Ab dem 1. Juni werden nur noch E-Tickets ausgestellt. Was nach grosser
Ver-änderung aussieht, ist der Abschluss eines von langer Hand
geplanten Projektes, wie Heinz Sturzenegger, Geschäftsführer B.A.R.
Switzerland (Board of Airlines Representatives) erklärt: «Das Projekt
Simplify the Business, wie die Umstellung auf E-Tickets heisst,
wurde schon vor mehr als vier Jahren von den Präsidenten aller Airlines
verabschiedet. Mittlerweilen ist das Reisen mit E-Tickets etabliert.
Anfang Jahr hatten in der Schweiz etwa 80% aller Passagiere ein
E-Ticket, heute dürften es bereits rund 97% sein.»
Das Ausstellen von Papiertickets und deren Abrechnung über BSP wird
unmöglich. In den ersten beiden Juniwochen werden bei allen
IATA-Agenturen die neutralen IATA-Papiere, auf welche bis dato die
Tickets gedruckt werden, eingezogen. Einem ausgeklügelten
Logistik-Auftrag folgend, werden die Dokumente gegen Protokoll bei den
Reisebüros abgeholt.
Ist eine Fluggesellschaft noch nicht 100% E-Ticket-fähig, will aber
über Reisebüros verkauft werden, muss sie die Dokumente zur Verfügung
stellen. Im Extremfall wird die Airline selbst Reisedokumente
ausstellen müssen.
Weiterhin können keine E-Tickets für Infants ausgestellt werden. Da
Infants keinen Anspruch auf einen Sitzplatz haben, wurde noch keine
technische Lösung gefunden. Heinz Sturzenegger glaubt aber, dass auch
«diese Lücke in fünf bis sechs Monaten geschlossen sein wird».
Die meisten, jedoch noch lange nicht alle Fluggesellschaften, haben in
den letzten drei Wochen den Agenten Instruktionen zugeschickt, was zu
tun ist, falls das Ausstellen eines E-Tickets nicht möglich ist. Marcel
Hausheer, Leiter Kompetenzzentrum Flug des Schweizerischen
Reisebüroverbandes, bemängelt die späte Information: «Die Reisebüros
sind auf diese Informationen angewiesen. » Der Geschäftsführer des
B.A.R. Schweiz weiss um den Informationsmangel, gibt jedoch zu
bedenken: «Die Umstellung auf E-Tickets
ist ein weltumspannendes Projekt. Die Instruktionen mussten vom
jeweiligen Hauptsitz der Airlines kommen, das konnte nicht von den
Ländervertretungen übernommen werden. Das B.A.R. verstand das Unbehagen
der Reisebüros und hat seine Mitglieder zweimal auf den
Informationsbedarf aufmerksam gemacht und sie aufgefordert, Druck auf
den Hauptsitz auszuüben.»
Weil die IATA das Informieren den Airlines überlassen hat, müssen die
Reisebüros nun ganz unterschiedliche Prozesse entgegennehmen. Das
bedeutet Mehraufwand. Marcel Hausheer weist darauf hin, dass «ein
kleiner Prozentsatz viel bedeuten kann. Sind bei Airlines mit grossem
Marktanteil wie Swiss oder Lufthansa 2% der Teilstrecken nicht
E-Ticket-fähig, ist das in absoluten Zahlen viel.» Doch weiss er, dass
an der Ausmerzung dieser letzten Lücken «fieberhaft gearbeitet wird».
Im Vorfeld der Umstellung waren die Fluggesellschaften gezwungen,
intensiv an ihrer Infrastruktur zu arbeiten und Investitionen in die
Informatik zu tätigen. Heinz Sturzenegger erinnert an die Interline
Agreements: «Weil die E-Tickets einen besonderen IT-Aufwand darstellen
immerhin müssen dafür die Systeme vernetzt werden hat jede Airline
ihre Interline Agreements überprüft.» Manches Abkommen wurde gekündigt,
sei es weil das Passagieraufkommen für zu klein befunden wurde, oder
weil die Zusammenarbeit mit einer Nicht-E-Ticket-Airline gescheut
wurde.
