Herr Barbey, was waren in fünf Jahren die wichtigsten Produkteentwicklungen?
In diesen fünf Jahren ist das Transportvolumen von Lyria um 40% gestiegen. Einige Entwicklungen waren etwa die Anpassung der Fahrpläne, die Erhöhung der Frequenzen sowie die Eröffnung neuer Linien, darunter die kürzlich eröffnete Linie GenfLille. Die Konkurrenz schläft nicht, deshalb mussten wir den Standard unserer Produkte verbessern. Die Inbetriebnahme von Rollmaterial der zweiten Generation, Lyria-Waggons in den Farben der Marke sowie eine Renovierung der Innenabteile sind ebenfalls Teil dieser Erneuerungen.
Wie verteilen sich heute die Zahlen auf die Linien aus Zürich/Basel und die Verbindungen aus der Romandie?
Genf bleibt unsere wichtigste Linie mit zehn bis elf Verbindungen pro Tag und pro Richtung. Die meisten Verbindungen führen nach Paris, es gibt aber auch welche in den Süden und Norden Frankreichs. Auf diese Linien verteilen sich etwa 2,5 Mio. unserer Passagiere (42%). Lausanne mit den fünf täglichen Hin- und Rückfahrten generiert 1,2 Mio. Passagiere (20%). Das heisst, dass rund 3,7 Mio. der Lyria-Passagiere aus der und in die Romandie fahren. Die restlichen 38% fahren ab Basel/Zürich und Bern.
Hat die Abschaffung der Bahnverbindungen nach Bern/Neuchâtel Konsequenzen mit sich gezogen?
Ja, aber vorwiegend positive. Die Einführung der Shuttle-Züge von Neuchâtel nach Frasne hat im vergangenen Jahr zu einem Verkehrswachstum von 22% geführt. Der Anschluss an alle internationalen Verbindungen wird von der Kundschaft aus der Region sehr geschätzt. Dadurch konnte das Ergebnis der Jura-Linie stark verbessert und die Shuttle-Verbindung finanziert werden.
Sie lancieren Aktionsangebote für weniger als EUR 30. Nehmen Sie damit direkt Low-Cost-Airlines ins Visier oder werden Sie selbst zum Low-Cost-Anbieter?
Wir haben die Transparenz unserer Preise verbessert, indem wir unsere Tarifpalette überarbeitet haben. Mit dem etwas teureren Flex-Tarif profitiert der Kunde von einem Maximum an Flexibilität und von einer ganzen Palette an Zusatzleistungen. Der Semi-Flex-Tarif erlaubt dem Kunden, das Ticket bis vor Abfahrt gegen eine Gebühr zu modifizieren und der Non-Flex-Tarif, welcher preislich der attraktivste ist, ist weder umtauschbar noch rückerstattbar. Durch diese Aktionen können wir jeweils alle Kundenkategorien erreichen und bleiben so gegenüber der Luftfahrt, und nicht nur im Low-Cost-Bereich, wettbewerbsfähig.
Weshalb wurde die Strecke GenfMontpellier aufgegeben?
Dies geschah aus zwei Gründen. Erstens gehörte diese Linie nicht zum Lyria-Gebiet, sondern zu dem von Elypsos, welcher in Richtung Spanien weiterfährt. Wir haben diese Strecke nur so lange betrieben, bis Elypsos den Betrieb aufnehmen konnte. Dies dauerte länger als erwartet. Zweitens mussten wir uns entscheiden. Die Lyria-Flotte war bereits ausgeschöpft, weshalb wir nicht zwei Züge, auch wenn nur temporär, einer defizitären Linie widmen konnten.
In einem Monat verlassen Sie ein florierendes Unternehmen. Bereuen Sie Ihren Entscheid?
Nein, im Gegenteil. Ich empfinde viel Stolz. Es gibt ganz klar Dinge, die man anders oder besser hätte machen können. Aber rückblickend betrachtet, haben wir auf einem Gebiet, wo Flexibilität und Innovation noch nicht ganz zur Norm gehören, sehr viel realisiert und Lyria wieder auf ein Niveau gebracht, das im Vergleich mit anderen internationalen Hochgeschwindigkeitszügen mithalten kann.
MM/DS



