
Nach den Hurricanes Oscar und Rafael, sowie dem Erdbeben im Osten Kubas, kam es im Oktober zu einem landesweiten Blackout.
Gemäss Armin Graber, Leiter Marketing beim Lateinamerika-Spezialisten Miller AG, wird die Situation auf Kuba in vielen Medien übertrieben und falsch dargestellt. Dies habe sowohl Reisebüros als auch potenzielle Kubareisende sehr verunsichert.
Armin Graber ist in Kontakt mit der Partneragentur von Miller AG in Kuba. Deren Geschäftsführer Bernd Herrmann hat die Geschehnisse hautnah miterlebt und schildert die Situation in Kuba als persönlich Betroffener.
Bernd Herrmann, Senses of Cuba
«Das Land hat jahrelange Erfahrungen mit derartigen klimatischen Ereignissen und ist darauf zum Teil sogar besser vorbereitet als bei ähnlichen Ereignissen wie Hochwasserkatastrophen, Stürmen oder Starkregen in Europa.
Auch ist nie das ganze Land von einem Hurricane betroffen, sondern nur einzelne Orte oder Regionen und der Tourismus hat absolute Priorität.
Während es in Florida durch die kürzlichen Hurricanes Helene und Milton zu enormen grossflächigen Schäden kam, konzentrierte der Hurricane Rafael, der am Mittwoch 06.11. über Westkuba zog, hauptsächlich auf das touristisch kaum relevante Städtchen Artemisa und die umgebenden Ortschaften.
Für den Tourismus wichtigen Orte wie Vinales, Soroa und Las Terrazas wurden verschont. Zentralkuba mit Cienfuegos, Trinidad und auch die Strandgebiete Varadero und die Cayos, sowie Ostkuba mit Santiago, Baracoa und der Strandzone Guardalavaca waren nicht betroffen.
Zwar gab es einen mehrtägigen Stromausfall in Vinales, da zwischen Havanna und Pinar del Rio 2 Hochspannungsmasten umgekippt sind, aber die Tagesprogramme konnten durchgeführt werden und viele der dortigen Casas Particulares verfügen mittlerweile auch über Generatoren, sodass Privatreisende und auch geführte Reisegruppen und Mietwagenreisende dort schon 2 Tage nach dem Sturm wieder übernachten konnten. Auch die Benzinsituation normalisierte sich schnell, zumal es für Mietwagenreisende besondere Tankstellen gibt.
Auch in Havanna, das der Sturm nur im Randbereich traf, gab es viel Wind und Regen, aber bis auf die üblichen herabfallenden Äste, einige entwurzelte Bäume und beschädigte Stromleitungen sowie heruntergefallene Ampeln gab keine nennenswerten Zerstörungen.
Der Strom im kolonialen Alt-Havanna und grossen Teilen Vedados war schon am Freitagabend, 1.5 Tage nach dem Sturm, im Rekordtempo wieder hergestellt und die wichtigsten Strassen von heruntergefallenen Ästen und Palmblättern gereinigt.
Das Erdbeben am Sonntag 10.11. im Osten des Landes betraf in erster Linie die Südostspitze Kubas. Das Epizentrum lag bei dem Städtchen Pillon und Cabo Cruz. Dies ist eine Zone weitgehend ohne Tourismus.
Zwar zitterte die Erde auch im 160 km entfernten Bayamo und Santiago, sowie im 220 km entfernten Holguin und löste kurzzeitig verständlicherweise Ängste bei der Bevölkerung aus, aber dort gab es keine nennenswerten Schäden und der Tourismus und die Hotels funktionieren.
Um die Medienberichte zu relativieren, nenne ich folgende Fakten:
1.Stromausfälle nach Hurricanes (auch in Randbereichen des Sturms) sind normal, da Stromleitungen und Strommasten durch Wind oder umstürzende Bäume beschädigt werden können. Es dauert in der Regel immer 1 bis 3 Tage, bis das Netz wieder funktioniert. Dies war in Kuba immer so und ist auch nach Hurricanes in Florida oder bei Klimakatastrophen in Europa der Fall.
2. In Kuba haben alle Hotels und auch viele Casas Particulares (Privatvermieter) und Restaurants Generatoren, sodass auch während und nach einem Hurricane die Stromversorgung gesichert ist.
3. Bei der Wiederherstellung des Stromnetzes werden in Kuba lebensnotwendige Einrichtungen wie Hospitäler priorisiert und ebenso die touristisch relevanten Zonen, wie das koloniale Alt-Havanna, Vedado und Miramar, Vinales oder Trinidad.
4. In der Presse und Fachpresse war auch von Evakuierungen die Rede. Evakuierungen in den voraussichtlich betroffenen Gebieten sind normal und notwendig, sie dienen dem Schutz der Bevölkerung, da es zum Beispiel in tieferliegenden Gebieten zu Überschwemmungen kommen kann.
Dies betrifft aber nur in Ausnahmefällen touristische Zonen oder Hotels. Die kubanischen Behörden gehen dabei in der Regel sehr organisiert vor. Aus diesem Grund kommt es in Kuba (im Gegensatz zu den USA) bei Hurricanes auch fast nie zu Todesopfern. Sobald der Sturm vorüber und keine Gefahr mehr besteht, können die Leute in ihre Häuser zurück. In touristisch relevanten Gebieten gab es jedoch im jetzigen Fall keine Evakuierungen.
5. Durch den Ausfall des Stromnetzes kann es auch zeitweise zu Problemen bei der Wasserversorgung kommen, da die elektrischen Pumpen an das Stromnetz angebunden sind. Dies betrifft aber nur bestimmte Wohngebiete und nicht die Hotels, in denen sich Touristen aufhalten.
Dass es dabei auch mal in einem Hotel zu Unterbrechungen der Warmwasserversorgung kommen kann, ist zu verschmerzen, zumal aufgrund des warmen Klimas in Kuba auch ‘Kaltwasser’ aus den Leitungen schon fast lauwarm ist.
6. Auch, dass während und nach einem Hurricane öffentliche Institutionen und Schulen geschlossen sind und der öffentliche Verkehr erst einmal ruht, ist verständlich. Dies dient dem Schutz der Bevölkerung, da während des Sturmes niemand auf die Strasse soll.
Touristen benutzen jedoch nicht die gewöhnlich überfüllten und nicht klimatisierten öffentlichen Busse, sondern andere Transportmittel wie moderne Reisebusse, offizielle Taxis, Mietwagen und Oldtimer, die schon am Tag nach dem Sturm, als die Gäste die Hotels verlassen konnten, wieder funktionierten.
7. In den Medien wurde auch die angesichts von Stromausfällen nicht mehr mögliche Kühlung von Lebensmitteln genannt. Dies ist nach Hurricanes in der Tat ein Problem für die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten. Es betrifft aber nicht den Tourismus, da die Hotels und viele Casas Particulares über Generatoren verfügen.»








