
Noch nie waren so viele Menschen mit der SBB unterwegs wie im Jahr 2024: Täglich nutzten 1,39 Millionen Reisende die Züge des Fern- und Regionalverkehrs. Die steigende Nachfrage erfordert einen Ausbau des Bahnangebotes – dafür braucht es eine ertragsstarke SBB.
Die Richtung stimmt: Mit dem leicht höheren Jahresgewinn von 275 Millionen Franken ist die SBB zufrieden. Jedoch ist der Schuldenberg nach wie vor hoch, die SBB muss weiter sparen und effizienter werden. Positiv ist auch: Die Reisenden sowie die Mitarbeitenden sind zufriedener.
Cargo Schweiz mit hohem Verlust
Die Rekordzahl an Reisenden sorgte für ein positives Ergebnis im Fernverkehr. Gewinne gab es auch bei SBB Immobilien und SBB Infrastruktur Energie. SBB Cargo International ist wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Hingegen schrieb SBB Cargo Schweiz einen hohen Verlust. Gesamthaft resultierte ein Gewinn von 275 Millionen Franken.
Die SBB ist mit dem Gesamtergebnis zufrieden, allerdings mit Vorbehalten. Der Anstieg der Verschuldung konnte dank konsequenter Umsetzung der Spar- und Effizienzmassnahmen gedämpft werden.
Mittelfristig benötigt die SBB jedoch einen jährlichen Gewinn von 500 Millionen Franken. Aufgrund der steigenden Nachfrage muss das Bahnangebot stetig ausgebaut werden. Dieser Ausbau erfordert eine ertragsstarke SBB. Nur so kann sie Investitionen tätigen, etwa in neue Züge, und die Verschuldung nachhaltig stabilisieren. Der Spar- und Effizienzdruck bleibt hoch.
Reisende und Mitarbeitende sind zufriedener
Die SBB Züge sind immer besser ausgelastet; trotzdem waren die Reisenden zufriedener als im Vorjahr (2024: 79,2 Punkte, 2023: 78,7 Punkte). Dazu beigetragen hat nebst der Pünktlichkeit die Erweiterung des Abo-Sortiments: Sowohl das Halbtax Plus als auch das GA Night sind beliebt und haben die Erwartungen der ÖV-Branche übertroffen. Weiter verbessern will sich die SBB bei der Kundeninformation und der Behebung von Störungen.
Die Kundenzufriedenheit bei SBB Cargo Schweiz sank auf 67,6 Punkte (2023: 73,7 Punkte). Gründe sind Preiserhöhungen und die schlechtere Produktion aufgrund vieler Baustellen in der Nacht, der Teilsperre des Gotthard-Basistunnels und Personalengpässen im Rangierbahnhof Limmattal.
In der Personalumfrage zeigten sich die 35’500 Mitarbeitenden so zufrieden und motiviert wie noch nie seit Messbeginn vor über zwanzig Jahren (2024: 80 von 100 Punkten, 2023: 79 Punkte). Die SBB ist eine attraktive Arbeitgeberin. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, will die SBB die besten Mitarbeitenden gewinnen und halten.
80 Cargo-Vollzeitstellen werden abgebaut
Während generell knapp 600 Mitarbeiter mehr als im Vorjahr auf der Paywall der Bundesbahnen stehen, werden aufgrund der geringen Nachfrage und des schlechten Ergebnisses bei SBB Cargo Schweiz rund 80 Vollzeitstellen weniger benötigt. Dieser Abbau erfolgt möglichst über Wechsel innerhalb der SBB oder natürliche Fluktuation.
Internationaler Personenverkehr hat Potenzial
Die SBB sieht eine steigende Nachfrage im internationalen Personenverkehr und arbeitet intensiv daran, die grenzüberschreitenden Verbindungen auszubauen. Dafür braucht die SBB künftig mehr Züge, zudem müssen ältere ersetzt werden. Die SBB prüft dabei perspektivisch auch den Einsatz von neuen Hochgeschwindigkeitszügen im grenzüberschreitenden Verkehr.
Zudem hat die SBB eine Studie durchgeführt, um die Machbarkeit einer Direktverbindung zwischen der Schweiz und London zu prüfen. Die Ergebnisse zeigen, dass diese technisch machbar, jedoch anspruchsvoll ist. Die SBB möchte diese Verbindung anbieten und treibt das Projekt voran. Eine Umsetzung ist jedoch frühestens in den 2030er-Jahren möglich.
Bahnausbau ist nötig, ebenso Priorisierung nach Kundennutzen
Das bereits heute stark frequentierte Bahnnetz wird in den kommenden Jahren noch dichter befahren, die Nachfrage wird weiter steigen. Was es deshalb im nächsten grossen Ausbauschritt braucht, ist seit längerem klar: im Reiseverkehr 20 Prozent mehr Sitzplätze, im Fernverkehr flächendeckend den Halbstundentakt und auf vielen Strecken sogar den Viertelstundentakt, im Güterverkehr ein schweizweites Expressnetz und einen Halbstundentakt auf der West-Ost-Achse. (TI)
