So schlecht wie in diesem Jahr waren die Zukunftsprognosen der Schweizer Reisebüromitarbeitenden seit der Finanzkrise im Jahr 2009 nicht mehr. Vor allem bei den Preisen, aber auch bei Margen und Dossiergrössen werden von mehr Befragten sinkende Tendenzen erwartet als in den Jahren zuvor. Das war eines der Resultate der Reisebüroumfrage 2015 des Schweizer Reise-Verbands (SRV) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Systemisches Management der Universität St. Gallen (HSG).
Als «ruppiges Halbjahr» bezeichnete denn auch Prof. Dr. Christian Laesser, Leiter des Forschungszentrums Tourism and Transport am Institut, die vergangenen Monate bei seiner Präsentation an der SRV-Medienkonferenz. SRV-Präsident Max E. Katz gab zu bedenken: «Das Jahr 2015 war geprägt von vielen negativen Effekten.» Vom Nationalbankentscheid mit erzwungenen Preissenkungen über den Kuoni-Verkauf und die Schliessung der SBB-Reisebüros bis zu den politischen Krisen in vielen Destinationen reichten seine Beispiele. Unter deren Einfluss stand schliesslich auch die Umfrage, die zwischen Ende Mai und Anfang Juli 2015 bei den Retailern (ohne grosse Veranstalter) durchgeführt wurde.
Der tatsächliche Rückblick auf das Jahr 2014 sah weniger düster aus. Mit einem mittleren Umsatz von rund CHF 3,26 Mio. lag dieser nahezu auf Vorjahresniveau (CHF 3,28 Mio.). Auch der durchschnittliche Umsatz pro Mitarbeiter blieb mit CHF 1,02 Mio. stabil. Laut SRV-Geschäftsführer Walter Kunz liegt der nötige Mindestumsatz pro Mitarbeitendem nach wie vor bei rund CHF 1 Mio. Das Erreichen desselben werde jedoch von Jahr zu Jahr schwieriger, v.a. wegen sinkender Preise und damit Margen. Die Nettorendite hat seit dem Tief im Jahr 2009 stetig wieder zugenommen, 2014 ist sie erstmals bei 1,4% stagniert. Der SRV bezeichnet dies als «knapp zufriedenstellend». Eine Rückkehr zu den Renditen in den Jahren 2005 und 2006 sei illusorisch.
Zur Stützung der Renditen immer wichtiger werden die Beratungshonorare, inzwischen beträgt ihr Anteil an der Rendite 5,4%, im Vergleich zu 2009 mit knapp 4%. Kunz bezeichnet sie als «überlebenswichtig». Inzwischen erhebe diese nahezu jedes Reisebüro.
Leicht optimistisch gibt sich der SRV im Hinblick auf das aktuelle Wintergeschäft. Sollte die Tendenz des nun wieder schwächer werdenden Frankens anhalten, könnten die Veranstalter profitieren, da sie die Währungen bereits abgesichert hätten. Im Vergleich zum vergangenen Winter lägen die Preise jedoch weiter tief. Der Druck auf die Margen bleibe also erhalten.



