Das ist Stephan Roemer wichtig in der Schweizer Reisebranche

Im Gespräch mit TRAVEL INSIDE erläutert der Tourasia- und DTH Travel Chef was ihm wichtig ist für die Schweizer Reisebranche und was er von dieser erwartet.
©TRAVEL INSIDE

Stephan Roemer, was scheint Ihnen wichtig den Leser*innen, der Schweizer Reisebranche zu vermitteln?

Sicher wichtig ist mein Bekenntnis zur Schweizer Reisebranche. Darum auch die klare Absicht Tourasia als Schweizer Firma mit einer guten Nachfolgelösung zu erhalten.  Ich glaube, es würde einigen Firmen sicher guttun, zuerst die Möglichkeiten innerhalb der Schweiz zu prüfen würden, anstatt sich dem Ausland zuzuwenden.

Tourismus ist sehr fragil, sehr kundenbezogen und sehr individualisiert. Ein Schweizer reist nicht wie ein Deutscher, ein Deutscher nicht wie ein Engländer und ein Engländer nicht wie ein Franzose. Das ist genau das, was eine DMC sehr gut umsetzen muss, sonst kann sie keine Kunden gewinnen.

Also wir produzieren anders für den deutschen Markt als für den Schweizer Markt, was bereits bei der Hotelauswahl beginnt. Der Schweizerische Hotelgeschmack unterscheidet sich vom deutschen Hotelgeschmack. Tischler Reisen, unsere Tochtergesellschaft in Deutschland, kann nicht das gleiche Hotelangebot anbieten wie wir hier in der Schweiz. Es verkauft sich auf dem deutschen Markt so nicht.

Obwohl wir uns in möglichst vielen Sachen versuchen abzugleichen, ist das nicht möglich, weil die Märkte unterschiedlich sind und genau dort sehe ich die Chance für den Schweizer Veranstalter, er kann ganz explizit auf die Schweizer Bedürfnisse zugehen. Wenn ich dann sehe, dass praktisch alle mit einem ähnlichen oder vergleichbaren Produkt kommen, dann haben sie den Markt nicht richtig verstanden.

Was wünscht sich Stephan Roemer als Geschäftsführer von Tourasia von der Schweizer Reisebranche?

Ich wünsche mir, dass die Schweizer Reisebranche weiter diversifiziert bleibt, denn das braucht sie, wofür es sehr gute Bestrebungen gibt. Ich denke an die TPS, die explizit für die unabhängigen Reisebüro ist und diesen eine Möglichkeit bietet, unabhängig zu bleiben, aber dennoch von Infrastrukturen eines Grossveranstalters profitieren zu können, sei es durch die Volumina, sei es durch Einkaufsmacht, sei es aber auch durch administrative Belange wie Buchhaltung und Versicherungswesen.

Es ist sehr gut, wenn ein kleines oder mittleres Reisebüro einen starken Halt in einer Organisation findet, die es ihm dann erlaubt konkurrenzfähig im Markt zu bestehen.

Besteht nicht die Gefahr, dass die unabhängigen Reisebüros zwischen den beiden Polen, d.h. TUI und Dertour/Hotelplan zerrieben werden?

Hier ist eben das Reisebüro gefragt. Das Reisebüro muss ein Produkt anbieten können, mit welchem es seine Kunden abholen kann. Wenn der Kunde das Gefühl hat, er kriegt überall den gleichen Brei, steht das Reisebüro im Konkurrenznachteil. Ein gut geführtes unabhängiges Reisebüro kann heute noch sehr erfolgreich bestehen, was zahlreiche Mitglieder der TPS beweisen.

Aber viele Inhaber*innen sind doch in einem Alter um aufzuhören?

Genau das ist ein Punkt, der mich stört. Man rackert sich bis zum letzten Moment vor der Pensionierung mit Reiseverkäufen ab und schaut nicht in die Zukunft. Es liegt in der Verantwortung eines guten Managers, sich eine zweite Linie aufzubauen, um dann übergeben zu können.

Uns gelang dies sehr gut bei Smeraldo Tours, ein weiteres Erfolgsbeispiel der Schweizer Reisebranche. Wir haben die Firma so aufgebaut, dass sie in jüngere Hände übergeben werden konnte und die Firma bewegt sich heute sehr, sehr erfolgreich im Markt.

Aber generell fehlen doch Sarah Weidmanns in der Branche?

Nein, glaube ich eben nicht. Wenn eine Firma erfolgreich ist und ich übertragen kann, hat auch die jüngere Generation Interesse an einer solchen Firma. Im Falle von Tourasia habe ich nicht nur eine Person, bei welcher dann die Verantwortung liegt, sondern ein ganzes, junges Team, welches ich mir über die Jahre aufgebaut hatte. Jeder Unternehmer muss das rechtzeitig planen.

Ein weiteres Beispiel, wo ich direkt involviert bin, ist Let’s Go Tours. Let’s Go Tours wurde jetzt gerade in jüngere Hände übergeben und die Firma ist sehr erfolgreich im Markt. Solche Beispiele lassen sich einige nennen. Ich kann nur meine Branchenkolleg*innen aufmuntern genauso zu denken, junge Leute aufbauen und diesen dann die Chance bieten. Man muss ihnen die Verantwortung übertragen. Es nützt nichts, wenn man sie nur arbeiten lässt.

Abschliessend ein schönes Beispiel: Seit Jahren bin ich als Mentor an einer Tourismus-Universität in der Schweiz tätig und freute mich diese Woche riesig, weil meine Menti mit der Höchstnote 6 abgeschlossen hat. Wir haben zwei Jahre lang zusammen gekämpft, ich habe sie aufgebaut und meine Freude ist jetzt, dass sie bei mir arbeiten möchte.

Da habe ich doch bereits gewonnen, ohne dass ich je eine andere Absicht gehabt habe, als ihr die Freude am Tourismus zu vermitteln, damit sie in dieser Branche eine Perspektive sieht und ihren Weg gehen kann. Nun hat sie den Erfolg mit der besten Note gehabt, kommt zu mir und sagt, sie würde gerne bei mir arbeiten. Und das ist doch ein Erfolg, der nachher für beide zählt!

Interview: Hans-Peter Brasser