Verzögerung: Hotelplan-Deal wird erst 2025 fix

Im Sonntags Blick-Interview kündigt Migros-Boss Mario Irminger die Vollzugsmeldung für den Hotelplan-Verkauf für «das erste Quartal 2025» an.
Hotelplan Hauptsitz ©Hotelplan

Die in der gesamten Branche – und darüber hinaus – mit Spannung erwartete Vollzugsmeldung über den Hotelplan-Verkauf verzögert sich laut Migros-Chef Mario Irminger nun doch bis ins nächste Jahr. Grund dafür seien laut einem Interview mit dem Sonntags Blick «behördliche Abklärungen».

Im Frühling dieses Jahres wurde seitens der Migros-Spitze für den Verkauf ihrer Reisetochter Hotelplan ursprünglich die Deadline «bis Ende dieses Jahres» genannt. Seither geisterten gerüchteweise verschiedene mögliche Übernahmekandidaten und -optionen durch die Reisebranche und sorgten immer mal wieder für ein Rauschen im medialen Blätterwald.

Zuletzt und aktuell gilt wohl unverändert die deutsche Dertour Group, welche vor zehn Jahren bereits Kuoni übernommen hatte, als heissester Anwärter für den Zuschlag beim Verkaufsdeal des Traditionsunternehmens Hotelplan aus der Migros-Gruppe.

Dies im interessanten Kontext, dass der Ferienhaus-Spezialist Interhome, welcher als Hotelplans ‘Filetstück’ gilt, dabei später an den deutschen Ferienhaus-Giganten Hometogo weitergegeben werden könnte.

Dertour und Hometogo sind derzeit wohl die einzig verbleibenden, realistischen  Übernahmekandidaten. Dadurch würde ein Gigant mit rund 40 Prozent Marktanteilen in der Schweiz entstehen, was natürlich auf kartellrechtliche Relevanz überprüft werden müsste.

Doch diesbezüglich geben entsprechende Experten vorsichtig ‘Entwarnung’, da der Reisemarkt durch grosse Onlineportale mittlerweile ohnehin grösser sei als der Veranstaltermarkt an sich.

Arbeitsplätze sollen gesichert werden

Im Sonntags Blick vom dritten Advent verkündete Mario Irminger nun die Verzögerung und begründete sie damit, dass noch einige Genehmigungen von behördlichen Seiten nötig seien. «In Grossbritannien, wo die Hotelplan-Gruppe auch tätig ist, benötigt man bei einem Eigentümerwechsel in der Reisebranche eine behördliche Genehmigung, um Schadenfälle für die Konsumenten zu verhindern.»

Es wird also erst im ersten Quartal 2025 kommuniziert werden können, wer der oder die neue Eigentümer*in von Hotelplan und deren Töchter sein wird. Dabei habe laut Irminger die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze oberste Priorität und stehe sogar über dem Verkauspreis, es solle «für die Kunden und unsere Mitarbeitenden die bestmögliche Lösung» gefunden werden, lässt er sich zitieren.

Stellenerhalt versus Kosteneffizienz

Experten mutmassen laut verschiedenen Medien eine Verkausfssumme von 140 bis 200 Mio. Franken. Falls Dertour tatsächlich den Zuschlag erhalten sollte, wird aber trotz aller Bekundungen zum Erhalt der Arbeitsplätze ein Stellenabbau befürchtet, denn wenn Hotelplan und Kuoni unter einem Dach operieren würden, hätte dies zur Folge, dass viele Synergien im Veranstaltergeschäft doppelspurig laufen, was der Kosteneffizienz nicht zuträglich wäre und so die zwangsläufige Streichung von Stellen unumgänglich würde.

Die von der Migros im Zuge der strategischen Neuausrichtung bereits vollzogene Abstossung der Tochtergesellschaften Sport X, Melectronics und Bike World, habe sowohl bei Mitarbeitenden, als auch bei Kunden laut Irminger kontroverse Reaktionen ausgelöst – viele hätten nicht verstanden, weshalb es ‘ausgerechnet sie’ betreffe – es habe aber immerhin auch positive und verständnisvolle Feedbacks gegeben, so der Migros Boss im Sonntags Blick.

Die Frage nach dem ‘wer’ und ‘wie es weitergeht’, wird in der Reiseindustrie auch über die Schweizer Grenzen hinaus also auch im neuen Jahr für Spekulations- und Gesprächsstoff sorgen. (TI)