Aegean im Aufwind – dosierter Expansionskurs trägt Früchte (Ausgabe 2014-51)

Mit Roland Jaggi sitzt bei der griechischen Aegean Airlines auch ein Schweizer an den Schalthebeln der Macht am Headoffice in Athen.

Erst im vergangenen Juni nahm die griechische Aegean Airlines Zürich in ihr Streckennetz auf. Im aktuellen Winterflugplan erhöhte sich die Zahl der wöchentlichen Rotationen von vier auf fünf, und im nächsten Sommer werden daraus gar tägliche Flüge. Auch die saisonalen Sommerflüge nach Heraklion und Rhodos werden in Zürich von zwei auf drei, resp. von einer auf zwei Rotationen aufgestockt. Und ab Genf sind die beiden Insel-Ziele (nebst den auf fünf wöchentliche Flüge ausgebauten Athen-Strecken) neu im Angebot – Aegean ist am Drücker.

«Der Marktanteil von Aegean in Athen beträgt rund 30 Prozent – da liegt für uns als Homecarrier im Zuge Wiederaufschwungs noch einiges drin. Wir konzentrieren uns deshalb gezielt auf eine dosierte, flexible und risikobewusste Stärkung der Position in Athen», sagt Roland Jaggi, Director Revenue Management, Pricing & International Sales, zum Expansionskurs des griechischen Carriers. Entsprechend baut Aegean 2015 ihr Athen-Angebot auf 61 internationale Destinationen und 30 Domestic-Ziele aus, was Athen als idealen Hub für ganz Griechenland positioniert.  

Der gebürtige Berner Oberländer Roland Jaggi stiess 2006 zu Aegean, nachdem er zuvor eine Karriere bei Swissair (u.a. in Moskau) und Swiss (u.a. in Portugal) verfolgte. Er kennt deshalb den Werdegang von Aegean Airlines, die sich aus der Private-Jet-Firma Aegean Aviation entwickelte, gut: 1999 nach der Liberalisierung des Luftverkehrs in Griechenland von den Unternehmern Vassilakis und Laskaridis gegründet, wuchs Aegean vorerst durch die Übernahmen von Air Greece und Cronus Airlines. 2007 erfolgte der Gang an die Börse mit einer Kapitalaufstockung (die Vassilakis-Familie ist nach wie vor grösster Einzelaktionär und operationell aktiv), ein nächster wichtiger Schritt war 2010 der Beitritt zu Star Alliance. 

«Auch während der Krise hat Aegean stets vorsichtig investiert und neue Strecken eröffnet. Das zahlt sich heute aus, denn 2013 konnten wir nach drei Jahren mit Verlusten wieder einen stolzen Gewinn ausweisen», sagt Jaggi. Dazu trage aber auch das hohe Kostenbewusstsein im Unternehmen bei. Ein positives Resultat darf auch für dieses Jahr erwartet werden. 2013 gelang zudem im zweiten Anlauf die Übernahme der einst staatlichen Olympic Air, die zuletzt der Marfin-Gruppe gehörte. Die heutige 100%-Tochter von Aegean kommt mit ihren vier Dash- und zehn Bombardier-Maschinen unverändert unter dem in Griechenland emotional stark verankerten Olympic-Brand vor allem auf innergriechischen Strecken zum Einsatz. 

Die Flotte von AegeaN umfasst derzeit 36 Fluggeräte der A320-Familie, bis 2016 werden es 42 sein. «In diesem Jahr kommen wir zusammen mit Olympic auf rund zehn Millionen Passagiere, für das nächste Jahr rechnen wir mit 11,5 bis 12 Millionen», sagt Jaggi zur Entwicklung. Mit einem flexiblen Preissystem (Go Light, Flex und Business) entspricht der Carrier den heutigen Passagier-Bedürfnissen. 

Der Verkehr ist nicht nur nach den Inseln, sondern auch nach Athen vor allem leisuregetrieben und zielrein, ein gewisser Beyond-Verkehr über den Hub Athen gibt es ostwärts z.B. nach Larnaca, Beirut, Tel Aviv etc. Mit Etihad gibt es zwischen Athen und Abu Dhabi ein Codeshare-Abkommen.

Beat Eichenberger