sich um neuen und zurückgewonnenen Umsatz. Genauso verhält es sich bei Kuoni. Dort haben im Onlinebereich vor allem die dynamischen Badeferien die grösste Steigerung erfahren.

Ein anderes grosses Branchenthema, das Mikro-Touroperating, beschäftigt die Veranstalter nicht nur im Fremdvertrieb, sondern auch bei den eigenen Filialen – schliesslich will man den Eigenprodukt-Anteil von rund 80% halten. «Seit der Lancierung unseres B2B-Tools ist der Anteil von Mikro-Touroperating in den Filialen klar rückgängig», sagt Hotelplans Retailing-Chef Daniel Reinhart dazu.

Bei Kuoni nimmt das Mikro-TO in den Filialen zwar leicht zu; «es betrifft aber häufig Hotels, die wir auf Datenbanken innerhalb der Kuoni-Gruppe buchen können», sagt Sprecher Julian Chan. Mehr Mikro-Touroperating findet auch in den Filialen der TTS-Mitglieder statt. «Dies betrifft vor allem den Bade- und Städtebereich», erklärt Geschäftsführer Beat Obrist. Der Umsatz hingegen wächst dort, wo er bei der TTS-Gruppe wachsen soll: im Spezialisten- und Nischenbereich.

Stefan Jäggi