Projekt 365: Wie Kroatien zum Ganzjahresziel werden will (Ausgabe 2015-11)

Mehr Hotels, bessere Qualität der Unterkünfte, neue Produkte in den Bereichen Gastronomie und Aktivferien: Tourismusminister Darko Lorencin über die aktuellen Entwicklungsprojekte seines Landes und geplante Investitionen.

Herr Lorencin. Kroatien ist eine klassische Sommerdestination. Nun haben Sie das Programm «Kroatien 365» entwickelt. Was ist das Ziel? 

Rund 64 % unserer Gäste kommen im Juli und August, zählt man noch Juni und September hinzu, sind es 85 %, die in der Hauptsaison hier sind. Nur 15 % kommen in den anderen Monaten. Wir wollen eine Saisonverlängerung erreichen, so wie es z. B. Spanien und die spanischen Inseln geschafft haben. Da fast 90 % unserer Gäste mit dem Auto anreisen, sind wir auch relativ unabhängig von der Rotationsdauer der Flugverbindungen. 

Was bietet Kroatien denn alles in der Nebensaison? 

Baden kann man von Ende Mai bis in den Oktober, wandern von April bis Ende Oktober. Unsere Nationalparks und die 1244 Inseln bieten da ausreichend Möglichkeiten. Was viele z. B. nicht wissen: In Istrien ist im Oktober und November Trüffelsaison, zahlreiche Orte und Restaurants haben dann spezielle Angebote und Festivitäten. Auch unsere Weinkeller dort sind hervorragend. Dieses gastronomische Angebot wollen wir bekannter machen. Dazu gehört auch das Sushi-Festival in Zadar im Januar. Weil der meiste Fisch nach Japan exportiert wird, wissen viele nicht, dass Kroatien eine hervorragende Thunfischzucht hat. 

Neben der Gastronomie promoten Sie auch das Aktivangebot.

Ja. Neben dem Wandern gibt es tolle Möglichkeiten zum Tauchen – z. B. in der Region Medulin in Istrien. Aber auch reiten, velofahren, segeln und paragliden kann man sehr gut. Ein tolles Freeclimbing-Angebot gibt es im Nationalpark Paklenica bei Zadar.     

Was tut der Staat, um diese Ziele in die Realität umzusetzen?

Wir unterstützen Hotels und Restaurantbetriebe, damit diese ihre Häuser in der Nebensaison offen halten können, auch wenn (noch) nicht so viele Gäste da sind. Zudem versuchen wir, verschiedene Destinationen zusammenzubringen, damit sie neue Produkte schaffen und diese gemeinsam anbieten können. Im Jahr 2014 haben wir EUR 410 Mio. in Grossprojekte wie Hotelbauten und -renovierungen investiert. 2015 werden es rund EUR 490 Mio. sein – über EUR 300 Mio. davon gehen in den privaten Sektor. 

Wer nach Kroatien fährt, übernachtet aber meist in privaten Appartements oder auf dem Campingplatz.

Momentan ist das tatsächlich so. Rund 50 % unserer Gäste übernachten bei Privatleuten, 25 % auf dem Campingplatz und nur 13 % im Hotel. Wir wollen aber künftig mehr Hotelbetten anbieten. Es werden darum viele Hotels renoviert oder – v. a. in Istrien – neu gebaut. Das soll nicht zuletzt auch etwas positiven Druck auf die Anbieter privater Unterkünfte ausüben, damit diese ebenfalls investieren und ihren Standard verbessern.       

Wie wichtig ist für Sie der Schweizer Quellmarkt?

Wir investieren viel in den Schweizer Markt und wollen auch hier die Nebensaison noch besser vermarkten. Im Jahr 2014 sind 180 600 Schweizer nach Kroatien gekommen und haben uns 840 000 Übernachtungen beschert. Das sind zwar nur 1,6 % mehr als 2013, aber rund 10 % mehr als 2012. Auch ex Schweiz sind wir v. a. eine Autodestination. Insgesamt hatten wir 2014 rund 13 Mio. Gäste, 5 % mehr als 2013. Auch 2015 erwarten wir wieder eine Steigerung um 5 %. 

Stephanie Günzler