Kein Zweifel: Kuba wäre eigentlich eine der faszinierendsten Destinationen, die es im Rahmen einer Karibik-Kreuzfahrt zu besuchen gäbe. Und angesichts der Tatsache, dass sich in der Karibik fast die Hälfte aller Cruiseliner tummeln, erscheint es auf den ersten Blick höchst seltsam, dass Kuba auf den Kreuzfahrt-routen kaum auftaucht.
Der Grund ist einfach: Das jahrzehntelange politische Zerwürfnis zwischen den USA und Kuba verbietet es faktisch amerikanischen Reedereien, in Kuba anzulegen und in der Karibik dominieren seit eh und je vor allem US-Reedereien. Konkret sagt die aktuelle Gesetzgebung der USA, dass Schiffe, die in Kuba anlegen, in den folgenden sechs Monaten keinen US-Hafen mehr anlaufen dürfen die Rechnung ist damit für die US-Reedereien, die vor allem vom Heimmarkt leben, rasch gemacht.
So waren und sind es in erster Linie europäische Anbieter, die Kreuzfahrten mit kubanischen Anlaufhäfen oder gar ab/bis Kuba auflegen. Dies tat einst schon Costa, doch die italienische Reederei wurde dann von der amerikanischen Carnival-Gruppe übernommen und Kuba fiel damit ausser Traktanden. Und das Kuba-Programm von Festival Cruises wurde mit dem Konkurs der Reederei beendet. Auch die spanische Pullmantur Cruises versuchte sich in der Vergangenheit schon recht erfolgreich in Kuba, ebenso englische Reedereien wie Thomson Cruises oder Fred Olsen, die Kuba weiterhin programmiert haben.
Für Bewegung im Kuba-Markt sorgt seit der Saison 2013/14 der kanadische Anbieter Cuban Cruises mit einem Schiff der griechischen Celestyal Cruises (ex-Louis); diese Fahrten werden auch im hiesigen Markt angeboten. Zwischen Dezember 2015 und März 2016 legt die Celestyal Crystal (960 Passagiere) einwöchige Fahrten ab/bis Havanna nach Maria La Gorda, Cienfuegos und Santiago de Cuba auf, inklusive einem Abstecher nach Montego Bay (Jamaika). Die Seereise ist auch ideal mit einer Badeferien-Verlängerung in Varadero kombinierbar.
Ebenfalls griechisch, und ebenfalls nicht zum ersten Mal in Kuba, ist das quirlige Familienunternehmen Variety Cruises. Angeboten werden im nächsten Winter mit dem intimen Motorsegler Panorama (24 Kabinen) einwöchige Seefahrten zwischen Havanna, Maria La Gorda, Cayo Largo, Casilda (Trinidad) und Cienfuegos. Speziell: In Havanna sind drei Übernachtungen vor Ort eingeplant.
Authentisches Segel-Feeling kommt mit der Star Flyer (180 Passagiere) der europäischen Star Clippers auf, seit zwei Jahren ebenfalls Kuba-«Stammgast». Aufgelegt werden im Winter 2015/16 vor allem einwöchige Törns ab/bis Cienfuegos mit Besuch der traumhaften Cayos und einem Abstecher nach George Town (Grand Cay-man), zudem einzelne 5- und 10-Nächte-Fahrten. Neu gibt es auch Abfahrten ab Havanna. Zudem besuchen einzelne weitere europäische Reedereien hin und wieder kubanische Ziele im Rahmen ihrer Karibik-Reisen. Das aktuelle Angebot ist demnach noch recht bescheiden die grosse Revolution in Sachen Kreuzfahrten steht Kuba erst noch bevor.
Mit der politischen Annäherung zwischen den USA und Kuba dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis US-Bürger frei nach Kuba reisen dürfen. Und dies wird ohne Zweifel auf einen Schlag alle grossen amerikanischen US-Reedereien motivieren, Kuba in ihr Angebot aufzunehmen. Spute sich, wer das Land noch vor der Wende erleben möchte.
Beat Eichenberger



