«Wir hoffen auf die Solidarität der Branche» (Ausgabe 2015-28)

Was Hotelplan Suisse zu den Themen Kuoni, SBB, Grexit und zum Ferienflieger Holidayjet sagt.

Mit Hotelplan Suisse und dem hauseigenen Ferienflieger Holidayjet ging es für 20 Journalisten zur Winterkatalogvorstellung ans Überraschungsziel Mykonos. Am Rande der Reise beantworteten CEO Kurt Eberhard und Kurz- und Mittelstreckenchef Tim Bachmann gegenüber TRAVEL INSIDE aktuelle Branchenfragen.

 

GDS-Querelen

Swiss-CEO Harry Hohmeister hat auf den offenen Brief von Kurt Eberhard (siehe TI vom 11. Juni) geantwortet. «Alles andere hätte mich auch enttäuscht», sagt der Hotelplan-Suisse-CEO. Der Inhalt jedoch ist vertraulich. Ein Gespräch steht noch aus. Das Thema sei global und könne nicht in der Schweiz gelöst werden. Der Hotelplan-Suisse-CEO hofft, dass sich auch die anderen europäischen Länder gegen die GDS-Gebühr wehren. Die Äusserungen von US-amerikanischen Verbänden ermutigen ihn, dass sich international etwas bewegt. 

Kuoni-Bieterwettstreit

Ein bisschen enttäuscht sei man natürlich schon, dass statt der Hotelplan Group nun DER Touristik den Zuschlag bekommen habe. «Wir haben viel Zeit, Energie und Aufwand in unsere Offerte investiert», so Eberhard. Dass es nicht geklappt hat, sei aber keine Katastrophe und man stehe deshalb nun auch nicht unter Druck. Kuoni in den Hotelplan-Konzern zu integrieren hätte viel Arbeit bedeutet – mindestens zwei Jahre. Eberhard sieht es auch als Chance, nun der grösste echte Schweizer Reiseveranstalter zu sein. «Ich erhoffe mir da durchaus etwas Solidarität oder eine Art Bonus von der Branche.» 

Preisbekanntgabeverordnung (PBV)

Künftig müssen alle Veranstalter, die ihre Kataloge in Schweizer Reisebüroregale legen, ihre Preise in Schweizer Franken ausschreiben. Ob dies ein Vorteil für Hotelplan Suisse sei, könne er noch nicht abschätzen, sagt Kurt Eberhard. Die Präzisierung der PBV-Interpretation begrüsst er jedoch sehr. «Auch ausländische Veranstalter müssen sich an Schweizer Gesetze halten.» Die Frage sei jedoch, ob dies dann auch umgesetzt werde.

Grexit

Kurt Eberhard hofft, dass sich die Situation mit Griechenland bald klärt. Die Europroblematik sei doch sehr verunsichernd für die Kunden, die Märkte und auch für Hotelplan Suisse und die Planungssicherheit rund um das Thema Devisenabsicherung. Instrumente wie dynamische Wechselkurse führten heute jedoch zu mehr Flexibilität. Trotz Grexit-Diskussion laufen die griechischen Inseln bei Hotelplan Suisse offenbar sehr gut. Man empfehle den Kunden lediglich, mehr Bargeld auf die Reise mitzunehmen. 

Schliessung der SBB-Reisebüros

Die SBB war auch ein Kunde von Hotelplan Suisse. Nun versuche man, die SBB-Kunden zu überzeugen, künftig bei Hotelplan zu buchen, erklärt Eberhard. Im Gegensatz zum Kuoni-Management und der SBB glaube man bei Hotelplan noch an den stationären Vertrieb – in Kombination mit einer immer besseren Verknüpfung zu Onlineangeboten. Pro Jahr werden rund zehn der 123 Filialen für einen Millionenbetrag renoviert. Mit einem soliden Eigner wie der Migros sei man eine Art «Fels in der Brandung», sagt Kurt Eberhard. «Wir können den Konsumenten und Reisebüros die Sicherheit geben, dass es uns auch in fünf Jahren noch geben wird.» Immerhin feiert Hotelplan in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. 

Holidayjet

Mit der Auslastung des hauseigenen Ferienfliegers ist Tim Bachmann drei Monate nach dem Start «zufrieden, aber nicht euphorisch». Immerhin liege man rund 3% besser als im vergangenen Jahr mit Partner Travel Service Airlines. Es müssten jedoch noch einige Plätze verkauft werden, wo nötig werden Strecken mit Aktionen gepusht. Der Mykonos-Flug (Anm.: beim Presseflug ca. 50% voll) z.B. sei eine Art «Monopolbrecherflug», erklärt Bachmann. «Dort konnten wir in den Verhandlungen mit Edelweiss einfach keine vernünftigen Preise realisieren.» Nach zwei bis drei Jahren werde entschieden, ob sich der Aufwand lohne oder ob man doch noch eine Einigung mit Edelweiss finden könne. Gerade auf die griechischen Inseln seien One-Way-Flüge überraschend viel gefragt. Ebenso wie die neue Kombinationsmöglichkeit des Holidayjet mit Linienflügen anderer Airlines. 

Geschäftsgang Hotelplan Suisse

Hotelplan hat nach eigener Ansicht Marktanteile gewonnen und rund 10% mehr Kunden an Sommerferien-Destinationen gebracht als im vergangenen Jahr. Mit dem Umsatz liege man leicht über Vorjahr, allerdings erwarte man nach der Aufhebung des Euromindestkurses kein so positives Ergebnis mehr wie im Superjahr 2014. 

Stephanie Günzler