Die Entwicklung der Biokraftstoffe kommt mit grossen Schritten voran (Ausgabe 2015-19)

Weltweit haben zahlreiche Fluggesellschaften positive Erfahrungen mit alternativen Kraftstoffen gemacht.

Das Thema Biokraft hat soeben durch die Aussage von Michael O’Leary, CEO von Ryanair, wieder den Weg in die Medien gefunden. So sagte er anlässlich der ITM-Konferenz in Schottland von letzter Woche: «Die Idee, dass man Nahrungsmittel mit hohen Kosten anpflanzt, um sie dann in Treibstoff umzuwandeln, ist totaler Quatsch. Das Thema Biofuel ist ein reiner PR-Gag!» O’Leary ist für seine träfen Sprüche bekannt und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Busch. Ob er Recht hat, sei dahingestellt. 

Tatsächlich ist es so, dass eine der Vorgaben des Roundtable on Sustainable Biomaterials (RSB) für den Anbau von Biokraftstoff für Lieferanten darin besteht, dass die für den Biomasseanbau verwendeten Flächen nicht in Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln stehen dürfen. Für die Herstellung von Biokraftstoffen können eine Vielzahl von Rohstoffen verwendet werden – von Energiepflanzen wie Jatropha über Reststoffe wie Stroh bis hin zu Abfällen. So stellt auch Professor Jürgen Raps, Präsident der deutschen Luftfahrtinitiative für erneuerbare Energien Aireg, fest: «Weltweit gibt es hervorragende Beispiele für die Nutzung alternativer Kraftstoffe im Luftverkehr.»

In den USA verkehren bereits erste Flugzeuge mit einem Gemisch, das zu 40% aus Algenkraftstoff besteht. Eine Studie, die Airbus mit Partnern wie Virgin Australia in Auftrag gegeben hat, hat gezeigt, dass die Herstellung von Flugkraftstoffen für Passagierjets aus australischen Mallee-Eukalyptus-Bäumen praktikabel ist. Die British Airways setzt auf Müll, der in Flugzeugtreibstoff verwandelt wird, und auch Cathay Pacific verwendet nachhaltigen Kraftstoff, der von festen Siedlungsabfällen umgewandelt wird. Finnair flog schliesslich im letzten September erstmals mit recyceltem Speiseöl nach New York.

Die Lufthansa-Gruppe setzt zurzeit auf den Biotreibstoff Farnesan, der von der kalifornischen Firma Amyris, dessen Vertriebspartner der Mineralölkonzern Total ist, entwickelt wurde. Dem fossilen Kerosin werden bis zu 10% des Biokraftstoffes beigemischt. Während aber heute noch Zucker als Rohstoff dient, wird Farnesan zukünftig aus Bagasse, dem Reststoff der Zuckerrohrproduktion, gewonnen. So sollen die obgenannten Nutzungskonflikte umgangen werden.  

Im letzten September gab Lufthansa des Weiteren bekannt, Jatrophaöl als Rohstoffoption zur Marktreife führen zu wollen.

In diesem Jahr führt die Lufthansa Group, d.h. die Fluggesellschaften Lufthansa, Swiss, Aus-trian Airlines, Germanwings, Brussels Airlines, 5000 Flüge ab Oslo mit Biokerosin durch. Das norwegische Mineralöl-Unternehmen Statoil speist seit März 2015 für den Zeitraum eines Jahres 2,5 Mio. Gallonen nachhaltig produzierten und entsprechend zertifizierten Biotreibstoff in die Tanks des Flughafens Oslo ein. Damit ist der Flughafen Oslo der erste grosse Verkehrsflughafen der Welt, der über einen längeren Zeitraum eine kontinuierliche Versorgung mit Biokraftstoff anbietet und Flugzeuge direkt aus dem Hydrantensystem mit Biokerosin betankt. Auch die Scandinavian Airlines SAS und KLM werden den Biotreibstoff in Oslo beziehen. Finnair verfolgt aktuell zusammen mit ihren Partnern das Ziel, einen Hub für Biokraftstoff am Flughafen Helsinki einzurichten. Auch die Air France setzt sich für die Umwelt ein. Im Rahmen ihres Projekts «Lab’line for the future» zur nachhaltigen Entwicklung nutzt sie auf der Route ToulouseParis-Orly bei einem Flug pro Woche Biotreibstoff.

Nathalie de Regt