Luxushotels mischen die Kreuzfahrt auf

Immer mehr Luxus-Hotelgruppen wagen sich mit neuen Megayachten aufs Meer.
Evrima, die erste Luxus-Megayacht von The Ritz-Carlton Yacht Collection. ©Ritz-Carlton

Ein Kreuzfahrtschiff ist ein schwimmendes Hotel. Eigentlich erstaunlich, dass sich nicht mehr bekannte Hotelketten auf den Weltmeeren tummeln.

Einst stieg Radisson Hotels, Teil von Carlson Company, 1992 unter der Marke Radisson Seven Seas Cruises mit dem spektakulären Radisson Diamond ins Segment der Schiffsreisen ein.

2008 verkaufte Carlson die inzwischen in Regent Seven Seas Cruises umbenannte Reederei an die US-Investoren Apollo, seit 2014 ist die renommierte Luxusmarke Teil der Norwegian Cruise Line Holdings. Ähnliche Hotel-Beispiele gab es im klassischen Hochsee-Bereich bisher nicht.

Hotelketten engagierten sich jedoch bereits im Bereich Flussfahrten, so etwa Steigenberger, Mövenpick und Oberoi auf dem Nil oder Belmond in Frankreich. Und die deutsche Seaside Hotels hat die ehemaligen Crystal-Flussschiffe übernommen und betreibt nun zwei Einheiten in Europa unter der Marke Riverside Luxury Cruises.

Marriott Int. hat viel vor
Innendesign der Evrima. ©Ritz-Carlton

In der Cruise-Industrie horchte man deshalb auf, als vor wenigen Jahren die Ritz- Carlton Hotel Company, Teil des weltgrössten Hotelkonzerns Marriott International, zusammen mit den Finanzinvestoren Oaktree Capital und The Yacht Portfolio ihre Hochsee-Kreuzfahrtpläne bekannt gab.

Die Geburt des ersten Schiffes für The Ritz-Carlton Yacht Collection entpuppte sich wegen der Insolvenz der portugiesischen Barreras Werft in Vigo und Corona als äusserst schwierig, nach endlosen Verschiebungen und Wechsel der Werft nahm die Evrima (26’500 BRZ, 298 Pax) schliesslich Ende 2022 den Betrieb auf.

Zwei weitere Neubauten wurden auf den französischen Chantiers de l’Atlantique in St. Nazaire in Auftrag gegeben: Die Ilma (Auslieferung 2024) und die Luminara (2025) werden mit je 46’750 BRZ fast doppelt so gross wie die Evrima und nehmen 448 Gäste auf. Beide Schiffe werden Flüssigerdgas (LNG) nutzen.

Doch damit noch nicht genug: Marriott äusserte die Absicht, ihr Engagement auf Hochsee weiter auszubauen. Von acht bis zehn luxuriösen Neubauten ist die Rede, die nebst Ritz-Carlton auch für andere Marken des Hotelkonzerns wie St. Regis oder JW Marriott zum Einsatz kommen könnten.

Four Seasons zieht mit
Rendering Four Seasons-Yacht. ©Four Seasons

Hauptmotivator für den Einstieg in die Kreuzfahrt dürfte für eine etablierte Hotelkette nebst dem Potenzial des Luxus-Marktes die Ausweitung ihres Marken-Portfolios sein. Und riesige Stammkunden-Datenstämme spielen zweifelsohne für die Vermarktung eine tragende Rolle.

Auch die kanadische Luxushotelgruppe Four Seasons Hotels & Resorts, heute im Besitz von Bill Gates’ Cascade Investment, hat diese Perspektive erkannt und 2022 bei der italienischen Fincantieri-Werft eine erste 20’000-BRZ-Megayacht für 180 Gäste bestellt, die 2025 ausgeliefert werden soll.

An Four Seasons Yachts mitbeteiligt ist die Marc-Henry Cruise Holdings von Larry Pimentel (ex-Azamara, Seadream, Cunard u.a.), welche die Schiffe auch betreiben wird. Inzwischen liegt der Auftrag für eine zweite Einheit vor (Auslieferung 2026), zudem steht eine Option für ein drittes Schiff im Raum.

Gänzlich neu bewegt sich Four Seasons übrigens nicht auf dem Wasser: In den Malediven betreibt die Hotelkette schon seit einiger Zeit ihre Yacht Four Seasons Explorer.

Zwei weitere spannende Projekte
Aman Project Sama Exterior ©SINOT Yacht Architecture& Design

Auch die französische Hotelgruppe Accor will im Markt der Luxuskreuzfahrten mitmischen. Zusammen mit den Chantiers de l’Atlantique (F) wird die Orient Express Silenseas (108 Gäste) erbaut, die ab 2026 zum Einsatz kommen soll. Es besteht eine Option für ein Schwesterschiff.

Der Neubau, als grösstes Segelschiff vorgestellt, wird mit einem «revolutionären technologischen Design» aufwarten, das aus drei starren Segeln 100% des Antriebs liefern soll. Ergänzend wird LNG als Treibkraftstoff dienen.

Und die ursprünglich thailändische und heute in Baar ansässige Hotelgruppe Aman hat mit Cruise Saudi das Joint-Venture Neptune Co gebildet und gab bei der italienischen Mariotti-Werft den Bau einer 23’000-BRZ-Megayacht (Projekt Sama) für 100 Gäste in Auftrag, die 2026 in Betrieb gehen soll.

Beat Eichenberger