
Norbert Fiebig beendet seine Amtszeit als Präsident des DRV im Oktober 2025, wie er auf der Jahrestagung mitteilte. Vor dieser Ankündigung am Kongressende war die Veranstaltung im spanischen Malaga bei Vorträgen und Podiumsdiskussionen von den Themen Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit geprägt.
Die Jahrestagung des DRV in Malaga erhielt am Ende des Kongresstages noch eine für den Verband einschneidende Nachricht. Der amtierende DRV-Präsident Norbert Fiebig wird für keine weitere Amtszeit kandidieren. Der frühere Chef von Dertour und des Touristikbereichs des Rewe-Konzerns führte den Verband seit 2014.
Der DRV habe in der Politik vieles auf den Weg gebracht und erreicht, so Fiebig. «Damit haben wir die zahlreichen Herausforderungen der letzten Jahre gut bewältigen können und auch die Sichtbarkeit der deutschen Reisewirtschaft insgesamt erkennbar erhöht.»
Nun können Interessenten ab sofort ihren Hut in den Ring werfen, die nächsten Wahlen für Vorstand und Präsidium stehen auf dem Hauptstadtkongress im kommenden Oktober an. Die Mitgliederversammlung hat in Malaga über eine Satzungsänderung entschieden, nach der nun auch Nicht-Mitglieder des Verbands für die Präsidentschaft kandidieren können. Sie müssen dafür von einem Mitgliedsunternehmen vorgeschlagen werden.
Gute Zahlen und externe Risiken
Vor der verbandspolitischen Ankündigung Fiebigs hatte er mit den rund 350 Teilnehmern in seiner Rede noch auf die Situation und die Herausforderungen für den Tourismus in Deutschland geblickt. Er zeigt sich zufrieden, dass der Anteil der Pauschalreisen mittlerweile bei rund 50% liegt, insgesamt hat der Umsatz ein Plus von 20% gegenüber Vor-Corona erreicht. Allerdings hinken die Pax-Zahlen noch hinterher, erklärt Fiebig.
Für dieses Jahr gebe es bislang gute Buchungszahlen, einer der Wachstumsmotoren seien die Kreuzfahrten. Nach Angaben von Christoph Zeh von Yougov haben in diesem Jahr 72% der Deutschen ihre Ferien bereits geplant, im Vorjahr hatte der Wert bei 80% gelegen. Zwar wollten 23% trotz eines insgesamt engeren Budgets mehr für ihre Ferien ausgeben, doch in den Destinationen komme es zu Einsparungen.
Aber Fiebig warnte auch vor den Risiken der geopolitischen Situation. Darüber hinaus sei die Touristik durch die Auswirkungen auf die Menschen in den Zielgebieten und die Umwelt gefordert, es gehe um eine Balance mit den Vorteilen des Tourismus. Von der neuen Bundesregierung fordert er eine Stärkung des Luftverkehrsstandorts Deutschland und ein Ende von Überregulierungen.
Künstliche Intelligenz ist kein Trend
Eines der die Tagung prägenden Themen war die Künstliche Intelligenz (KI) und ihre Chancen für die Touristik. Marco Ryan, Autor und strategischer Berater für KI, rät zu einem offenen Umgang mit ihr.
Die KI sei nicht nur ein Trend, sie befinde sich überall, wachse weiter und bleibe, so seine Einschätzung. Ryan sieht in der KI keine technologische Frage, denn jeder könne damit umgehen und sie führe nicht zu hohen Kosten. Und sie ersetze keine Menschen, aber dagegen Unternehmen, die keine KI nutzten. Der Einsatz von KI sei grundlegend, Touristiker müssten damit arbeiten.
Eine Zukunft für die Branche ohne den Einsatz von KI kann sich auch Alexander Albert, Geschäftsführer von BCD Travel Germany, nicht mehr vorstellen. Doch er erwartet, dass sie auch Jobs, bei denen es um automatische Prozesse geht, ersetzen werde, aber keine Aufgaben, in denen Emotionen und Empathie eine Rolle spielten. «KI ist ein Assistent, aber kein Wettbewerber.»
Folgen der Klimakatastrophe besser kommunizieren
Einen Weckruf im Hinblick auf die Folgen der Klimakatastrophe gab es für die Branche durch den Meteorologen Karsten Schwanke. Eines der grundlegenden Probleme bildet für den Moderator die mangelhafte Kommunikation und Vermittlung der Werte der Erderwärmung, ihres Tempos und anderen Auswirkungen. Diese Fehler wirkten sich schliesslich auch auf die Touristik aus. Es gehe um eine klare und verständliche Vermittlung auf allen Seiten.
Hier sieht auch Rainer Hageloch, Vorstand der AER Kooperation, die direkte Ansprache der Kunden als entscheidenden Ansatz. «Wir sind diesen Weg mit den Fairweg-Reisebüros gegangen. Ich glaube, die Branche hat Angst, aber wir müssen loslegen und können nicht warten, bis uns der Staat hilft.» Es gehe darum, die Botschaft in die Büros zu bringen und an den Kunden weiterzugeben. «Wir müssen selbst aktiv werden und die Nachfrage nach nachhaltigen Reisen steigern.»
Wolfram Marx, Malaga
