Jordanien das ist nicht nur Petra mit dem berühmten Schatzhaus oder Gesundheitstourismus am Toten Meer. Das Land hat kulturell, aktivtouristisch und kulinarisch noch mehr zu bieten. Etwa Amman mit seinem überraschend modernen Flughafen und seinen Relikten aus byzantinischer und römischer Zeit oder etwas nördlich das antike Jerash, das zu den am besten erhaltenen römischen Provinzstädten der Welt zählt. Eindrücklich sind auch eine Wüstentour per Jeep durch das einsame Wadi Rum im Süden oder ein Besuch der Mosaikstadt Madaba inklusive kulinarischen Entdeckungen in einem der lokalen Restaurants, die in ihrem Angebot der libanesischen Küche ähneln. Sogar Tauchtourismus ist möglich am kleinen Zipfel des Roten Meeres, der zu Jordanien gehört.
Existenzielle Probleme bereitet dem Land seine geografische Lage zwischen Saudi-Arabien, Israel und den Num-mer-1-Krisenländern Syrien und Irak. Nur wenige Touristen glauben daran, dass Jordanien eine «Oase des Friedens» ist, wie das Land für sich selber wirbt. Spezialisten wie der Arabien-Anbieter Lets go Tours verzeichnen Rückgänge von über 70 % im Vergleich zu den guten Jahren. Rund 600 Schweizer Kunden habe man 2008 und 2009 jeweils nach Jordanien gebracht, im Jahr 2014 waren es 150, im aktuellen Jahr sieht es etwas besser aus. Das Jordan Tourism Board meldete für 2014 eine leichte Erholung gegenüber 2013, zumindest was die Schweizer Gäste anging (siehe Box).
Dabei sei das Land wirklich sicher und sogar Self-Drive-Ferien kein Problem, sagt Marcel Gray, Product Manager Arabien bei Lets go. Die Sicherheitsposten auf den Strassen sind freundlich und problemlos passierbar, die Armee inklusive CIA hält den IS weg von den Grenzen Jordaniens.
Einige Flüchtlingszelte sind bei den Überlandfahrten durch die steinige Wüstenlandschaft zu sehen. Im Reisecar steigt ab und zu ein Sicherheitsbeamter mit ein, schweigt und steigt ein paar Kilometer weiter wieder aus. Die Sicherheitschecks an den Hoteleingängen sind zwar ein bisschen lästig, werden aber recht lax gehandhabt und eher als Alibiübung gesehen. So stellt sich die Situation aktuell dar.
Freiberuflichen Guides wie Osama Alkuzouz hilft das alles wenig. «Früher hatte ich zwölf bis 16 Gruppen pro Jahr, heute sind es noch vier bis sechs», erzählt er. Nicht nur die Angst der Touristen sei das Problem. Auch die früher beliebten Kombinationstouren wie etwa Syrien Jordanien Libanon gibt es heute nicht mehr. Lets go hat eine Kombination mit Israel/Palästina im Programm.
Nun ist Jordanien dabei, sich als «Only Destination» zu vermarkten. Das Tourismusministerium hat das Marketingbudget von mageren JOD 12 Mio. auf JOD 50 Mio. (ca. CHF 70 Mio.) jährlich in die Höhe geschraubt. Zudem wird derzeit am Mega-Resort Marsa Zayed in Aqaba mit acht Hotels und rund 3000 Hotelzimmern gebaut Gesamtfläche rund 6 Mio. m2. Wegen der Flaute geht das Projekt allerdings langsamer voran als geplant, ob die angepeilte Eröffnung Ende 2015 stattfinden kann, ist fraglich.
September und Oktober gelten neben März bis Mai als ideale Reisemonate in Jordanien. Wenn nicht gerade ein Kreuzfahrtschiff anlandet, ist es an Hotspots wie Petra derzeit so ruhig wie selten zuvor (die zahlreichen Anbieter von Kamel- oder Eselsritten ausgenommen). Das Hotelangebot ist nicht merklich eingeschränkt. Im Mosestal (Wadi Mousa), in welchem Petra liegt, haben nur sechs von 156 Hotels geschlossen, die die offen haben, bieten günstigere Preise an. Billig ist Jordanien aber nicht. Ferien hier sind etwa dreimal so teuer wie in Ägypten. Das Preisniveau ist westeuropäisch.
Die Fluganbindungen aus der Schweiz sind gut. Flüge gibt es mit Royal Jordanian ab Zürich und Genf nach Amman und Aqaba (teils mit Zwischenstopps) oder mit Turkish Airlines ab Zürich via Istanbul nach Aqaba.
Stephanie Günzler



