Vor Weihnachten hatte der Alitalia-Verwaltungsrat Air France/KLM als bevorzugten Partner ausgewählt, vergangenen Freitag schloss sich die italienische Regierung dieser Entscheidung an. Wie die Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» berichtet, sollen bereits am Mittwoch die Gespräche zwischen den beiden Parteien aufgenommen und innerhalb der nächsten acht Wochen abgeschlossen werden.
Alitalia soll auch nach dem Verkauf als eigenständige Fluglinie weitergeführt werden. Der Sitz soll nach Vorstellung von Air France/KLM in Rom bleiben, wo ein Treuhändergremium („Board of Trustees“) mit einem Stimmrechtsanteil von 51% die italienische Geschäftsführung überwachen würde. Von den drei Mitgliedern des Gremiums sollten Air France/KLM und die italienische Regierung je eines ernennen, der dritte Treuhänder werde gemeinsam bestimmt. Ein ähnliches Modell hatte Air France bereits bei der Übernahme der KLM vor drei Jahren angewandt.
In Rom soll ein weiterer Hub aufgebaut werden. Dagegen soll die Zahl der Flüge vom Mailänder Flughafen Malpensa reduziert werden. Die Proteste von Politikern in Norditalien sowie von den Gewerkschaften blieben natürlich nicht aus, doch scheint die Regierung dieses Mal hart zu bleiben. Deren Entscheidung war ein langer Streit um die Sanierung der Alitalia vorangegangen. Die Fluglinie hat in den letzten sieben Jahren ein Drittel ihres Marktanteils verloren, sie schreibt jeden Tag mehr als 1 Mio. Euro Verlust. Die Alitalia-Aktie hatte im abgelaufenen Jahr 24% an Wert verloren.
Air France/KLM bietet 35 Cent je Aktie – 486 Mio. Euro – und will mittelfristig 6,5 Mrd. Euro in die Sanierung und Modernisierung investieren. Offenbar unterlegener Konkurrent im Bieterverfahren war zuletzt die italienische Günstig-Airline AirOne, die einen Cent je Aktie geboten hatte.
Die Übernahme des Staatsanteils von 49,9% soll dem Bericht zufolge über einen Aktientausch geregelt werden. Danach hätte der italienische Staat einen Anteil von 3% an der erweiterten Air France, Frankreich würde 17,8% halten.
