Herr Bubolz, wir entdecken derzeit als erste Gäste die neue Norwegian Aqua, die erste Einheit einer neuen Prima-Plus-Klasse von NCL. Was sind Ihre ersten Eindrücke?
Im Vergleich mit den Vorgängerinnen Norwegian Prima und Norwegian Viva fiel mir sogleich auf, dass an Bord der Norwegian Aqua noch mehr Grosszügigkeit herrscht. Das ergibt sich durch die Verlängerung des Schiffes, wodurch das Atrium und oben das Pool Deck erweitert ausfallen, ebenso Bereiche am Heck des Schiffes.
Obwohl die Norwegian Aqua nur rund 10% grösser als die beiden Vorgängerschiffe ist, wirkt sie noch luftiger und weitläufiger. Daneben gefallen mir die vielen Details, die in dieser Bauklasse weiter verfeinert wurden. So gibt es zum Beispiel im Penrose Atrium eine neue, herrliche Sitzarkade mit unverbautem Blick übers Meer anstelle eines Shops, oder auch 22 öffentliche Bereiche, die von renommierten Design Studios neugestaltet wurden.
Als grosse Neuerung wurde der dominante Go-Kart-Speedway rund um den Schornstein-Aufbau durch den Aqua Slidecoaster ersetzt – warum?
Den Go-Kart-Speedway gibt es nun bereits auf den letzten fünf NCL-Schiffen. Wir haben festgestellt, dass das Go-Kart-Angebot von rund 25 Prozent der Gäste genutzt wird.
Deshalb haben wir uns überlegt, mit welcher Attraktion wir noch mehr Gäste begeistern können. Der neuartige Aqua Slidecoaster, der weltweit erste Hybrid aus Achterbahn und Wasserrutsche, kann von bis zu 200 Gästen pro Stunde genutzt werden, ist eine Aktivität für die ganze Familie und zudem im Preis inkludiert.
Dank des gewonnenen Platzes konnte zudem das Sport- und Aktivitäten-Angebot mit neuen Features wie dem Glow Court, einem digitalen Hightech-Sportkomplex mit interaktivem LED-Fussboden, erweitert werden, und das Pool Deck präsentiert sich mit dem Wegfall des Speedways optisch grösser und luftiger.
Grösser fällt auch der Ship-in-Ship-Komplex The Haven am Heck des Schiffes aus, wobei sich die Suiten über mehrere Decks erstrecken. Schränken die langen Wege nicht die Exklusivität etwas ein?
Ich denke nicht, dass dies der Fall ist. Die The Haven-Decks sind ja durch einen exklusiven Lift, welcher nur von The Haven-Gästen genutzt werden kann, sowohl miteinander als auch mit den öffentlichen Bereichen des Schiffs verbunden, so dass man sich problemlos, ohne zu warten und über kürzeste Wege von den Suiten auf das exklusive Deck 16 mit dem The Haven-Restaurant, der eigenen Lounge und den privaten Pooldecks bewegen kann.
Und warum haben die The Haven-Gäste keinen kostenlosen Zutritt zum Mandara Spa?
Der Spa hat eine begrenzte Kapazität, um die besondere Atmosphäre zu gewährleisten. Die The Haven-Gäste geniessen eine Bevorzugung bei der Reservation der Termine im Spa und haben auch einen eigenen kleinen Spa-Bereich auf dem The Haven-Sundeck mit einer Sauna sowie Dampfbad. Zusätzlich haben die The Haven-Gäste auch Priority Access bei Spezialitätenrestaurants-Reservierungen, den Shows oder beim Tendern. Wer The Haven bucht, der sucht einerseits den Luxus eines exklusiven Rückzugsorts, will aber ebenso von der breiten Palette eines grossen, modernen Schiffs profitieren.
Es gibt zudem Suiten, die sich nicht im The Haven befinden.
Das sind nicht sehr viele, und diese Suiten werden von Gästen geschätzt, die eine komfortable Unterkunft ohne die The Haven-Vorteile wünschen. Das wirkt sich letztlich auch preislich aus.
Mit den grossen Aussenflächen des Ocean Boulevards auf Deck 8 und auf den obersten Decks darf man die Norwegian Aqua als «Schönwetterschiff» bezeichnen – vor allem auch, weil ein Indoor-Pool fehlt.
Ja, einen Indoor-Pool gibt es nicht, dafür einen kleinen Pool im Mandara Spa. Das Schiff lässt sich bestimmt am besten geniessen, wenn schönes Wetter herrscht.
Aber gerade die sehr beliebte Flaniermeile des Ocean Boulevards eignet sich mit ihren Sitzgelegenheiten und Aussenbereichen von Restaurants und Bars hervorragend, um die Meeresnähe oder die vorüberziehende Küste auch bei gemässigteren Verhältnissen zu geniessen.
Auch die Norwegian Aqua wird – wie die gesamte Flotte von NCL – weiterhin mit Marine Diesel betrieben. Warum setzt man bei den Neubauten nicht auf LNG?
LNG – Flüssigerdgas – ist nach wie vor ein fossiler Brennstoff, der dereinst ersetzt werden muss. Wenn man bedenkt, dass ein Schiff von uns rund 30 Jahre betrieben wird, wäre es kritisch, nach 10 oder 20 Jahren die Flotte umzurüsten.
Wir reinigen selbstverständlich die Abgase vorschriftsgemäss mit entsprechend modernen Anlagen und konzentrieren uns darauf, mittel- und längerfristig auf neue CO2-freie Lösungen zu setzen.
So werden die letzten beiden Schiffe der Prima Plus-Klasse, die voraussichtlich 2027 und 2028 ausgeliefert werden, Methanol-Ready gebaut, so dass man sie, sobald grünes Methanol in ausreichenden Mengen verfügbar ist, nachrüsten kann, damit sie mit Dual-Fuel-Motoren sowohl mit Marine Diesel als auch Methanol betrieben werden können.
Zusammengefasst: Was macht in Ihren Augen die Schiffe der Prima- und Prima-Plus-Klasse von Norwegian Cruise Line im Vergleich mit ähnlich grossen Schiffen von Mitbewerbern aus?
Ich denke, die Begriffe Qualität und die Platzverhältnisse sind die USP. Auf der neuen Norwegian Aqua könnte man ohne Probleme über 5000 Passagiere unterbringen, aber wir haben uns auf gut 3500 beschränkt. Das bedeutet mehr Raum für den einzelnen Gast, ob in den Kabinen, über die Gesellschaftsdecks oder auf den Aussenflächen. Das entspricht unserem Anspruch einer Positionierung im oberen Ende des Contemporary-Segments.
Was Reisebüro-Profis an Bord etwas erstaunt, sind die zum Teil doch happigen Nebenkosten. Spezialitäten-Restaurants kosten bis zu 60 US-Dollar plus 20 Prozent Service-Charge oder ein Tagesbesuch des Mandara Spa 99 US-Dollar.
Wir sind eine amerikanische Reederei, und wenn man unsere Preise zum Beispiel mit denjenigen von guten Restaurants in Miami vergleicht, wo man heute für ein feines Steak bis 150 US-Dollar bezahlt, dann relativiert sich dieser Eindruck.
Deshalb haben wir im vergangenen Oktober das «More At Sea»-Upgrade lanciert, das viele dieser Nebenkosten inkludiert und einen grösseren Mehrwert als unser bisheriges «Free at Sea»-Upgrade bietet.
Welche Leistungen sind dies konkret und was kostet dieses Paket?
In «More At Sea» inbegriffen sind ein sehr umfassendes Getränkepaket inklusive Premium-Marken wie Casamigos Tequila oder Woodford Reserve und eine Vielzahl von Cocktails, High-Speed-Wifi-Minuten, mehr Dinner in Spezialitätenrestaurants sowie 50 Dollar Rabatt pro Landausflug.
Der Preis des Upgrades variiert je nach Länge der Kreuzfahrt und beträgt beispielsweise für eine 7-tägige Kreuzfahrt 279 US-Dollar pro Passagier. Das ist ohne Zweifel ein attraktives Angebot, das nahezu eine All-inklusive-Cruise ermöglicht.
Noch ein kurzer Blick voraus: Im nächsten Jahr wird bereits die Norwegian Luna ausgeliefert. Was dürfen wir erwarten?
Dabei handelt es sich um ein Schwesterschiff der Norwegian Aqua, das sich mit weiteren Verbesserungen weitgehend identisch präsentieren wird. Grössere Veränderungen sind dann für den 5. und 6. Neubau dieser Prima- und Prima-Plus-Bauklasse zu erwarten, die 2027 und 2028 zur Auslieferung kommen und nochmals etwas grösser ausfallen werden.
Und dann folgt voraussichtlich 2030 die Einführung einer gänzlich neuen Bauklasse von grossen Megalinern für über 5000 Gäste – warum dieser Quantensprung?
Diese vier Neubauten, intern als «Project New Era»-bezeichnet, werden voraussichtlich zwischen 2030 und 2036 ausgeliefert und haben zum Ziel, ein spezielles und boomendes Marktsegment anzusprechen. Denn wenn man die Entwicklung im weltgrössten Cruise-Revier Karibik betrachtet, so wird der dominierende Mainstream-Markt zunehmend von sehr grossen, modernen Schiffen bestimmt.
Da werden wir neue Massstäbe setzen, dabei aber unserem gehobenen Anspruch treu bleiben und diese Neubauten nicht für 7000 Passagiere konzipieren, was durchaus möglich wäre, sondern nur für 5000. Intern wird zudem bereits über die nächste Planungsphase 2037 bis 2045 nachgedacht – es bleibt spannend!
Interview: Beat Eichenberger
