Das Jahr 2014 war von Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten, der Ebola-Epidemie in Afrika sowie von Dauerstreiks von Piloten und Lokführern geprägt. Wie sich die Reisebranche in diesem schwierigen Umfeld durchgesetzt hat, zeigt der Buchungsbarometer der Reise-Treuhand AG, der die kumulierte Umsatzentwicklung von 20 unabhängigen Reisebüros auflistet. Bezieht man sich auf dieses Resultat, ist der Februar mit +11,8% der einzige Monat, der sich nicht im Negativbereich befindet.
Yves Bruttin von der Reise-Treuhand AG kennt die Details: «Auffallend ist, dass Reisebüros, die im Jahr 2013 einen Zuwachs verzeichneten, 2014 einen Rückgang erleben und umgekehrt.» Dies treffe bis auf zwei Ausnahmen auf alle befragten Retailer zu. Der Grund für eine solche Entwicklung sei in Einzelfällen bekannt z. B. der Wegfall eines Zusatzgeschäfts.
Eine unabhängige TI-Befragung bei sechs Reisebüros liefert ein anderes Resultat: Sämtliche befragten Teilnehmer liegen derzeit im Plus. «Unser Umsatz bewegt sich klar im Plusbereich. Nach einem erfolgreichen Buchungsstart und einer kleinen Baisse im Sommer, gab es im Herbst wieder eine Zunahme an Buchungen», fasst Marco Zerzuben, Geschäftsführer von Zerzuben Touristik in Eyholz, den bisherigen Geschäftsverlauf zusammen. Einige wenige Kunden hätten sich aufgrund möglicher Ebola-Ansteckung aber generell gegen eine Reise entschieden.
Eine Steigerung von 3% bis 4% meldet Christian Cabane von Cat Travel in Basel. «Wir freuen uns über ein gutes Geschäftsjahr und befinden uns innerhalb des gesetzten Budgets.» Die meisten verkauften Reisen seien Individualreisen, gewöhnliche Pauschalreisen seien da eher die Ausnahme. Cynthia Spicher, Reiseberaterin bei Natural Reisen in Biel, stellt eine Zunahme an Individualreisen fest. «Die Kunden lassen sich heutzutage im Reisebüro eher für komplexe Reisen beraten, einfachere Buchungen werden wahrscheinlich selbst getätigt», vermutet die Beraterin.
Auch bei Port-air Reisen in Ennetbürgen zeigt man sich zufrieden, der Umsatz befinde sich auf gutem Vorjahresniveau. «Dieses Jahr gingen die Buchungen für nächstes Jahr bereits sehr früh ein», erklärt der Inhaber Daniel Roduner. Simpel gestrickte Badeferien seien aber rückläufig. Dies läge vermutlich daran, dass einfache Pauschalarrangement-Buchungen eher im Internet vorgenommen werden. «Das schlechte Wetter im Sommer hat zwar viele Last-minute-Schnäppchenjäger hervorgebracht, allerdings war es aufgrund von mangelnden Kapazitäten schwierig, so kurzfristig noch etwas zu finden», vermerkt Roduner.
Werner Blum, Inhaber von Move Reisen in Zürich, spezialisiert sich vorwiegend auf Australien-Reisen. Sein Geschäftsjahr verlief äusserst positiv, eine Umsatzsteigerung im zweistelligen Prozentbereich konnte verzeichnet werden. Der Sommer sei etwas verhalten gewesen, dafür aber habe man mit einer starken Herbstsaison wieder aufgeholt. «Im November verbuchten wir so viele Abreisende wie noch nie», bemerkt Blum.
Anders sieht der November bei Rolf Helbling, Geschäftsführer von Helbling Reisen in Gossau, aus: «Derzeit ist es im Vergleich zum Vorjahr sehr ruhig, es sind nur wenige Buchungen für 2015 eingegangen.» Diesen starken Buchungsrückgang wisse er nicht zu erklären. Grundsätzlich sei man mit dem Geschäftsjahr aber zufrieden, der schlechte Sommer hierzulande hätte nicht zuletzt zu einer Buchungssteigerung im September und Oktober beigetragen.
MM



