Es ist keine sehr beeindruckende Zahl: CHF 57 gibt gemäss Max Havelaar jeder Schweizer pro Jahr für Fair-Trade-Produkte aus. Und damit gehört die Schweiz bereits zur Weltspitze. Dass es hier noch Luft nach oben gibt, sehen auch der Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung (Akte) und das Swiss Import Promotion Programme (Sippo). Gemeinsam mit dem im südlichen Afrika beheimateten Fair Trade Tourism (FTT) versuchen sie, die Reisebranche zum Verkauf von Fairtrade-zertifizierten Produkten zu bewegen.
Wer als Veranstalter mit Fair Trade Tourism zusammenarbeiten will, kann dies auf drei verschiedenen Stufen tun. Die tiefste Stufe ist das Label «Fair Trade Tourism approved Tour Operator». Hier handelt es sich lediglich um eine Absichtserklärung, solche Reisen generell zu fördern. Schon konkreter ist das «Fair Trade Tourism»-Label. Dieses verwendet der Veranstalter auf seiner Website und erwähnt die Zertifizierung der Angebote in seinen Produktebeschreibungen. Die höchste Stufe ist das Label «Fair Trade Holiday» hier verpflichtet sich der Veranstalter, die zertifizierte Produktmenge im Portfolio zu erhöhen und mindestens eine Reise anzubieten, in der 50% oder mehr der Übernachtungen in zertifizierten Unterkünften stattfinden.
Wie man als TO Fairtrade-Reisen am besten verkaufen kann, erklärt Claudio Juen von Dreamtime Travel, der solche Produkte seit fünf Jahren anbietet. «Wichtig ist, dass man die Nachfrage selber generiert. Die Kunden kommen nicht von sich aus auf die Idee, Fairtrade-Reisen zu buchen.» Nachfrage erzeuge man, indem man die Reisen nicht einfach in den normalen Katalog integriere, sondern in eine einzelne Broschüre verpacke. Ausserdem müsse man die richtigen Argumente bereithalten; etwa dass das Label auch als Qualitätszeichen zu werten sei oder dass die Kostendifferenz zu normalen Produkten sehr klein sei, da die Leistungsträger keinen Beitrag an einen «Fairtrade-Fonds» oder Ähnliches leisten müssen.
FTT ist derweil weiter am Expandieren. Kürzlich wurden die ersten Produkte in Madagaskar aufgenommen, Lesotho und Swasiland sollen folgen. In weiteren Ländern wie Tansania, Kenia, Namibia, Botswana und bald auch Seychellen setzt man auf «Mutual Recognition», also die gegenseitige Anerkennung mit anderen Labels.
SJ



