Unternehmens-Nachfolge oder Verkauf? (Ausgabe 2015-24)

Felix, 58, gründete vor 29 Jahren Komfort Reisen. Das Unternehmen gehört ihm und läuft recht erfolgreich. Die Fixkosten vorab sind die Löhne der fünf Mitarbeitenden und von Felix und Nina selbst. Seine Lebenspartnerin macht von zuhause aus die Buchhaltung des KMU. In den nächsten Jahren stehen zehntausende solcher KMU vor der Regelung der Nachfolge ihrer

Felix, 58, gründete vor 29 Jahren Komfort Reisen. Das Unternehmen gehört ihm und läuft recht erfolgreich. Die Fixkosten vorab sind die Löhne der fünf Mitarbeitenden und von Felix und Nina selbst. Seine Lebenspartnerin macht von zuhause aus die Buchhaltung des KMU.

In den nächsten Jahren stehen zehntausende solcher KMU vor der Regelung der Nachfolge ihrer Inhaber. Dazu gehören die Altersvorsorge für die abtretende Generation, die rechtliche und wirtschaftliche Übereignung des Betriebs und der Know-how-Transfer auf die künftige Führung. Hinzukommen Lebenswerk- und Identitätsfragen des Inhabers persönlich.

Diese Agenda bedarf einiger Jahre Zeit. Komfort Reisen zum Beispiel verfügt als Einzelfirma über keine Rechtspersönlichkeit: Felix’ Betriebskapital und Privatvermögen bilden eine Einheit. Ihre Trennung hat auch steuerliche Folgen. Verständlicherweise sind viele KMU-Inhaber in dieser komplexen Situation zunächst einmal etwas überfordert.

Im Beispiel werden die Renten aus AHV und BVG Felix’ Lebensbedarf nicht decken. Das Reisebüro hat sich nur ansatzweise spezialisiert, Käufer dafür sind auf dem Markt nicht auszumachen. Was lässt sich dem Reisebüro raten?

Felix hat noch rund sieben Jahre Zeit. Für seine Nachfolge sucht er das offene Gespräch mit allen in Frage kommenden Personen, intern und extern. Es geht um die Übernahme von Führungsfunktionen und einen Kauf – teilweise oder des ganzen Betriebs. Auch die Aufteilung dieser Aspekte auf mehrere Personen ist eine Option. Für das Bewerten des Reisebüros einschliesslich Goodwill bestehen mehrere erprobte Methoden.

Das Reisebüro «Komfort Reisen» arbeitet mit einer KMU-Anwaltskanzlei zusammen. Diese verhilft ihm zur gesamten Absicherung inklusive Kaufpreiszahlung, den Übergang von Firma (Name), Kundenstamm und aller Verträge inklusive Arbeitsverhältnissen, steuerlich optimaler Abwicklung sowie Umsetzung weiterer Anliegen wie hier der Stellung von Nina im KMU bis zu ihrer Pensionierung.

Felix und Nina haben Glück. Gerade noch rechtzeitig gewinnen sie Domenico in einer Person für alles. Der langjährige Mitarbeiter wird über die nächsten Jahre sukzessive als neuer Geschäftsführer von Komfort Reisen aufgebaut. Inhaber wird er durch den Einbehalt von CHF 900 vom Lohn während dieser Zeit; seine BVG-Guthaben kann er damit stehen lassen. Felix bleibt danach bis 65 als honorierter Berater im Unternehmen, Nina erhält einen neuen Arbeitsvertrag als Teilzeitbuchhalterin für Domenico.