Neue LH-Plattform: Weniger Qualität für den Business Travel? (Ausgabe 2015-25)

Wer über den LHGroup-agent bucht, muss mit zahlreichen Einschränkungen rechnen, sagen Travac und Partner in einer ersten Beurteilung.

Die neue GDS-unabhängige Buchungs-Plattform LHGroup-agent.com, welche die LH-Group den Reisebüros zur Verfügung stellt, stösst auf wenig Gegenliebe. Lufthansa City Center Global Travel in Zürich (Travac Business Travel) unter der Leitung von Philippe Zbinden hat zusammen mit LCC-Partnern in Deutschland eine erste Beurteilung erstellt. «LHGroup-agent ist eine Insellösung, die einseitig von der LH-Group/Swiss ohne Absprache mit den Reisebüros entwickelt worden ist», heisst es dort. Das Portal habe keine Schnittstellen zu den Reiseprozessen, so entfalle eine Vielzahl von bestehenden Qualitätsmerkmalen. Im Folgenden zeigen wir einen Auszug aus der Beurteilung: 

Operativ

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Der LHGroup-agent bietet nur Flüge der LH-Group an, somit ist keine objektive Beratung über alle Airlines und Verbindungen möglich.

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Flüge können nicht mehr auf Warteliste gebucht werden.

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Kurzfristige Umbuchungen eingecheckter Kunden sind nur noch über die Homepage/Hotline möglich.

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Der 24h-Dienst hat einen sehr beschränkten Zugriff auf LHGroup-agent-Buchungen. 

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Es laufen keine Benachrichtigungen über Zeit- oder Fluggeräte-Änderungen mehr beim Reisebüro auf, dieses kann die Informationen also nicht mehr proaktiv an den Reisenden weitergeben.

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Es ist keine direkte Unterstützung im Streikfall mehr möglich, da das Reisebüro die Buchungen nicht mehr in den zentralen GDS-Systemen bearbeiten kann.  

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Komplexe Buchungen mit mehreren Airlines können nicht in einem zusammenfassenden Reiseplan übermittelt werden. Der Kunde erhält zwei separate Angebote. 

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Es besteht keine Anbindung an bestehende Traveller-Tracking-Systeme (wie z.B. ISOS, A3M) für den Notfall. 

Qualitätskontrolle

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Eine automatisierte Kontrolle oder Speicherung der firmeneigenen Reiserichtlinie ist nicht möglich.

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Es gibt keine automatisierte Qualitätsüberprüfung, da keine Schnittstellen zu internen Reisebüro-Prüfungssystemen vorhanden sind.

Fakturierung/Kosten

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Es entsteht ein höherer Abrechnungsaufwand für Firmenkunden. Die Fakturierung über den Flugpreis erfolgt von der ausstellenden Fluggesellschaft der LH-Group, die zweite Rechnung, z.B. für einen amerikanischen Inlandflug, wird vom Reisebüro vorgenommen. 

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Es ist kein Price-Matching möglich.

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Keine Ausstellfristen: Angebote werden bis auf bestimmte Tarifklassen (Flex-Tarif) sofort ausgestellt. Flex-Tarife können gegen Gebühr auf Option gehalten werden. Die Gebühr wird bei Ticketausstellung mit dem Flugpreis verrechnet, ansonsten bleibt diese im Fall der Nichtnutzung bestehen (z.Z. CHF 30 pro Option).

Umgang mit Kundendaten

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Es können keine Firmenkunden-Profile hinterlegt werden, d.h. alle Eingaben müssen manuell erfolgen.

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Es ist nicht klar, wer die Hoheit über die Kundendaten besitzt. Das kann zu einseitigen Marketingmassnahmen einer Airline-Gruppe führen. 

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Durch fehlende Schnittstellen zu Mid- und Backoffice können keine Kunden-Reportings erstellt werden.

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Es gibt keine automatische Erfassung von Kreditkarten-Zusatzdaten der Reisenden aus den Firmenprofilen. 

«Wir können keine Empfehlung zur Nutzung von LHGroup-agent.com aussprechen», schreibt Zbinden. «Sollten von Seiten der LH-Group die notwendigen Schnittstellen bereitgestellt werden, würden wir diese Massnahme neu beurteilen.»

TI