
Unsere Reise ab Siem Reap startet zugleich mit einem absoluten Höhepunkt, dem Besuch des Unesco-Weltkulturerbes Angkor Wat. Das riesige Tempelgelände im Regenwald mit unzähligen Monumenten war einst Zentrum des Khmer-Reichs und erstreckt sich über 400 Hektar.
Tempelanlage Angkor Wat
Per Tuk-Tuk geht es zur zentralen, weltberühmten und gut erhaltenen Tempelanlage Angkor Wat, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Die beeindruckenden Flachreliefs an den Aussenwänden und die von Türmen gekrönten, da und dort bröckelnden Innenbereiche lassen nur ein Wort zu: Atemberaubend.
Doch es gibt noch viel mehr zu entdecken in Angkor Wat: So etwa der mystische Ta Prohm-Tempel, der bewusst so gelassen wurde, wie man ihn einst ‘entdeckt’ hat. Gewaltige Bäume wuchern aus den düsteren Ruinen, in denen man jeden Moment Indiana Jones erwartet.
In Angkor Thom, einer anderen riesigen Anlage, liegt der beeindruckend dekorierte, verspielte Bayon-Tempel, den wir wegen eines heftigen tropischen Regengusses aber nur von aussen bestaunen können.
Das Erbe von Dr. Richner
Siem Reap hat sich im Zuge des Angkor-Wat-Tourismus zu einer lebhaften Stadt mit modernen Hotels, Resorts und Restaurants entwickelt. Seit 2022 ist der neue, von China finanzierte Flughafen in Betrieb – noch ist aber die ganz grosse Flut der chinesischen Besucher nicht zurück.
Zu einem ganz speziellen Highlight entwickelte sich für uns unerwartet ein kurzer Augenschein im Jayavarman VII Hospital in Siem Reap. Das Spital wurde einst vom bekannten Schweizer Kinderarzt Dr. Beat Richner («Beatocello») eröffnet, der zuvor schon in Phnom Penh mehrere Kinder-Spitäler initiierte.

Richners Ruf in Kambodscha ist hervorragend, rund 85 Prozent aller kranken Kinder im Lande werden heute in seinen Spitälern betreut. Die Asche des 2018 verstorbenen Arztes ruht in einer Stupa vor dem Spital in Siem Reap, sein Erbe wird durch die Stiftung Kinderspital Kantha Bopha weitergeführt.
Die Schweizer Reisegruppe wird spontan durch den Spital-Manager persönlich begrüsst, und ebenso ungeplant ermöglichen eine Pflegefachfrau und ein Arzt aus der Schweiz, auf kurzem Einsatz vor Ort, berührende Einblicke ins Spital.
Das Phänomen Tonle Sap
Über den riesigen, in einer topfebenen Landschaft gelegenen Tonle Sap, da und dort von schwimmenden Dörfern gesäumt, nimmt die Mekong Discovery nun Fahrt auf. Das Ufer ist oft noch als entfernte Linie erkennbar – wenn überhaupt. Doch das Bild täuscht: Baumwipfel ragen aus dem Wasser, schwimmende Pflanzen schlingern vorbei.
Der Tonle Sap See ist eigenartig: Der Pegelstand und das Wasservolumen variieren zwischen der Regen- und Trockenzeit massiv. Mal werden ganze Landstriche überflutet, dann weitgehend in ein Sumpfgebiet verwandelt. Viele Häuser am Ufer des Sees oder am Fluss stehen deshalb auf Stelzen.

Das Phänomen dahinter: Der Tonle Sap Fluss, der in Phnom Penh in den Mekong mündet, entleert in der Trockenzeit den See, wandelt sich aber in der Regenzeit, bedingt durch die gewaltigen, eindrängenden Wassermengen des Mekong, zu einem eigentlichen Zufluss.
Die Mekong Discovery ist dank ihrer Bauweise und einem Tiefgang von 1.60 Metern eines der ganz wenigen Flussschiffe, das den Tonle Sap See und Fluss befahren kann. Doch dies wird in der Trockenzeit nicht mehr auf der ganzen Strecke möglich sein, der letzte Abschnitt von oder nach Siem Reap erfolgt deshalb per Bus.
Einblicke ins Landleben
Fast täglich stehen ein oder zwei Landgänge im Programm, die im Reisepreis inkludiert sind. Am Tonle Sap Fluss warten stimmige Dörfer auf ihre Entdeckung: In Kampong Chhnang geht es mit Tuk-Tuks über malerische Reisfelder zu einer Töpferei und einem Palmzucker-Hof. Und in Kampong Tralach holpern die Gäste mit Ochsengespannen zu einer lokalen Pagode mit historischem Tempel.

Vorerst ohne Halt zieht das Schiff an Phnom Penh vorbei und fährt nun eine Strecke auf dem Mekong flussaufwärts. Auf der Insel Okhna Tei steht der Besuch einer Seidenraupen-Farm mit Weberei und einer weiteren Kultstätte auf dem Programm.
Eindrücklich ist der Spaziergang durch das Dorf Opopel mit Blick in ein typisches Bauernhaus und einem Abstecher in die örtliche Schule, die von der Reederei unterstützt wird. Rund 75 Prozent der kambodschanischen Bevölkerung leben auf dem Lande und sind weitgehend selbsternährend, lernen wir.
Quirlige Metropole Phnom Penh
Die Mekong Dicovery steuert nun wieder flussabwärts und legt für zwei Tage in Phnom Penh an, der 2-Millionen-Hauptstadt von Kambodscha. Vor modernen Hochhäusern ducken sich traditionelle Tempel, Paläste und Kolonialbauten.
Auf Besichtigungstouren geht es zum Königspalast, zur Silberpagode, dem Nationalmuseum oder Wat Phnom, dem legendären Gründungsort der Stadt. Der quirlige Zentralmarkt darf nicht fehlen, ebenso wenig am Abend ein Drink in einer Rooftop-Bar.

Der Besuch des Tuol-Sleng Museums macht betroffen. Die einstige Schule diente während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 als berüchtigtes Sicherheitsgefängnis S-21.
Der Blick in die Zellen, wo Gefangene gefoltert wurden, um danach auf den Killing Fields ausserhalb der Stadt ihr Leben zu verlieren, lässt jedermann sprachlos zurück. Die Überwindung dieses dunkelsten Kapitels des Landes dauert bis heute nach.
In Phnom Penh endet unser Reiseabschnitt, die Mekong Discovery nimmt nun den zweiten Teil der Fahrt durch Vietnam bis Saigon in Angriff. Eine letzte Erfahrung bleibt uns nicht erspart: Im gigantischen Rush-Hour-Stau in der ganzen Stadt dauert der 12-Kilometer-Transfer zum Flughafen geschlagene zwei Stunden.
Beat Eichenberger
Der 1. Teil des Erfahrungsberichts der Testreise hier








