«Es gibt keinen Investitionsstopp» (Ausgabe 2015-04)

Nach dem Kuoni-Entscheid, das Outgoing-Geschäft zu verkaufen, nimmt Marcel Bürgin, CEO Kuoni Schweiz, Stellung.

Herr Bürgin, wann haben Sie vom Verkaufs-Entscheid erfahren?

Ich habe relativ kurzfristig davon erfahren, was Sinn macht. Nur ein kleiner Kreis im Konzern wusste davon. Uns hat man aber sofort ein Massnahmenset mit viel Information für die interne und externe Kommunikation zur Verfügung gestellt. Gewisse Medienberichte haben dann zu Irritationen und Verunsicherung geführt. Die Geschäfte von Kuoni Schweiz gehen normal weiter. Es geht hier um einen Eigentümerwechsel.

Ihre erste Reaktion?

Ich war natürlich überrascht, aber schnell habe ich den Sinn dieses Entscheids für den Konzern erkannt. Kuoni Schweiz geht einen anderen Weg als andere Einheiten im Konzern, die stark auf die globalen B2B-Geschäftsfelder, elektronischen Kanäle und die Masse setzen. Beim Namen Kuoni denken in der Schweiz alle nur an Kuoni Schweiz. Man vergisst, dass wir nur ein Teil eines globalen Konzerns sind. Die Kuoni Group will sich auf andere Geschäftsfelder konzentrieren, in denen sie grösser ist als im klassischen Reisegeschäft und wo man Wachstumschancen sieht. 2009 machte der Anteil des Touroperating am Konzernumsatz 75% aus, 2014 waren es noch 39%. Kuoni Schweiz erzielte 2014 laut provisorischem Abschluss mit rund 1300 Mitarbeitern einen Umsatz von CHF 680 Mio.

Wie waren die Reaktionen?

Ich akzeptiere, dass bei Mitarbeitenden und Reisebüro-Partnern eine gewisse Verunsicherung entstanden ist. Darum war es so wichtig, dass wir als Kuoni Schweiz zeitnah intern und extern informiert haben. Die Ausgangssituation hat sich nicht verändert. Weder ein Mitarbeiter noch ein Lieferant, Kunde oder Reisebüro müssen sich Sorgen machen – wir schliessen nicht, sondern arbeiten weiter. Wir haben viel positives Feedback erhalten und konnten Unsicherheiten ausräumen. Der erste Schock ist überwunden.

Sind Sie im Verkaufsprozess involviert?

Ja, da wir gewisse Dokumentationen mit den relevanten Daten zusammenstellen, um den Kaufinteressenten einen möglichst umfassenden Einblick in unser Geschäft, unsere Verträge, unsere Finanzen und mehr geben zu können.

Gibt es einen Zeitrahmen?

Dieser aufwändige Prozess wird einige Monate in Anspruch nehmen. Wir wollen das seriös und ohne Zeitdruck bereitstellen. Dann können wir mit potenziellen Käufern Gespräche führen. Kuoni Schweiz ist kein Sanierungsfall, wir sind profitabel und können auch dieses Jahr wieder gutes Geld verdienen. So gesehen suchen wir nicht jemanden, der uns nur übernimmt, sondern der weiter investiert und mit unserem Geschäft auch weiter Geld verdient. Wir suchen einen Käufer für das Gesamtpaket Kuoni Schweiz, inklusiv Touroperating, Spezialisten und Filialen.

Zeigt sich die Unsicherheit in Buchungsrückgängen?

Wir stehen in der Hauptbuchungszeit, aber das ist schwierig abzuschätzen, da seit Donnerstag alle nur noch über den Euro gesprochen haben. Die Sommermonate Juli und August sind besser gebucht als im letzten Jahr. In den letzten Tagen gab es einen leichten, aber nicht dramatischen Buchungsrückgang. Ob das auf den Euro-Entscheid oder den Kuoni-Entscheid zurückzuführen ist, kann ich derzeit nicht sagen. 

Stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel?

Ich kann weder jetzt noch zu einem anderen Zeitpunkt eine Jobgarantie abgeben, denn wir sind seit Jahren im Umbruch. Ich glaube daran, dass dieser Entscheid für Kuoni Schweiz eine Chance ist. 

Wird es erfolgreich weitergehen?

Unser Geschäft setzt auf die Power, die wir im Schweizer Markt immer noch haben durch Grösse, Bekanntheitsgrad, Qualität, reisebewanderte Mitarbeitende, Innovation und mehr. Auf gewisse Themen werden wir in Zukunft noch mehr fokussieren können. Ein Käufer wird Synergien sehen oder er glaubt an unser Konzept und hat sicher kein Interesse daran, uns kaputtzu-machen. Die Geschäftsleitung von Kuoni Schweiz ist nun komplett, nachdem seit 12. Januar auch unser TO-Chef Marco Amos an Bord ist. Es läuft sehr gut und wir ziehen alle am gleichen Strick.

Es gibt keinen Einstellungs- oder Investitionsstopp. Unser Geschäft läuft normal weiter und wir arbeiten wie geplant an der Weiterentwicklung. Wir sind voll motiviert.

Wen sehen Sie als möglichen Käufer?

Ich werde nicht über Namen spekulieren. Prinzipiell habe ich keine Präferenzen, sowohl ein Branchenplayer als auch ein aussenstehendes Unternehmen kommen in Frage, beides hat Vor- und Nachteile. Wir wollen in der Schweiz mit den bekannten Marken weiterhin erfolgreich sein. Dafür wünsche ich mir einen Käufer, der unsere Ideen und Werte teilt. Und der uns den Fokus bringt, den wir als Kuoni Schweiz brauchen. Letztlich entscheidet das aber der Käufer. 

Ich bin überzeugt, dass wir einem potenziellen Interessenten – ob international oder schweizerisch – relativ einfach aufzeigen können, dass das Geschäftsmodell von Kuoni Schweiz, losgelöst vom Konzern, erfolgreich betrieben werden kann. Wir sind eine attraktive Braut.

Wer ist Ihr Konzern-Ansprechpartner?

Bis der Verkauf über die Bühne geht, ist es Rolf Schafroth. Er ist meine Stimme in die Konzernleitung und in den Verwaltungsrat hinein. Er steht der Division Outbound vor und ist mein direkter Vorgesetzter.