Das südliche Afrika zeigt sich von seiner innovativen Seite (Ausgabe 2015-23)

Im Rahmen der Tourismusmesse Indaba wurden diverse Neuigkeiten und Innovationen bekanntgegeben. Ein «Best of».

Boomende «Vic Falls»

Die Victoria-Falls sind für den Tourismus von Sambia und Simbabwe von grosser Bedeutung. Entsprechend versucht man, das Angebot auszubauen – es gab sogar schon Gerüchte um ein neues Disneyland bei den «Vic Falls». «Vieles ist in Bewegung, aber man muss aufpassen, dass man die Region nicht zu stark kommerzialisiert», sagt Bruno Van den Bossche von der simbabwischen DMC Gondwana. 

Einen grossen Schub soll der Flughafen Victoria Falls auslösen, der komplett überholt und vergrössert wurde und nun stufenweise eröffnet wird. Die neue Piste kann auch Langstreckenmaschinen aufnehmen; gemäss Van den Bossche hätten internationale Carrier wie British Airways oder Emirates bereits Interesse angemeldet. Ennet der Grenze beobachtet man dies mit Argwohn – schliesslich ist der Flughafen im sambischen Livingstone nur 40 Kilometer entfernt.

Nebst der Fluganbindung wird auch das Reisen zwischen Sambia und Simbabwe einfacher: Seit kurzem kann man nämlich ein gemeinsames Visum für die beiden Länder kaufen.

Wilderness expandiert

Camp-Betreiber Wilderness ist gleich mit mehreren Projekten beschäftigt. In Simbabwe baute er für USD 2,5 Mio. das Linkwasha Camp, das am 1. Mai eröffnet wurde. Es ist gemäss eigenen Angaben das luxuriöseste Camp im Hwange Nationalpark und bietet in sieben Zelten und einem Familienzelt Platz für maximal 18 Gäste. Die Region um Linkwasha gilt als eine der tierreichsten Regionen in Hwange.

Praktisch gleichzeitig kündigte Wilderness die Expansion nach Ruanda an. Mitte 2016 sollen dort zwei neue Lodges eröffnet werden: die Bisate -Lodge in den vulkanischen Virunga-Bergen und die Gishwati Lodge im gleichnamigen Park, der vor einem Jahr gegründet wurde.

Zentrale Kalahari im Fokus

Erst seit 1998 ist in Botswana die zentrale Kalahari, eines der fünf grössten Naturreservate der Welt, für den Individualtourismus geöffnet. «In den letzten drei bis vier Jahren sind viele neue Lodges entstanden, weshalb wir die Region nun verstärkt in den Fokus rücken wollen», sagt Karin Zwiers von der Botswana Tourism Organisation. Mehr Besucher würde sie sich zudem in der Region Tuli Block wünschen, nahe der südafrikanischen Grenze. Die lange Anfahrt (über sieben Stunden von Gaborone auf dem Landweg) verhindert dies und führt dazu, dass die Region eher von Südafrika her erreicht wird.

Ansonsten übt sich Botswana wie viele andere afrikanische Länder im «balancierten» Tourismus. «Wir wollen und müssen uns steigern, aber gleichzeitig gilt es, Kultur und Tierwelt zu schützen», so Zwiers. Dies schafft man etwa durch Einbezug der Kommunen in Lodge-Projekte, durch die Verlegung von 100 Nashörnern von Südafrika nach Botswana oder durch die Umschulung von ehemaligen Grenzschutz-Kamelen in den Tourismus.

Sterne, Scooter, grosse Katzen

Die südafrikanische Provinz Western Cape greift nach den Sternen. Im Karoo-Nationalpark boomt der «Stargazing Tourism» – ohne Lichtverschmutzung lässt sich das ganze Firmament störungsfrei beobachten.

Eine weitere, ungewöhnliche Idee aus der Provinz ist die Aktion «Scoot West Coast», bei der die Teilnehmer während einer Woche die Westküste mit Scootern befahren. Die erste Fahrt fand Anfang Mai statt, weitere sollen folgen. Daneben gibt es aber auch in Western Cape «klassische» Südafrika-Angebote: Kürzlich wurde in Stanford Panthera Africa eröffnet, eine Auffangstation für Grosskatzen. Gäste können lehrreiche Besuche unternehmen oder im Rahmen von Freiwilligenarbeit mithelfen.

Airlinewelt schaut nach Durban

Im September wird das globale Treffen der Luftfahrt, die World Routes, erstmals in Afrika stattfinden – im südafrikanischen Durban. Knapp 3000 Delegierte von 300 Airlines und 800 Flughäfen werden erwartet. Doch auch sonst läuft in der Provinz Kwazulu-Natal einiges. Das gigantische Entwicklungsprojekt Durban-Sibaya, das an der Küste zwischen Durban Downtown und dem Flughafen entstehen soll, mutet ziemlich futuristisch an und liegt laut Insidern noch in fernerer Zukunft. Schon handfester ist da das neue Game Reserve Mayibuye, das in diesen Wochen eingezäunt wird und die «Big Five» beheimaten wird. Der 4600 Hektaren grosse Park liegt auf halbem Weg zwischen Durban und Pietermaritzburg. 

Grüne Sitze und junge Guides

Die grösste afrikanische DMC Tourvest – mit Kunden wie Hotelplan, Knecht, Stohler, FTI etc. – fürchtet um die Zukunft der Reiseleiter. Die deutschsprachigen sind im Schnitt nämlich 71 Jahre alt, und der Nachwuchs bleibt aus. Deshalb hat Tourvest eine Guide Academy ins Leben gerufen. Zurzeit werden 20 Reiseleiter mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren ausgebildet. 

Neu bei Tourvest ist auch die «Green Seat Surcharge», die ein CO2-neutrales Reisen ermöglicht.

Stefan Jäggi, Durban