Am 20. März zeigte sich die International Civil Aviation Organization (ICAO) besorgt über die Sicherheit im thailändischen Luftverkehr und sprach eine Warnung aus. Insbesondere bei den Zertifizierungsmethoden und Sicherheitsstandards bei neuen Airlines seien bei entsprechenden Untersuchungen Mängel festgestellt worden.
Dem Department of Civil Aviation (DCA) wurden 90 Tage Frist eingeräumt, um einen Massnahmenplan zu erstellen, der die Erfüllung der Standards sicherstellen soll. Ansonsten könnte die Herabstufung von Thailands Luftverkehr drohen. Dies könnte zur Folge haben, dass die Airlines des Landes auf die schwarze Liste kämen und Flughäfen in Europa und anderenorts nicht mehr anfliegen dürften.
Die Kritik richtet sich nicht direkt an die Airlines, sondern an das DCA. Dieses habe zu viele AOC (Airline Operating Certificate) ausgestellt und es fehle an genügend Prüfexperten, um diese Prozesse zu begleiten, sowie am notwendigen Know-how. Noch vor einigen Jahren gab es in Thailand gut 20 AOC. Durch den Luftfahrt-Boom, speziell im Segment der Low Cost Carrier, sind es inzwischen über 60, ohne dass gleichzeitig die Ressourcen beim DCA aufgestockt worden wären.
Als Folge der Warnung haben China, Japan und Südkorea ein Landeverbot für Charterflüge von thailändischen Airlines ausgesprochen, was über das Neujahrsfest «Songkran» Mitte April zu grossen Problemen führte. Bereits operierende Linienflüge, etwa von Thai Airways, können weiter in diese Länder fliegen, dürfen aber weder am Flugplan noch an den Frequenzen oder am Fluggerät Änderungen vornehmen.
Gleichzeitig prüfen nun auch europäische und amerikanische Behörden die Sicherheitsstandards von thailändischen Airlines, die ihr Territorium anfliegen. An einigen europäischen Flughäfen wurden bei Flügen von Thai Airways vermehrt Papiere und Lizenzen überprüft. Dasselbe geschah in Hongkong und Singapur mit Bangkok Airways.
Die Regierung hat eine Arbeitsgruppe gebildet, welche mit Unterstützung ausländischer Experten Vorschläge unterbreiten soll, um die Probleme zu beheben. Das DCA soll möglichst rasch wieder internationalen Standards genügen. Gleichzeitig sind auch einige Airlines aktiv geworden. So haben Thai Airways und Bangkok Airways ihre eigenen Sicherheitsvorgaben nochmals überprüft und die Checks über das notwendige Mass hinaus verstärkt.
Unterstützung erhielten sie nun von IATA-Generaldirektor Tony Tyler. Es sei unfair, die Airlines für die Versäumnisse staatlicher Behörden zu bestrafen. Speziell für Thai Airways und Bangkok Airways ergreift er in der «Bangkok Post» Partei. Diese beiden Fluggesellschaften seien langjährige IATA-Mitglieder und hätten auch die IOSA-Überprüfung, welche mehr als 900 global definierte operationelle Sicherheits- und Kontrollstandards umfasse, erfolgreich abgeschlossen.
Mitte Juni will die ICAO entscheiden, wie es mit Thailands Luftverkehr weitergehen wird.
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