Afrika-Baisse wegen Angst vor Ebola (Ausgabe 2014-46)

Nicht ignorant, aber emotional

Die Reisebranche hat mit Pauschalisierungen schon seit jeher zu kämpfen. Gibt es gewalttätige Demonstrationen in Kairo, sinkt die Nachfrage fürs Rote Meer – ist ja alles Ägypten. Die Costa Concordia läuft auf Grund, und die gesamte Kreuzfahrtindustrie erfährt eine Nachfrage-Delle. Und in drei westafrikanischen Ländern bricht Ebola aus, worauf der Tourismus eines ganzen Kontinents ins Schlingern kommt. 

Solche Pauschalisierungen sind mühsam, aber durchaus menschlich. Oftmals setzt man sie mit Ignoranz gleich, doch das stimmt nur bedingt. Ein Kunde kann sich völlig bewusst sein, dass Kapstadt über 5000 Kilometer vom Ebola-Herd entfernt ist und dass das Risiko höher ist, in der Schweiz an einer Wintergrippe zu sterben  – wenn er ein schlechtes Gefühl hat, sobald er an Afrika denkt, wird er trotzdem nicht buchen.  

Aufklärung mittels Distanztabellen, Statistiken und Vergleichen helfen deshalb nur bedingt. Das Freizeit-Reisegeschäft ist ein durch und durch emotionales Business; entsprechend werden Entscheide häufig aufgrund subjektiver Empfindungen und nicht objektiver Tatsachen gefällt. In guten Zeiten ist diese Emotionalität ein grosser Trumpf für die Branche, bringt sie die Kunden doch oft dazu, für etwas Schönes auch einmal tiefer in die Taschen zu greifen. In schlechten Zeiten kann sie hingegen zum grossen Hindernis werden. 

Jemanden zu «bekehren», ist deshalb schwierig. Die destinationserfahrenen Kunden wissen bereits zu differenzieren und buchen ihre Reise sowieso. Und der Erstreisende wird sich auch nach allen sachlichen Argumenten fragen: «Wieso soll ich gerade jetzt erstmals nach Afrika reisen, wenn ich der ganzen Sache nicht recht traue? Warum nicht einfach nächstes Jahr?» Für eine solche Überlegung muss man Verständnis aufbringen können – schliesslich soll sich der Kunde in seiner Entscheidung ja wohl fühlen.

Dabei sind die Schweizer Afrika-Veranstalter noch relativ gut bedient. Im internationalen Vergleich gehören die Schweizer eher zu den unerschrockenen Kunden, die sich nicht sofort von jeder Hysterie anstecken lassen. Der beste – und wohl auch einzige – Weg, wie die Reisebranche solchen Ängsten begegnen kann, ist deshalb, Verständnis aufzubringen, sachlich zu informieren und geduldig die Fragen der Kunden zu beantworten. Und falls das nichts bringt: zu hoffen, dass der Kunde nächstes Jahr wieder kommt, sobald der ganze Spuk vorbei ist.

Stefan Jäggi