Die Flugplanung von Air Berlin (AB) im Bereich Kurz- und Mittelstrecken ab Zürich ist noch nicht ganz abgeschlossen. Doch lässt sich jetzt schon eines mit Bestimmtheit sagen: Air Berlin ist mit dem 49%-Einkauf bei Belair in sehr kurzer Zeit zum bestimmenden Player in der hiesigen Charterszene aufgestiegen. Bei der Langstrecken-Planung arrangierten Hotelplan und Kuoni sich noch weder die Boeing 767 von Belair noch der Airbus 330 von Edelweiss hätte ein TO allein füllen können. Doch auf der Kurz- und Mittelstrecke nimmt AB gar keine Rücksicht auf die Konkurrenz. Die beiden B-757 der Belair werden voll in den AB-Flugplan integriert und nach jeweiligem Bedarf eingesetzt.
Vor Überkapazitäten haben die AB-Verantwortlichen keine Angst im Gegenteil. Kloten wird nächsten Winter noch vermehrt als zentrale AB-Drehscheibe benützt werden. Die eben publizierten Passagierzahlen für den Flughafen Zürich für April 2007 geben AB-Chef in der Schweiz, Stefan Gutknecht, recht: 23% Steigerung gegenüber April 2006. Und Gutknecht will noch mehr und dafür sein Verkaufsteam aufgestockt. Wie die Kontingente verteilt werden und welcher TO zum Zuge kommt, bestimmt allein Air Berlin. Gutknecht führt mit allen Interessenten Gespräche. Geht man davon aus, dass Hotelplan (besitzt immer noch 51% des Belair-Kapitals) ein Kontingents-Vorrecht hat und die zahlreichen AB-Zubringer aus Deutschland und Österreich auch nicht für wenige Passagiere sorgen, bleibt die Frage offen: Wie viele Sitzplätze bleiben für die restlichen TOs und Veranstalter in der Schweiz übrig?
Hier liegt die Gefahr für Edelweiss und Helvetic Airways. Die höhere Sitzplatzkapazität im Kurz- und Mittelstreckenbereich wird sich auch auf den Preis auswirken. Dem Reisenden kann dies schlussendlich egal sein doch für die beiden Fluggesellschaften wird die Luft sehr dünn werden.
Noch ein weiteres grosses Fragezeichen bleibt im Raum stehen: Was macht eigentlich Thomas Frischknecht? Erst im September 2006 als Mitglied der Geschäftsleitung bei Belair eingetreten und für Marketing, Verkauf und Produkservice verantwortlich, hat es für Frischknecht wohl keinen Platz mehr. Die Sommersaison ist praktisch gelaufen für den Winter hat Gutknecht das Belair-Steuer fest in seine Hand genommen. Die Hotelplan-Verantwortlichen wollen erst nach dem rechtlichen Vollzug des AB/Belair-Deals darüber entscheiden.



