Knapp eine Milliarde Euro Forderungen gegenüber FTI

Der Insolvenzverwalter von FTI Touristik zieht eine positive Zwischenbilanz bei der Abwicklung des Konzerns.
©Touristik Aktuell/mg

Knapp ein Jahr nach dem Insolvenzantrag der Reiseveranstalter FTI Touristik GmbH und BigXtra Touristik GmbH, die den Kern des drittgrössten europäischen Reisekonzerns FTI Group bildeten, zieht Insolvenzverwalter Axel Bierbach von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen (München) eine positive Zwischenbilanz.

Inzwischen wurden alle werthaltigen Unternehmensbeteiligungen, immateriellen Vermögenswerte und weiteren Assets identifiziert und aus der Konzernstruktur herausgelöst. Sie befinden sich entweder im Verkaufsprozess oder wurden bereits veräussert.

Axel W. Bierbach, Fachanwalt Insolvenz- und Sanierungsrecht und Insolvenzverwalter FTI Touristik GmbH ©Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen

«Die Aufarbeitung dieses komplexen Insolvenzverfahrens schreitet zügig voran. Wir haben bereits wichtige Meilensteine erreicht», sagte Bierbach am Dienstag. Während im Erstattungsprozess für Pauschalreisende der grösste Teil der Auszahlungen durch den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) bereits erfolgt ist, wird sich die Prüfung von Forderungen zur Insolvenztabelle angesichts der grossen Zahl an Gläubigern noch über mehrere Jahre hinziehen.

Ein Kraftakt

Die Abwicklung des FTI-Konzerns mit 11’000 Mitarbeitenden, einem Jahresumsatz von rund Euro 4 Mrd. und 110 in- und ausländischen Gesellschaften mit dezentraler Organisationsstruktur habe sehr hohe Anforderungen an alle Beteiligten gestellt, sagte Insolvenzverwalter Bierbach.

«Unser Kanzleiteam hat mit grossem Einsatz, fachlicher Expertise und hohem Arbeitstempo agiert. Die erfolgreiche Abwicklung verdanken wir aber auch den Beschäftigten von FTI im In- und Ausland, die uns in den vergangenen zwölf Monaten sehr engagiert unterstützt haben. Dass wir ein Jahr nach dem Insolvenzantrag bereits so viel erreicht haben, ist das Ergebnis eines aussergewöhnlichen gemeinsamen Kraftakts», so Bierbach weiter.

Grossteil der Geschäftseinheiten veräussert

Seit den Insolvenzanträgen der FTI Touristik GmbH und der BigXtra GmbH Anfang Juni 2024 hat die Insolvenzverwaltung einen grossen Teil der operativen Geschäftseinheiten des Konzerns an strategische Investoren veräussert. Im eröffneten Verfahren konnten die Marke und Domains von FTI, die Markenrechte an der Flugbörse sowie die Domain drive.de verkauft werden.

Im vorläufigen Insolvenzverfahren hatte Insolvenzverwalter Bierbach bereits das Servicecenter erf24 Touristic Services GmbH, den Luxusreiseveranstalter Windrose Finest Travel GmbH, den IT-Dienstleister Anixe Polen, die Online-Reiseplattform 5vor Flug, die 50-prozentigen Anteile an der TVG Touristik Vertriebsgesellschaft mbH sowie den Anteil an der RT/Raiffeisen Touristik Group GmbH veräussert.

Damit hat die Insolvenzverwaltung, die bei allen M&A-Transaktionen von der US-Investmentbank Stifel als exklusivem Finanzberater der FTI Group begleitet wird, mehrere hundert Arbeitsplätze gesichert und bestmögliche Erlöse im Sinne der Gläubiger erzielt.

Fortschritte beim Verkauf des Hotelportfolios

Bei der Veräusserung des Hotel-Portfolios mit einst 54 Häusern in den Zieldestinationen, in denen ein Grossteil der Konzernmitarbeiter beschäftigt war, gibt es ebenfalls deutliche Fortschritte.

Kanzleipartner Oliver Schartl, der als Insolvenzverwalter der Meeting Point Hotelmanagement Holding GmbH für den gesamten Hotel-Bereich verantwortlich ist, hat bereits fünf der ehemals sieben im Eigentum von FTI stehenden Hotels in Italien, der Türkei, Griechenland und auf Malta erfolgreich verkauft – ebenso wie zwei gepachtete Hotels in Kroatien. Auch das Hotel-Joint-Venture in Marokko sowie ein Joint Venture an einer Sprachschule mit Boarding Hotel auf Malta wurden an neue Investoren übertragen. In allen Fällen bleiben die Arbeitsplätze erhalten. Für zwei FTI-eigene Hotels in Ägypten wird zeitnah eine Lösung erwartet.

In einem weit fortgeschrittenen Verhandlungsstadium befinden sich die Investorengespräche zum Verkauf der gepachteten Hotels in Spanien und in der Türkei, in denen mehr als 2000 Mitarbeiter*innen beschäftigt sind. Mit einem erfolgreichen Abschluss rechnet Schartl bis spätestens zum Jahresende. Lediglich der Verkaufsprozess für den seit Jahren brachliegenden Hotelkomplex Stella Canaris auf Fuerteventura wird voraussichtlich erst im Jahr 2026 oder 2027 abgeschlossen werden können.

«Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen konnten wir tragfähige Investorenlösungen finden. Der Weiterbetrieb der Hotels unter neuen Eigentümern ist eine gute Nachricht für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die betroffenen Urlaubsregionen», sagte Schartl.

Mit den bereits erfolgten und kurz bevorstehenden Verkäufen werden die Arbeitsplätze aller derzeit rund 3500 in den Hotels Beschäftigten gesichert. Insolvenzverwalter Schartl betonte, dass die Geschäftsbetriebe der Hotelgesellschaften seit dem Insolvenzantrag von FTI stabil und weitestgehend uneingeschränkt weiterlaufen.

Forderungen von 980 Millionen Euro

Seit Verfahrenseröffnung können alle Gläubiger – dies sind neben Reisenden auch Hotels, Lieferanten und Kreditgeber – ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden. Bisher haben insgesamt mehr als 73’000 Gläubiger Forderungen in einer Gesamthöhe von knapp Euro 980 Mio. angemeldet. Die Forderungsprüfung findet in mehreren Terminen, mindestens noch über das gesamte Jahr 2025 hinweg, statt. Gläubiger können ihre Forderungen während der gesamten Verfahrensdauer anmelden. Für Anmeldungen, die nach den Prüfungsterminen eingehen, wird allerdings eine Nachmeldegebühr erhoben.

Insolvenzverwalter Bierbach bekräftigte, dass die weitere Abwicklung und Verwertung des FTI-Konzerns sowie die Forderungsprüfungen angesichts der grossen Gläubigerzahl noch mehrere Jahre andauern wird und die Gläubiger erst am Ende des Verfahrens eine Auszahlung erhalten werden. «Es ist jetzt schon absehbar, dass die Quote sehr gering ausfallen wird.  Eine genaue Einschätzung ist aber erst nach Abschluss der Forderungsprüfung und der Vermögensverwertung möglich», so Bierbach. (TI)