NCL wertet Mainstream-Cruising auf: Das ist die brandneue Norwegian Aqua

TRAVEL INSIDE hat auf einer Pre-Cruise die erste Einheit der neuen Prima-Plus-Klasse von Norwegian Cruise Line unter die Lupe genommen.
Die Norwegian Aqua in Lissabon – Blick über den Vibe Beach Club. ©BE

Nach ihrer Auslieferung stach die Norwegian Aqua kürzlich von der Fincantieri-Bauwerft in Marghera/I auf ihre allererste Fahrt Richtung Lissabon in See.

Dort stiegen über 2000 Trade-Partner und Medien auf eine Kennenlern-Cruise zu, darunter 28 Schweizer Cruise- und Reisebüro-Profis, ebenso TRAVEL INSIDE.

Atlantische Frühlingsstürme brachten das Programm etwas durcheinander: Das Schiff musste in Lissabon bessere Wetterverhältnisse abwarten, strich den geplanten Stopp in Rotterdam und fuhr schliesslich direkt nach Southampton. Wer den Ausstieg in Rotterdam vorsah, musste hurtig neu planen.

Die Prima-Plus-Bauklasse
Norwegian Aqua

Die Norwegian Aqua ist das 20. Schiff in der Flotte von Norwegian Cruise Line und die erste Einheit der Prima-Plus-Klasse, sie kostete über eine Milliarde US-Dollar.

Die vorangehende Prima-Klasse umfasst die 2022 erbaute Norwegian Prima und die 2023 erbaute Norwegian Viva (je 142’500 BRZ, 3100 Pax).

Zur Erinnerung das Besondere der Prima-Bauklasse: Die Schiffe sind etwas kleiner als die zwischen 2013 und 2019 erbauten Liner der Breakaway-Klasse (2 Einheiten, je 145’655 BRZ, 3963 Pax) und Breakaway-Plus-Klasse (4 Einheiten, 164’600 bis 169’145 BRZ, 3883 bis 4266 Pax).

Nach der Prima- nun also die Prima-Plus-Klasse: Die Norwegian Aqua präsentiert sich mit 156’300 BRZ und Platz für 3571 Passagiere (Doppelbelegung) rund zehn Prozent grösser als die Prima-Klasse. Sie ist 27 Meter länger als ihre zwei Vorgängerinnen (321 m, resp. 294 m).

Unverändert ist die Zahl der Decks (20, Deck 1 bis 4 Crew Only) und der klassische Aufbau: Deck 5 ist ein Kabinendeck, auf Deck 6 bis 8 liegen die unteren Gesellschafts-Decks, Deck 9 bis 16 sind Kabinen- und Suiten-Decks und ab Deck 16 bis 20 liegen die oberen Tages-Decks.

Der Contemporary-Anspruch
Penrose Atrium

Norwegian Cruise Line will sich als «Contemporary Cruiseline» verstanden wissen, die sich im gehobenen Mainstream-Bereich positioniert. Diesem Anspruch entspricht auch die neue Norwegian Aqua sowohl mit ihrer Anmutung wie mit der Bord-Infrastruktur, den Platzverhältnissen oder der Gastronomie.

Im Innern herrscht ein heller, moderner und schnörkelloser Stil vor, der in den Kabinen beinahe etwas nüchtern wirkt. Die öffentlichen Räume unterscheiden sich durch stimmig-smarte Designkonzepte, das Gesamtbild wirkt elegant.

Mittelpunkt des Schiffs bildet das Penrose Atrium, das sich über die drei unteren Gesellschafts-Decks zieht und mit seinen blanken Linien und Flächen oder den hoch oben schwebenden Lichtfaltern gefällt. Hier sorgen Bars, Servicestellen und Shops für ein animiertes Ambiente.

Auf diesen drei Decks befinden sich verschiedene Restaurants, Bars und Clubs, das grosse Aqua-Theater oder das Casino. Auf den oberen Tagesdecks dominiert nebst weiteren Restaurants, der Observation Lounge oder dem Mandara Spa die gesamte Tages-Infrastruktur mit Pool und Whirlpools, Sonnendecks und vielen Aktivitäten.

Suiten Bereich The Haven

The Haven Restaurant

Eine besondere Infrastruktur bildet über die oberen Achter-Decks The Haven, das elegante Ship-in Ship-Konzept von NCL. Die Zahl der unterschiedlichen Suiten wurde, von 107 auf den Prima-Schiffen, auf der Norwegian Aqua auf deren 123 erhöht. Neu gibt es grosszügige zweistöckige Drei-Zimmer-Duplex-Suiten.

Im Innern von dunklen Holztönen geprägt, steht den Gästen eine eigene Lounge mit Bar, ein Restaurant und ein Concierge-Service zur Verfügung. Herrlich ist das über zwei Decks angelegte Haven-Sonnendeck mit Infinity-Pool, Bar, Sauna, Hot Tubs und gepolsterten Liegen – eine exklusive Oase.

Der Ocean Boulevard
Ocean Boulevard

Mit der Waterfront auf der Norwegian Breakaway war NCL 2013 Pionierin grosszügiger Aussenflächen in Meeresnähe. Dieses vortreffliche Konzept – eine NCL-Stärke – wurde auf den Prima-Schiffen zum Ocean Boulevard ausgebaut und ist natürlich auch auf der neuen Norwegian Aqua ein ganz besonderes Highlight.

Auf Deck 8 zieht sich im Freien eine rund 4000 qm grosse Flaniermeile rund um das Schiff dahin, wo sich Liegeterrassen mit kleinen Infinity Pools an Aussenplätzen von Restaurants und Bars bis zu ruhigen, kuscheligen Rückzugsorten reihen – eine prächtige Aussenwelt in Meeresnähe.

Die Restaurant-Palette
Surfside Café

Die Restaurant-Palette an Bord der Norwegian Aqua ist weitgehend identisch mit den Prima-Schiffen: Inkludiert sind das achtern gelegene A-la-Carte Hudson’s mit seiner weiten 180-Grad-Fensterfront oder The Commodore Room. Gar 24 Stunden geöffnet ist der ungezwungene Local Grill & Bar mit feinen Burgers und mehr.

In der innovativen Indulge Food Hall, wo an verschiedenen Outlets Leckereien aus aller Welt frisch zubereitet werden, gibt es neu eine Planterie mit vegetarischen Gerichten. Oben auf Deck 17 liegt das Self-Service-Restaurant Surfside, wo es aber bei Vollbelegung des Schiffes etwas gar eng werden kann.

Die Spezialitäten-Restaurants positionieren sich thematisch: Italienisch (Onda), französisch (Le Bistro), mexikanisch (Los Lobos), amerikanisch (Cagney’s) oder japanisch (Hasuki und Nama Sushi). Auf Deck 17 befinden sich zudem das Palomar (mediterran) und das Sukothai, das neue Thai-Restaurant.

Die während der Reise getesteten Gerichte waren durchwegs köstlich, sorgfältig zubereitet und präsentiert. Zu Diskussionen Anlass gaben unter den Reiseprofis einzig die Zuschläge, die zwischen 40 USD und 60 USD (jeweils plus 20% Service-Charge) liegen – ausser man hat ein Package gebucht.

Das vielseitige Nachtleben

Norwegian ist bekannt für ihre professionellen Shows, und diese sind auch auf der Norwegian Aqua im grossen Theater sehenswert. Nebst «The Elements», einer beflügelten Tanz-, Akrobatik- und Illusions-Darbietung, fielen auf unserer Fahrt insbesondere die starken Musik-Shows auf.

«Rumours» heisst das erfolgreichste Album von Fleetwood Mac, das in der gleichnamigen Show von einer ausgezeichneten Band integral gespielt und erzählt wird. Und «Revolution» nimmt sich grossartig choreografiert und mit hervorragenden Akteuren besetzt dem Werk des Ausnahme-Musikers Prince an. Speziell: Nach den Shows lässt sich das Theater in einen grossen Nachtclub mit DJ verwandeln.

Musik zieht sich auf der Norwegian Aqua wie ein roter Faden durch. Viel Stimmung ist jeweils im Rock-Schuppen Syd Norman’s Pour House angesagt, in einigen Bars spielen durchwegs sehr gute Duos oder Einzelmusiker auf. Im Improv at Sea wiederum ist Comedy oder Karaoke angesagt.

Im Vergleich mit den Vorgängerinnen finden sich auf der Aqua einige bekannte Bars an neuen Locations oder in einem neuen Design. Und mit Swirl hat eine neue, gehobene Weinbar Einzug gehalten, die man etwas versteckt hinten auf Deck 6 findet.

Ein, zwei Tipps: Empfohlen werden dürfen die nachhaltigen Flor-De-Cana-Cocktails in der Metropolitan Bar (12.50 USD) und die Cigar-Lounge nebenan. Für einen Schlummertrunk mit Musik eignet sich die Belvedere Bar im Atrium, und oben auf Deck 17 windet sich die ruhige Observation Lounge 180 Grad um das Vorderschiff.

Beach-Life und Nervenkitzel
Startrampe des Aqua Slidecoaster.

Der Poolbereich mittschiffs auf Deck 17 präsentiert sich dank der Verlängerung des Schiffes etwas weitläufiger als auf den Prima-Schiffen, die Kids-Rutsche fiel weg. Der Kids Aqua Park liegt gesondert auf Deck 18, wo zudem (wie auch auf Deck 19) weitere Sonnenliegen zur Verfügung stehen.

Ein ausgesprochen hübscher (zahlungspflichtiger) Rückzugsort an der Sonne für Gäste ab 18 Jahren ist hinten auf Deck 17 der Vibe Beach Club mit Liegen, Bar und Infinity Hot Tubs. Und wie erwähnt wartet auch der prächtige Ocean Boulevard auf Deck 8 mit Mini-Pools und Liegen auf.

Eine massgebliche Neuerung auf der Norwegian Aqua ist der Slidecoaster, dessen Röhren nun den Aufbau rund um das Kamin prägen anstelle des bisherigen Go-Kart-Speedways. Bei diesem Hybrid zwischen Achterbahn und Rutsche wird man in einer Art Gummiboot in die Höhe katapultiert und rutscht dann zügig in die Tiefe.

Im Aufbau über Deck 18 und 20 versprechen viele weitere Aktivitäten Spass: Die interaktive Minigolf-Anlage Tee Time etwa, ein Pickleball Court, der neuartige Sportkomplex Glow Court mit LED-Boden, die Highspeed-Rutsche The Drop oder The Stadium mit Tischtennis, Shuffleboard, Dart etc. (z.T. zahlungspflichtig).

Virtual Reality und Hightech-Spiele (zahlungspflichtig) sind in der Games Zone angesagt, Erholung im feinen zweistöckigen Mandara Spa mit Fitness. Der Tageseintritt für die Nutzung der Spa-Infrastruktur mit Saunen, Dampfräumen, Whirlpools und Ruheraum beträgt 99 USD.

… zudem erwähnenswert

Die Bandbreite der geräumigen und komfortablen Unterkünfte ist natürlich gross und reicht von den grosszügigen Suiten im The Haven bis zu den kleinen Innen-Studios für Single-Reisende. Ein Detail nur, aber vielleicht nicht unwichtig: Bademäntel und Slippers stehen ab den Club Balcony Kabinen zur Verfügung oder können beim House Keeping angefordert werden.

Zur Nachhaltigkeit: Die Norwegian Aqua wird – wie die gesamte NCL-Flotte – mit Marine-Diesel betrieben, Scrubber und Katalysator reinigen vorschriftsmässig die Abgase. LNG ist für NCL kein Thema, man setzt auf Bio-Fuel-Zugaben und will sich später auf E-Methanol konzentrieren.

Award für Pfister Reisen

An Bord der Norwegian Aqua wurden übrigens auch Awards für die besten DACH-Vertriebspartner verliehen. Hier konnte aus der Schweiz Nina de Lorenzo aus den Händen von Michael Nowatzki für Pfister Kreuzfahrten die Auszeichnung für den besten Group Partner in Empfang nehmen (Foto).

Inzwischen ist die Norwegian Aqua über den Atlantik Richtung New York und Miami unterwegs, wo das Schiff am 13. Mai offiziell getauft wird.

Danach kreuzt der Neubau ab Miami und Port Canaveral nach den Bahamas und in die Karibik sowie vereinzelt ab New York nach Bermuda.

Beat Eichenberger, Lissabon/Southampton