Gut erreichbare Ganzjahresziele fernab vom Massentourismus, das ist die Nische, die Amin Travel aus Zürich besetzt. Und das mit Erfolg. Im Jahr seines 30-jährigen Bestehens geht es dem Spezialisten besser als je zuvor. Zum Geburtstag gab es ein grösseres Büro in Zürich Wiedikon und einen zusätzlichen Mitarbeitenden.
Als Ahmed Amin 1984 sein Reisebüro an der Badenerstrasse in Zürich eröffnete, war die erste und einzige Destination im Angebot sein Heimatland Ägypten. Von dort war er einst über Paris und Wien wo er an der Wirtschaftsuniversität Tourismus studiert und in einem Hotel seine spätere Frau Klara kennengelernt hatte in die Schweiz gekommen. Nach einer Station im Swissôtel startete Amin schliesslich sein eigenes kleines Unternehmen: Amin Travel.
Mit Ägypten hat Amin seither viele Höhen und Tiefen erlebt. Nach den Anschlägen in Luxor 1997 musste der Firmengründer sogar seine drei Mitarbeitenden entlassen und allein weitermachen. «Aber mein Vater hat niemals aufgegeben», sagt heute Reto Amin. Der 32-Jährige führt den Familienbetrieb, zudem auch Ahmed und Klara Amin noch gehören, seit 2010. Nach seiner Lehre bei Reisebaumeister (heute Travelhouse) und einer Zeit bei Compass Travel in Kairo ist er im Jahr 2001 ins Unternehmen eingestiegen. Und es hat sich einiges geändert.
Die Amins setzen heute nicht mehr nur auf ein Ziel. «Ägypten macht derzeit noch 15 Prozent unseres Umsatzes aus», erzählt Reto Amin. Wobei dies jederzeit wieder anziehen könne. Jetzt sind die Azoren Nummer eins, gefolgt von Madeira, dem portugiesischen Festland und Jordanien. Die Azoren seit Ende der 90er Jahre im Programm sind das Paradebeispiel für das Aminsche Konzept. Die neun Inseln sind das ganze Jahr über attraktiv, man muss nicht um die halbe Welt fliegen, um sie zu erreichen, und vor allem ist das Wissen eines Spezialisten noch gefragt. Denn Massentourismus gibt es nicht; sich online selbst zu organisieren, kann schnell zu einer umfangreichen Aufgabe werden. Aus denselben Gründen sind die noch nahezu unentdeckten Kapverden ab 2015 neu im Programm, dafür fallen Malta und Zypern raus, denn dort gibt es fast keine Geheimtipps mehr. Amin: «Das passt nicht mehr zu uns, auch wenn es schade ist.»
Zu den 130 Reiseprogrammen von Amin Travel gehören Kultur-, Wander- und Golfreisen, Bade-, Tauch- und Wellnessferien, Velo-, Reit- und Sprachaufenthalte für Individualisten oder kleine Gruppen. Für alle Destinationen gilt laut Reto Amin: «Bevor wir unseren Gästen etwas anbieten, müssen wir uns vor Ort wie zu Hause fühlen.» Alle Mitglieder des heute sechsköpfigen Teams seien mehrmals vor Ort gewesen, um das jeweilige Land kennenzulernen und die Produkte zu prüfen. Zudem sei der Austausch mit den Agenturen im Land wichtig. Jede werde nur für ihr Spezialgebiet eingesetzt. «Es kann deshalb sein, dass wir für ein Dossier mit drei Agenturen zusammenarbeiten», so Amin. Denn Besonderheiten wie eine Ausfahrt mit einem ägyptischen Fischer gehören bei ihm einfach dazu.
Dies scheint auch immer mehr junge Kunden anzusprechen. Reto Amin: «Bis vor kurzem hätte ich gesagt, unsere Gäste sind im Durchschnitt 50+, dieses Jahr sind sie eher 30+.»
