onnten sich EU-Kommission, -Parlament und -Rat Anfang Mai auf eine neue Pauschalreiserichtlinie einigen. Inzwischen hat auch der Wettbewerbsrat zugesagt, und wenn alles gut läuft, müsste die Sache im Sommer unter Dach und Fach sein. Stellt sich die Frage: Welche Auswirkungen sind auf das Nicht-EU-Land Schweiz zu erwarten?
Generell geht man davon aus, dass die Richtlinie auch in der Schweiz übernommen wird. Wobei «übernehmen» ein schwammiger Begriff ist: Die Richtlinie wird nun bis 2017 von jedem Land einzeln umgesetzt; es wird also zu sehr unterschiedlichen Lösungen kommen. Ob das aktuelle Gesetz in der Schweiz ver- oder entschärft wird, ist deshalb schwierig zu sagen. «Sicher ist, dass das Gesetz zeitgemässer wird. Endlich wird im Pauschalreisegesetz auch der Online-Entwicklung Rechnung getragen werden», sagt Stefan Spiess, Geschäftsführer des Garantiefonds der Schweizer Reisebranche.
Positiv beurteilt er vor allem, dass die neue Richtlinie Raum für Entwicklung lässt. «Zu gewissen Punkten gibt es Revisionsklauseln, d.h. man kann die Regeln nachträglich noch anpassen.» Dies ist beispielsweise bei den «Click-through-Buchungen» der Fall, die bis zuletzt der grösste Streitpunkt in den Diskussionen waren. Konkret: Wenn bei miteinander verlinkten Onlinebuchungen die Kundendaten automatisch übernommen werden, gilt es neu als Pauschalreise. «Meiner Meinung nach müssten Airline-Web-sites, die einen auf Mietwagen- und Hotelseiten weiterleiten, auch dazugehören», sagt Spiess, «immer mehr Airlines gründen deshalb separate Gesellschaften mit der Erweiterung Holidays, um die Leistungen vom traditionellen Fluggeschäft zu separieren.»
Generell ist Spiess überzeugt, dass «die Schweiz mit ihrer Stiftungslösung so aufgestellt ist, dass wir mit der neuen Situation umgehen können, ohne alles umzukrempeln». Auch Ombudsman Franco Muff sieht die Schweiz gut gerüstet etwa was den Punkt betrifft, dass Mehrkosten aufgrund unvorhergesehener Ereignisse bis zu drei Nächten künftig vom Veranstalter getragen werden müssen. «In der Schweiz herrscht diesbezüglich heute schon viel Kulanz. Höchstens in Extremfällen wurden die Kosten bisher mit dem Kunden geteilt.»



